Allgemeine Berichte | 11.12.2025

Der Kreistag von Ahrweiler hat den Haushalt für 2026 beschlossen und sieht Bund und Land in der Pflicht

„Überall zweistelligen Millionenbeträge mit dickem Minuszeichen“

Der Kreistag von Ahrweiler bei der Abstimmung über die Teilhaushalte. Foto: GS

Kreis Ahrweiler. Rosige Zeiten sehen anders aus. Das machte Landrätin Cornelia Weigand bei der Haushaltsdebatte im Ahrweiler Kreishaus in ihrer Haushaltsrede an einer Zahl fest. „Für Rheinland-Pfalz lautet diese Zahl: 538,64 Millionen Euro Defizit – so hoch fällt das voraussichtliche gemeinsame, saldierte Minus der Landkreise im kommenden Jahr aus. Das bedeutet eine Steigerung von 151,3 Mio. Euro oder 39,1 Prozent gegenüber 2025. 22 von 24 Kreisen müssen ihren Haushalt mit einem Defizit von im Durchschnitt 24,6 Millionen Euro planen. Von den zwei übrigen Kreisen planen einer einen ausgeglichenen Haushalt und einer einen leichten Überschuss von 1,4 Millionen Euro. Diese Entwicklung zeigt: Die grundlegende Finanzierung der Kreise ist nicht auskömmlich. Eigene Anstrengungen sind wichtig und sinnvoll. Aber nur aus eigener Kraft werden sich die Kreise nicht konsolidieren können. Die Landkreise in Rheinland-Pfalz stehen an einer finanziellen Belastungsgrenze, die ohne Unterstützung nicht mehr auszugleichen ist. Auch wir im Kreis Ahrweiler sind trotz großer Disziplin und Verantwortung davon betroffen.“ Fast 28 Millionen Euro Defizit im Ergebnishaushalt und ein Delta von 24 Millionen Euro im Finanzhaushalt machten klar: „Wir leben unsere Verantwortung – aber wir stoßen an Grenzen, die nicht im Kreis, sondern im System liegen.“ Das wurde auch in den Beiträgen der Fraktionen deutlich. Hier Auszüge aus den Stellungnahmen.

Stimmen der Fraktionen

Natalie Baum ging für die CDU-Fraktion hart mit dem Land ins Gericht: Besonders würde die strukturelle Unterdeckung im Sozial- und Jugendbereich. „Dort entstehen massive Ausgabensteigerungen, nahezu ausschließlich in Aufgabenfeldern, die das Land den Landkreisen überträgt, ohne für eine ausreichende Gegenfinanzierung zu sorgen. Rheinland-Pfalz steht bundesweit nach wie vor auf den hinteren Rängen der kommunalen Finanzausstattung. Das Land muss endlich seiner Verantwortung nachkommen und die kommunalen Pflichtaufgaben ausfinanzieren.“

Eine „Art Ausverkauf des Landkreises“ mutmaßte Friedhelm Münch als Chef der FWG-Fraktion. Angesichts des hohen Defizits „werden wir in der kommunalen Selbstverwaltung immer handlungsunfähiger. Da mussten wir in den vergangenen Jahren die Schließung des Krankenhauses in Adenau, die Aufgabe des Gymnasiums Nonnenwerth, die Schließung der Geburtsstation im Bad Neuenahrer Krankenhaus hinnehmen. Jetzt ist auch noch die Schließung des Remagener Krankenhauses beschlossene Sache.“ All das stimme ihn traurig.

Deutlich wurde auch Christoph Schmitt, Vorsitzender der SPD-Fraktion: „Mit Blick auf die desolaten Zahlen im Kreishaushalt führen die von uns geforderten Streichungen der neu geforderten Stellen immerhin zu einigen Einsparungen. Retten werden diese den Haushalt allerdings leider auch nicht. Der erneut riesige Fehlbetrag ist nicht durch unsere flutbedingte Sondersituation zu erklären, sondern schlicht und ergreifend aufgrund einer deutlichen Unterfinanzierung durch den Bund und in Teilen auch durch das Land. Hier brauchen wir dringend Anpassungen bei der Finanzierung unserer Aufgaben im Sozialbereich und auch bei der Schülerbeförderung. Ansonsten brauchen wir uns künftig keine Gedanken mehr ums Zahlenwerk zu machen.“

Düstere Prognosen

Der Jahresfehlbetrag von fast 28 Millionen Euro „macht in Summe am Ende des Jahres 2026 mehr als 105 Millionen Euro im Minus für den Landkreis und seine Kommunen“, zeigte sich Birgit Stupp für die Grünen-Fraktion wenig optimistisch. „Wir befinden uns in einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale. Unsere zusätzlichen 9,7 Millionen Euro Bedarfszuweisung des Landes an Sozial- und Jugendhilfeträger für 2025 und 2026 kann man noch nicht einmal einen Tropfen auf den heißen Stein nennen. 2027 stürzen wir dann nochmal tiefer.

Drastisch beschrieb Ulrich van Bebber für die FDP-Fraktion die Entwicklung der Haushalte in den vergangenen Jahren und warf einen Blick in die Zukunft: „Vom Blindflug über den Sinkflug und den Sturzflug und jetzt kurz vor der Bruchlandung.“ Die aktuelle Haushaltslage sei mit einem Wort gesagt: „Katastrophal – überall zweistellige Millionenbeträge mit dickem Minuszeichen.“ Für 2029, also das Ende der Amtszeit von Kreistag und Landrätin „droht“ laut van Bebber ein prognostiziertes Jahresergebnis von minus 40 Millionen Euro und ein Eigenkapital von minus 225 Millionen Euro“.

Marion Morassi, die sich als Linke der SPD-Fraktion angeschlossen hat, hatte klare Forderungen: „Dieser Haushalt muss zeigen, dass wir Verantwortung übernehmen: für Sicherheit, soziale Gerechtigkeit und eine effiziente Verwaltung.“ Und auch sie warf einen Blick nach Remagen: „Wer Krankenhäuser schließt, handelt gegen die Interessen der Bevölkerung. Dieser Kreis braucht einen Haushalt, der den Menschen dient, nicht den Zahlen.“

Der Kreishaushalt 2026 wurde mit den Änderungsanträgen aus den Fraktionen beschlossen. Dagegen votierten lediglich die AfD-Fraktion und WKA-Einzelkämpfer Dr. Axel Ritter.

GS

Der Kreistag von Ahrweiler bei der Abstimmung über die Teilhaushalte. Foto: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • A. Abbasi : Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte Ihnen eine wichtige Rückmeldung zu Ihrer Berichterstattung über die geplante Veranstaltung am Samstag in Bonn geben. In Ihrem Artikel wird die Zusammenkunft als Demonstration dargestellt.

Neulich vapend auf dem Schulhof

von Gregor Schürer

  • Ralf Peters: Super Rubrik und sehr lebensnahe Beiträge .... besonders der kürzliche Beitrag "Neulich auf der verwirrenden Brücke (in Bad Neuenahr". Einfach toll, das jemand den Spiegel 'unserer Gesellschaft in den Amtsstuben hoch- und vor Augen hält.
  • Rainer Hohn: Es wirkt ziemlich befremdlich, in einem sensiblen Beitrag über suchtkranke und psychisch belastete Kinder ausgerechnet eine Osterwerbung für ein Brauhaus zu platzieren.
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Rund ums Auto
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Verena Schütz- Unterstützeranzeige _Hahn
Verena Schütz- Unterstützeranzeige _Gross
Titel
Sinziger Frühlingserwachen
Empfohlene Artikel
Die Leo-Stausberg-Schule in Brohl-Lützing ist eine der beiden betreuenden Grundschulen in der Verbandsgemeinde Bad Breisig. Foto: GS
167

Bad Breisig. Es war eine Arbeitssitzung ohne Kontroversen, die der Verbandsgemeinderat von Bad Breisig im Bürgerhaus von Brohl-Lützing absolvierte. Wichtigster Punkt für die Eltern in der Verbandsgemeinde war die neue Satzung für die betreuenden Grundschulen in Bad Breisig und Brohl-Lützing. Denn bereits im Dezember hatte das Gremium beschlossen, die Betreuungszeiten an den betreuenden Grundschulen...

Weiterlesen

Alt-Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Fastenpredigt in Maria Laach.  Foto: GS
99

Maria Laach. „Die Fastenzeit ist eine Schule der Aufmerksamkeit: Sie lehrt, neu hinzusehen – auf Gott, auf den Menschen, auf das eigene Leben.“ So sehen es die Mönche am größten Maar der Eifel. Und an diese Übung knüpfen die Fastenpredigten in der Abteikirche der Benediktiner in Maria Laach an. Sie greifen Fragen der Gegenwart auf und verstehen sich als Einladung zum Innehalten auf dem Weg nach Ostern.

Weiterlesen

Erfolgreiche Infoveranstaltung: Ernährung im Alter im Fokus.
19

Cochem. Kürzlichfand eine gut besuchte Informationsveranstaltung unter dem Titel „Ernährung im Alter – lecker & nährstoffreich“ statt, die von den Fachkräften des Landesprogramms Gemeindeschwesternplus der Kreisverwaltung Cochem-Zell in Zusammenarbeit mit dem Fachzentrum Ernährung Rheinland-Pfalz vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum organisiert wurde.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
13

Rettungssanitäter zu in Bus schlafendem Betrunkenen gerufen

20.03.: Alkoholisierter Mann attackiert Rettungsdienst

Landau. Am Freitagvormittag, 21.03., griff ein unter Alkohol- und Betäubungsmitteleinfluss stehender 45-jähriger Mann am Busbahnhof in Landau den Rettungsdienst an. Gegen 09.00 Uhr wurde der Rettungsdienst zu einer im Bus schlafenden Person an den Busbahnhof nach Landau gerufen. Nachdem der Rettungsdienst den 45-jährigen Mann aufgeweckt hatte, rastete dieser völlig grundlos aus und schlug ziellos um sich.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: ROB
44

Während sie am Grab beschäftigt war, entwendete ein unbekannter Täter ihre Handtasche samt Geldbörse

19.03.: Seniorin auf Friedhof in Euskirchen bestohlen

Euskirchen. Am Donnerstag, 19. März, gegen 13 Uhr, wurde einer 75-jährigen Frau auf dem Friedhof in der Frauenberger Straße in Euskirchen ihre Handtasche aus dem Pkw entwendet.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0187#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0187#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0187#
Stellenanzeige Berichtsabteilung
Verena Schütz- Unterstützeranzeige _Demuth
Torsten Welling & Martin Reis
Mitarbeiter für Hallen- und Hofbereich
Osterangebote
Frühlingserwachen Mendig
Gerd Klasen
Sinziger Frühlingserwachen
Titelanzeige
Frühlingsbunt in Bad Neuenahr-Ahrweiler
Ostereierschießen in Oberbreisig
Ostereierschießen Oberbreisig
Ostereierschießen Oberbreisig