Allgemeine Berichte | 14.07.2025, 09:44 Uhr

EIN-Spruch: Zeichen der Hoffnung

Sebastian Walter.  Foto: privat
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Vielleicht geht es Ihnen da wie mir: Orientierungspunkte sind für das Stadtbild unerlässlich. Solche Anker liegen zum Beispiel mit der Rosenkranzkirche in Bad Neuenahr und mit St. Laurentius in Ahrweiler vor – Sie prägen markant das jeweilige Stadtbild. Deshalb tut die Gewissheit gut, dass beide Kirchen in absehbarer Zeit ihre Pforten öffnen: St. Laurentius am 10. August und die Rosenkranzkirche am 3. Advent.

An der Rosenkranzkirche ist ihr Baustil besonders. Sie wurde ähnlich wie das Rathaus und das Postamt bewusst wuchtig gebaut. Fast schon überdimensioniert wirken diese Bauten, die Repräsentationszwecke erfüllen sollten. Verantwortlich war der Kurbetrieb: für ein mondänes Badepublikum sollten Identifikationspunkte entstehen, die bewusst den kaiserzeitlichen Architekturstil aus Großstädten aufgegriffen haben.

Ähnlich verhält es sich bei der gotischen Hallenkirche St. Laurentius. Insbesondere ihre Ausmalungen versuchen Identifikationspunkte zu schaffen: Die Taufe Jesu in der Ahr sowie das jüngste Gericht am westlichen Stadttor, dem Obertor – Zeugnisse für die Identifikation mit dem christlichen Glauben, die von kaum messbarem kulturellen Wert sind, weil sie Identifikationsstrategien und Denkweisen des Mittelalters freilegen.

Beide Kirchen sind zerstört worden durch die Jahrhundertflut vom 14./15. Juli 2021, derer wir in diesen Tagen gedenken. Die Folgen sind noch immer kaum in Worte zu fassen: 135 Tote, 766 Verletzte, 17.000 Menschen verloren Hab und Gut, 9.000 Häuser und 100 Brücken sind zerstört – ein Gesamtschaden von 8,5 Milliarden Euro. Mir selbst führen diese Zahlen das Erlebte dieser Nacht und ihre Zerstörung vor Augen. Während ich das schreibe, denke ich daran, wie ich aus meiner Wohnung musste – ungewiss, ob ich zurückkommen kann. Ich denke daran, wie ich in dieser Zeit Orientierung gesucht habe.

Vier Jahre später ist vieles geschafft, worauf wir stolz sein können! Da tut es gut, wenn die Eröffnung zweier Kirchen, die Orientierungs- und Identifikationspunkte bieten, in greifbare Nähe rückt. Ein Zeichen der Hoffnung, das es aber nicht bruchlos gibt: Viele Orientierungs- und Identifikationspunkte hat die Flut uns genommen, auch das gehört zur Wahrheit. Jede Eröffnung ist deshalb ambig: Im Aufbau des Neuen, steckt immer auch der Verlust des Hergebrachten.

Über „EIN-Spruch“

„EIN-Spruch“ ist eine Kolumne der Pfarrei Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sebastian Walter studiert Katholische Theologie und arbeitet für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei.

Sebastian Walter. Foto: privat

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