Allgemeine Berichte | 09.06.2020, 11:41 Uhr

Fairtrade-Gruppe Sinzig und Weltladen Remagen-Sinzig

Die bittere Wahrheit über Schokolade

Internationaler Tag gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Sinzig. Rund 152 Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren müssen nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten. Unter ihnen sind 72 Millionen Mädchen und Jungen, die gefährlicher Arbeit verrichten müssen: Sie schuften an gefährlichen Orten wie Steinbrüchen oder kommerziellen Plantagen, sie leisten Nachtarbeit oder haben sehr lange Arbeitszeiten.

Etwa 10 Millionen Kinder werden wie Sklaven gehalten. Sie leisten Zwangsarbeit, zum Beispiel in Haushalten oder in der Landwirtschaft. Viele Kinder werden sexuell ausgebeutet. Auch kleine Kinder arbeiten: 19 Millionen Kinderarbeiter sind jünger als elf Jahre. Ein Drittel der Kinderarbeiter besucht keine Schule.

Ursachen für Kinderarbeit

Ursache Nummer eins ist Armut! Die Menschen, deren Arbeit in den Produkten steckt, erhalten nur einen Lohn von täglich zwei oder drei Euro, was auch in Indien, Bangladesch oder Mosambik kaum ausreicht, um eine Familie zu ernähren. Die Kinder müssen früh zum Familieneinkommen beitragen. Konflikte und Naturkatastrophen verschärfen die wirtschaftliche Not, weil der Haupternährer tot oder von der Familie getrennt ist, weil Felder nicht bestellt werden können oder andere Einnahmequellen wegfallen. Auch Mädchen und Jungen, die durch HIV/Aids oder Ebola zu Waisen oder Halbwaisen wurden, sind besonders häufig von Kinderarbeit betroffen. Im östlichen und südlichen Afrika haben Wetterextreme wie Dürren im Wechsel mit schweren Regenfällen dazu geführt, dass Kinder die Schule abbrechen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen.

Kaffee, Bananen, Schokolade, Handys oder Blumen – das Angebot an Waren, die in Deutschland in den Supermärkten liegen und ganz oder teilweise aus fernen Ländern kommen, ist riesig. Warum sind die Waren so billig? Weil die Produzenten zu wenig Geld bekommen und oft Kinderarbeit in den Produkten steckt.

Ganz besonders deutlich wird das beim Produkt Schokolade: Die Deutschen essen durchschnittlich neun Kilo Schokolade im Jahr. Das ehemalige Luxusprodukt ist zu einem der beliebtesten Massenkonsumartikel geworden, das oft wenig kostet. Doch der billige Genuss geht auf Kosten anderer Menschen und der Natur. In der Elfenbeinküste und Ghana, den beiden wichtigsten Kakaoanbauländern, arbeiten etwa zwei Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen.

Zu den gefährlichen Tätigkeiten, die Kinder im Kakaoanbau ausführen, zählen das Tragen 60-70 kg schwerer Kakaosäcke, die Arbeit mit gefährlichen Werkzeugen wie zum Beispiel Macheten oder das Versprühen von giftigen Pestiziden. Außerdem sind im Kakaoanbau in Westafrika rund 10.000 Kinder von Kinderhandel und -sklaverei betroffen.

Viele der Kinder werden aus den Nachbarländern Mali und Burkina Faso in die Elfenbeinküste verschleppt und dort zur Arbeit auf Kakaoplantagen gezwungen. Zudem werden sie gar nicht oder nur sehr schlecht für ihre Arbeit bezahlt.

Neben den körperlichen Beeinträchtigungen hinterlässt die harte, ausbeuterische Arbeit auch schwere psychische Störungen. Kinder, die auf Kakaoplantagen arbeiten, haben teilweise jahrelang keinen Kontakt zu ihren Familien und werden außerdem oft beschimpft, gedemütigt oder sogar geschlagen. Der Zugang zu Bildung ist häufig schwierig.

Wir können etwas tun

Ob Schokolade, Kaffee, Kosmetik oder Kleidung: In vielen Produkten, die wir kaufen, steckt Kinderarbeit. Benjamin Pütter, der Kinderarbeitsexperte von „Sternsinger“ warnt davor, irgendwelchen obskuren Labels „Frei von Kinderarbeit“ Glauben zu schenken. Auf der Internetseite „label-online.de“ können Verbraucher überprüfen, ob ein Label vertrauenswürdig ist oder nicht.

Man muss bei Kaufentscheidungen genau hinzusehen. Die Initiative Make Chocolate fair empfiehlt Konsumenten, zertifizierte Schokolade zu kaufen. Konsumenten sollten auf Siegel achten wie zum Beispiel das Fairtrade-Siegel, oder die Fair-Siegel von Gepa , Rapunzel, El Puente, Weltpartner oder Naturland fair, die ein Verbot von Kinderarbeit enthalten . Für Schokolade ohne Zertifikat gilt: Der Preis sagt nichts darüber aus, ob beim Kakaoanbau Kinder zur Arbeit herangezogen wurden oder nicht. Wer ganz sicher gehen will, kann sich gerne bei der Fairtrade-Gruppe Sinzig oder dem Weltladen Remagen-Sinzig erkundigen.

Pressemitteilung

Fairtrade-Gruppe Sinzig und

Weltladen Remagen-Sinzig

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