Eine versteckte Schönheit an der Ahr
Historisches Fachwerk in Walporzheim freigelegt
Walporzheim.Einem Laien wäre das Haus in der Pützgasse in Walporzheim wohl nicht aufgefallen. Mit seiner unauffälligen beigen Putzfassade reiht es sich unscheinbar zwischen die anderen Wohnhäuser der Straße ein. Doch Fachleute erkennen gleich: Hinter dem Putz befindet sich ein historisches Fachwerkhaus. Erst die Freilegung der Fachwerkkonstruktion macht allseits deutlich, welches Kleinod sich hier verborgen hat. Nun wird das Wohnhaus nach historischem Vorbild mit althergebrachten Handwerkstechniken wieder aufgebaut. Zuerst gilt es, die schadhaften Stellen am Fachwerk zu beseitigen. Viele der Schäden an der Holzkonstruktion wurden durch die Verwendung von unpassenden Materialien verursacht. Arbeiten werden an dem Bauwerk Freiwillige des diesjährigen Fluthilfecamps der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, das vom 8. Juni 2024 bis zum 23. Juni 2024 im Ahrtal stattfindet.
„Die Gefache werden heute mit Leichtlehmsteinen ausgemauert, die sich die positiven seit Jahrhunderten geschätzten Lehm-Eigenschaften zu eigen machen, aber einfacher als das traditionelle Weidenrutengeflecht mit Lehmbewurf zu nutzen sind und die Trocknungszeiten verkürzen“, erklärt Architekt Fritz Vennemann, der kurz nach der Flut 2021 gemeinsam mit weiteren Baufachleuten den Verein „Historisches Ahrtal e.V.“ gegründet hat. Er macht sich für den Wiederaufbau von historischen Bauten im Ahrtal stark und freut sich über die Unterstützung durch die Freiwilligen des Fluthilfecamps, die das Ausmauern übernehmen. Schon vor Jahrhunderten war der Typus des Fachwerkhauses dazu gedacht, dem Eigentümer die Möglichkeit zu geben, einen Großteil der Arbeit beim Bau seines Hauses in Eigenleistung zu erbringen. Während die hölzerne Fachwerkkonstruktion von einem Zimmermann errichtet wurde, blieb das Auskleiden der Gefache oft dem Eigentümer überlassen. Eine Eigenschaft, von denen ebenso heutige Eigentümer eines Fachwerkhauses nach der verheerenden Flut profitieren konnten. „Das ist ökologisches, denkmalgerechtes und obendrein noch nachhaltiges Bauen, das einem Fachwerkhaus gerecht wird“, erklärt Vennemann. Hat man sich einmal an den Werkstoff herangetraut, macht die Arbeit mit dem natürlichen Material Lehm großen Spaß und lässt sich relativ leicht erlernen.
Wenn auch nur ein Teil der 300 jungen Freiwilligen des Fluthilfecamps bei der Ertüchtigung des Fachwerks in der Pützgasse hilft, so sind sich die jungen Menschen – alles aktuelle Teilnehmer oder ehemalige Teilnehmer einer der 16 Jugendbauhütten bundesweit, also eines Freiwilligen Sozialen Jahres in der Denkmalpflege – einig. Ihr gemeinsames Anliegen lautet, die Region beim Wiederaufbau historischer Häuser wirksam unterstützen zu wollen.
Das Fachwerkhaus in der Pützgasse. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz
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