Allgemeine Berichte | 04.08.2023

Wie sieht es in der kleinen Gemeinde zwei Jahre nach der Ahr-Flut aus?

Nach der Flut: Kirchsahr auf der Zielgeraden

Kirchsahr. „Wir klagen auf hohem Niveau, auf ganz hohem Niveau“, sagt Stefan Zavelsberg, Bürgermeister von Kirchsahr, wenn er vom Fortschritt beim Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe im Juli 2021 im Sahrbachtal, einem Nebental der Ahr, spricht. Gut zwei Jahre nach der Flut sieht man nur bei näherem Hinsehen, dass sich hier in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli eine Katastrophe ereignet hat, die das rund 400 Einwohner zählende Kirchsahr und seine Ortsteile Binzenbach und Burgsahr noch nicht erlebt hat. Über den Stand der Dinge informierte sich jetzt vor Ort der Leiter des Verbindungsbüros Wiederaufbau der Landesregierung in Ahrweiler, Thomas Weimer.

Sieben Millionen Kubikmeter Wasser beförderte der in Kirchsahr auf 6,5 Meter gestiegene Sahrbach in dieser Nacht ins rund neun Kilometer entfernte Altenahr-Kreuzberg, wo die Sahr in die Ahr mündet. Unterwegs riss das Wasser vieles mit und weg. Durch die Zerstörung der Zufahrtsstraßen und Brücken war der Ort von der Außenwelt abgeschnitten. Erst nach Tagen, erzählt Zavelberg, seien die ersten Hilfstrupps eingetroffen. Deshalb galt Kirchsahr lange als das „vergessene Dorf“ in dieser Jahrhundertkatastrophe.

Hilfe zur Selbsthilfe war gefordert in Kirchsahr und wurde geleistet. Die Dorfgemeinschaft, die Bundeswehr und viele Freiwillige halfen bei der Versorgung der Bevölkerung, als es kein Wasser und keinen Strom, kein Internet, keine Kommunikation mit der Außenwelt gab. In den unwegsam gewordenen Orten und drum herum konnte man nur mit geländegängigen Fahrzeugen unterwegs sein. 70 Häuser waren in der Ortsgemeinde betroffen.

Nach dem „Wasserbeben“

Heute, zwei Jahre nach dem „Wasserbeben“, sieht man kaum noch was von den Zerstörungen, die die Sahr angerichtet hatte. Der Bach fließt ruhig in seinem naturnah ausgebauten Bett. Fische haben sich wieder angesiedelt. An der Sahr vorbei schlängelt sich die von den Naturgewalten zerstörte Landesstraße. Durch die vielen Baumaßnahmen im Sahrbachtal, die infolge der Flut durchgeführt werden mussten, war der Wiederaufbau der L 76 besonders anspruchsvoll. Die Fahrbahn, die Gehwege, Stützbauwerke und Böschungen wurden im Streckenabschnitt größtenteils zerstört. In enger Abstimmung mit den Versorgungsträgern wurde der Wiederaufbau in Rekordzeit erledigt. Binnen zwei Jahren wurde die Straße von Kirchsahr bis Altenahr-Kreuzberg komplett neu aufgebaut. Seit Mai können die Talbewohner ihre Lebensader wieder uneingeschränkt nutzen. Ein Meilenstein beim Wiederaufbau nach der Katastrophe vom Juli 2021. Die Kosten für die Erneuerung der rund 6,5 Kilometer langen Strecke betragen insgesamt rund 6 Millionen Euro und werden durch den Aufbaufonds getragen.

70 Kilometer Wanderwege sind wieder hergerichtet

Aber auch in den Ortschaften Kirchsahr, Binzenbach und Burgsahr ist viel passiert. Die von der Flut betroffenen Häuser sind alle wieder bewohnt. Die zum Teil vollkommen aufgerissenen Straßen und Gehwege in den Ortslagen sind gemacht, Strom- und Wasserleitungen sowie Kanal funktionieren wieder, Glasfaserkabel wurde dazugelegt. 70 Kilometer Wanderwege sind wieder hergerichtet und so langsam kehren die Touristen wieder zurück.

Doch gänzlich abgearbeitet ist das 70 Punkt umfassende Maßnahmenpaket für den Wiederaufbau in Kirchsahr noch nicht. Auf rund 14 Millionen Euro ist der Gesamtschaden an öffentlicher Infrastruktur hochgerechnet worden. Ein Bolz- und ein Spielplatz fehlen noch, Übergänge über den Sahrbach sind noch zu erneuern, zwei Buswartehäuschen, ein Kapellchen und Wirtschaftswege stehen noch auf der To-do-Liste im Sahrbachtal. Bürgermeister Stefan Zavelsberg will weiter Gas geben beim Wiederaufbau und wünscht sich schnelle Verfahrenswege, um ans Ziel zu kommen. „Aber im Vergleich zu den Gemeinden an der Mittelahr“, betont er nochmals, „klagen wir auf hohem Niveau, auf ganz hohem Niveau.“

Entwicklungsagentur

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