Allgemeine Berichte | 15.08.2025

EIN-Spruch: Die Sträuße des Lebens

Nadine Kreuser.  Foto: privat

Am 15. August, Mariä Himmelfahrt, werden seit Jahrhunderten Kräutersträuße gebunden und in der Kirche geweiht. In vielen Regionen ist es bis heute Brauch, an diesem Tag Heilpflanzen wie Johanniskraut, Kamille, Salbei, Minze, Beifuß oder die Königskerze zu sammeln. Jede Pflanze hat ihre eigene Bedeutung: Johanniskraut steht für Licht und Zuversicht, Kamille für Heilung, Salbei für Kraft, Minze für Erfrischung, die Königskerze für Schutz. Gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Diese Woche habe ich den Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Wir nehmen uns dafür bewusst Zeit – eine kleine Mutter-Tochter-Auszeit, die wir seit einigen Jahren pflegen. Nichts Großes, kein volles Programm. Wir trinken Kaffee, gehen spazieren, reden, hören zu, genießen. Diese Stunden sind einfach – und doch wertvoll.

Im Rückblick fällt mir auf, wie ähnlich diese Auszeit einem Kräuterstrauß ist. Jeder Moment fügt etwas hinzu: ein Lachen, ein vertrautes Gespräch, ein stiller Blick. Manche Augenblicke bringen Leichtigkeit, andere Tiefe. Erst zusammen entsteht daraus etwas, das trägt.

Wie beim Binden eines Kräuterstraußes geschieht das nicht von allein. Man muss sich bewusst entscheiden, diese Zeit zu nehmen. Sonst bleibt sie ein „man müsste mal wieder…“. Doch genau wie Kräuter ihre Kraft verlieren, wenn man sie nicht rechtzeitig pflückt, verlieren auch Gelegenheiten ihre Intensität, wenn wir sie zu lange aufschieben.

Mariä Himmelfahrt erinnert mich daran, dass es gut ist, das Wertvolle rechtzeitig zu sammeln – ob es nun Kräuter sind oder gemeinsame Stunden. Unsere Auszeit ist klein im Aufwand, aber groß in der Wirkung. Sie hinterlässt Spuren, die bleiben. Vielleicht ist das der eigentliche Strauß des Lebens: nicht die großen Feste, sondern die bewusst gepflegten Momente, die uns verbinden und Kraft geben.

Nadine Kreuser

Presse- und

Öffentlichkeitsarbeit in der Pfarrei

Bad Neuenahr-Ahrweiler

Nadine Kreuser. Foto: privat

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