Allgemeine Berichte | 11.05.2020

Während der Pandemie ermöglicht das stationäre Hospiz persönliche Begegnungen

Nähe statt Isolation in Zeiten des Abstands

Kreative und individuelle Lösungen für alle sind gefragt

Verwandte konnten über die überdachte Terrasse Kontakt zu ihrem Familienmitglied im Haus aufnehmen. Foto: privat

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eigentlich hätte nur der Ehemann kommen dürfen. Aber das Zusammentreffen am Wochenende im stationären Hospiz im Ahrtal hat eine ganze Familie glücklich gemacht. Trotz oder eben auch wegen Corona und wegen der schweren Krankheit einer Frau, die Gast im Hospiz ist. Denn dank der speziellen Gegebenheiten und der Kreativität des Teams konnte auch die Tochter, die ihre Mutter lange betreut hat, ihre Mutter auf deren Wunsch noch einmal sehen. Und sogar die Enkelkinder, die ihre Oma in den Wochen zuvor sehr vermisst hatten, waren dabei. Mit Abstand, versteht sich, und corona-konform: Als Hospiz-Gast hat die Frau mit ihrem Ehemann im Mehrzweckraum im Untergeschoss des Bad Neuenahrer Hospizes gesessen. Tochter und Enkel kamen, ohne das Haus zu betreten, über den Garten auf die überdachte Terrasse des Hospizes. Durch einen Tisch in der Tür getrennt ist aber ein familiärer Austausch möglich gewesen.

Weil es der erste dieser Art gewesen ist, war der Moment für alle Beteiligten ein bewegender. Gerade in Corona-Zeiten. Auch für das Team des Hospizes. „Schließlich gehört zu unserem Verständnis des Hospizgedankens, dass wir nicht nur dafür sorgen, dass Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke möglichst frei von Schmerzen und anderen Symptomen sind, sondern auch dass sie ein größtmögliches Maß an Lebensqualität erleben“, erklärt Hospizleiterin Yasmin Brost. Und dazu gehöre auch der persönliche Kontakt, der aber wegen der Pandemie auch das Hospiz vor besondere Herausforderungen gestellt hat: Nah zu sein, wenn Abstand geboten ist. Da zu sein und beizustehen, wenn für alle Beteiligten die unsichtbare Bedrohung ein Virus ist. Deswegen fand und findet das Hospiz-Team immer wieder neue Lösungen und hat sich immer wieder neu der Frage gestellt: Wie gehen wir im Sinne unserer Hospizgäste mit der Pandemie um?

Klar war, dass sowohl für die Hospizgäste als auch für die Mitarbeiter größtmöglicher Schutz geboten war und ist. Klar ist aber auch, dass keiner in einer Krisensituation ohne den Beistand einer ihm nahe stehenden Person sein soll. Wann immer sich der Zustand eines Hospizgastes deutlich verschlechtert ist es nach Absprache für An- und Zugehörige möglich, im Hospiz zu begleiten. Auch wenn ein Hospizgast noch dringenden Klärungsbedarf mit einem Zugehörigen hat, sich aussprechen möchte, sind direkte Begegnung und Kommunikation möglich. „Aber immer nach Absprache und unter Berücksichtigung aller gebotenen Vorsichtsmaßnahmen“, betont Yasmin Brost mit Nachdruck.

Viele Faktoren hat das Hospiz-Team immer wieder abgewogen und wendet mittlerweile eine Regelung an, die Besuche nach eindeutigen Richtlinien auch jenseits von Krisensituationen erlaubt: Die Besuche sind momentan auf jeweils eine vom Hospizgast benannte feste Person und maximal zwei Mal wöchentlich nach zeitlicher Absprache begrenzt, damit sich pro Besuchszeit geplant nur eine „externe Person“ im Hospiz aufhält. Damit Infektionsketten gegebenenfalls nachverfolgt werden können, werden Name, Kontaktdaten und Zeitpunkt des Besuchs erfasst. Über diese Regelung hinaus gibt es wie beschrieben zusätzlich zu den Besuchen im Zimmer eines Hospizgasts die Gelegenheit, im Einzelfall und nach Absprache eine Begegnung auf der Terrasse an der Tür des Hospizes zu vereinbaren.

„Bei den An- und Zugehörigen, die das jetzt schon kennen, klappt das sehr gut“, sagt Yasmin Brost. Sie fügt an, dass das Team nach seiner Kapazität ständig weiter an einem Mehr an Normalität arbeitet. Auch die ehrenamtlichen Hospizbegleiter werden nach ihrem Wunsch und ihren Möglichkeiten auch in Corona-Zeiten eingebunden. Einige haben ungebrochen mit den von ihnen begleiteten Hospizgästen per Telefon kommuniziert oder Blumen gebracht. „Nach einem Stufenplan sollen die Ehrenamtler sukzessive wieder weiter in das Geschehen integriert werden“, sagt die Hospizleiterin. Wenn etwa ein Hospizgast keinerlei An- und Zugehörige habe, könne ein Hospizbegleiter als feste Besuchsperson unter Einhaltung aller Vorsichtsmaßnahmen benannt werden: „Soziale Vereinsamung ist schließlich nicht zu unterschätzen.“ Ulrike Dobrowolny als Vorsitzende als Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr und Gesellschafterin der Hospiz im Ahrtal gGmbH stimmt ihr zu: „Die Situation erfordere kreative und individuelle Lösungen. Jedes Haus muss mit seinen Möglichkeiten arbeiten und kann so vielleicht auch Impulse für andere Häuser geben. Wichtig ist, dass wir alle genau hinschauen, was wir für die so genannten Risikogruppen tun können, damit sie eben nicht unter sozialer Isolation leiden müssen.“

Pressemitteilung

Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V.

Verwandte konnten über die überdachte Terrasse Kontakt zu ihrem Familienmitglied im Haus aufnehmen. Foto: privat

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