Allgemeine Berichte | 12.07.2019, 09:18 Uhr

Gedenkstätte und Freilichtmuseum Silberbergtunnel

Die „Stadt im Berg“: Erinnerung an dunkle Zeiten hoch über Ahrweiler

Das beschwerliche Leben im Tunnel wurde in der Gedenkstätte originalgetreu nachgebaut. Fotos: DU
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dass die hoch über der Rotweinmetropole Ahrweiler gelegene Gedenkstätte und Freilichtmuseum Silberbergtunnel selbst manchem Einheimischen unbekannt ist, mag sicherlich auch daran liegen, dass dieser Ort mit dem Museum Römervilla und der Dokumentationsstätte Regierungsbunker gleich zwei Publikumsmagnete des Ahrtals in direkter Nachbarschaft hat.

Dabei ist die im Juli 2004 eröffnete Gedenkstätte nicht nur wegen ihrer historischen Bedeutsamkeit interessant, sondern auch wegen ihrer malerischen Umgebung und dem nur einen Steinwurf entfernten, faszinierenden Weitblick über Ahrweiler und das Ahrtal. Bevor man zum Silberbergtunnel gelangt, geht es zunächst fast permanent bergauf. Wer nach dem Aufstieg eine Verschnaufpause braucht, kann dies auf den Sitzbänken rund um die Adenbachhütte tun und hier erste Blicke ins Tal erhaschen.

Barackenwände und Bombenreste

Von der Adenbachhütte – einem beliebten Ort für Feierlichkeiten aller Art – sind es nur noch wenige Meter, bis der Silberbergtunnel erreicht ist. Entsprechende Hinweisschilder weisen den Weg. Vor Ort bietet sich dem Besucher ein Bild, das nachdenklich stimmt. Barackenwände aus Holz, ein provisorischer Briefkasten, auf das notwendigste reduzierte Kochstellen und Öfen sowie Bombenspuren des Krieges. Eben jener Krieg, genauer gesagt der Zweite Weltkrieg war es auch, der mit dieser traurigen und beklemmenden Geschichte des Silberbergtunnels verbunden ist. In den letzten Kriegsjahren 1944 und 1945 suchten rund 2.500 Bewohner von Ahrweiler in dem alten, für eine nie fertiggestellte Bahnlinie gebauten Eisenbahntunnel Zuflucht vor den gefürchteten Luftangriffen und Tieffliegern, die mit ihren Bordwaffen für Angst und Schrecken sorgten. Es entstand eine „Stadt im Berg“, in der vor allem die Improvisation vorherrschte. Dennoch gab es eine „Hauptstraße“ und durch Holzwände abgetrennte „Wohnungen“ mit „Hausnummern“, der Briefträger verteilte die Post und Sanitätsrat Dr. Georg Habighorst behandelte die Kranken, so gut es unter diesen widrigen Bedingungen möglich war. Die Bewohner verließen den Tunnel in der Regel nur noch nachts, um zumindest das Vieh zu füttern und das nötigste zu erledigen.

Ein Freilichtmuseum der besonderen Art

All dies lässt sich heute natürlich nur noch erahnen und doch vermittelt der Blick in dieses ganz besondere Freilichtmuseum, wie entbehrungsreich das Leben in dem feuchten, dunklen Tunnel, der zuvor unter anderem zur Champignonzucht genutzt wurde, gewesen sein muss. Die Trägerschaft der Gedenkstätte liegt in den bewährten Händen des Heimatvereins „Alt Ahrweiler“. Eine Infotafel vor Ort erklärt die Geschichte des Silberbergtunnels und nur wenige Meter entfernt kann die bereits erwähnte Aussicht auf Ahrweiler genossen werden.

Gedenkstätte und Freilicht- museum Silberbergtunnel

Fußweg: Von der Bahnstation „Ahrweiler Markt“ geht es die Adenbach hinauf Richtung Adenbachhütte. An den weithin sichtbaren Brückenpfeilern geht es nach 50 Metern bergauf, anschließend folgt eine Linksabbiegung. Am Rotweinwanderweg dann rechts bis zum Silberbergtunnel.

Mit dem Auto: Bis zur Adenbachhütte der Beschilderung folgen. Die restlichen 50 Meter müssen zu Fuß zurückgelegt werden.

Beklemmende Relikte: Beton, Draht und Sprengvorrichtung.

Beklemmende Relikte: Beton, Draht und Sprengvorrichtung.

Die Gedenkstätte liegt unweit der bekannten Adenbachhütte.

Die Gedenkstätte liegt unweit der bekannten Adenbachhütte.

Das beschwerliche Leben im Tunnel wurde in der Gedenkstätte originalgetreu nachgebaut. Fotos: DU

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