Allgemeine Berichte | 11.04.2022, 12:56 Uhr

184 Stunden Organisation haben sich voll rentiert

„Ukraine-Hilfe Bad Hönningen“ fährt zehn Busse mit Hilfsgütern an ukrainische Grenze

Mit 41 Flüchtlingen den langen Rückweg angetreten

22 Fahrer, Ersatzfahrer, Dolmetscher machen sich mit Hilfsgütern auf den Weg an die Ukrainische Grenze, um zwei Tage später auch bis zu 48 Flüchtlinge mitbringen zu können. Fotos: CD

Bad Hönningen. „Sie können sich nicht vorstellen, wie berührend es ist, wenn die Frauen und Kinder an der Grenze Abschied von ihren Männern nehmen müssen.“, teilte Franz Breitenbach seine Erlebnisse tief bewegt nach der Rückkehr mit. Er und sein Team haben es geschafft, 41 Personen in Sicherheit zu bringen, dabei in Tschechien, Bulgarien, in Nürnberg wie Frankfurt Flüchtlinge bei Verwandten absetzen können, sodass nur noch wenige bis Bad Hönningen mitkamen. „Und auch die reisen morgen mit dem Zug weiter. Sie haben sich bereits über Verwandte und Bekannte Unterkünfte selbst organisiert.“, so Breitenbach.

Der durch sein Stadtweingut bekannte und ehemalige Beigeordnete der Stadt, Franz Breitenbach, ist der Haupt-Organisator der „Ukraine-Hilfe Bad Hönningen“. Zunächst hatte er über die Medien und mit Mund-zu-Mund-Propaganda um Sach- und Geldspenden gebeten, was schnell ein großer Erfolg war. So konnte er tatsächlich zehn Kleinbusse zur Fahrt an die rumänisch-ukrainische Grenze mit Hilfsgütern füllen. Drei stellte er selber zur Verfügung, vier Mini-Vans organisierte der stellvertretende Vorsitzende des Stadtverbands Bad Hönningen, Volker Risse, drei weitere wurden angemietet. „Das war ein wahnsinniger logistischer Aufwand, bei dem ich auch mit meiner Frau zusammen 750 Pakete sortenrein geschnürt habe.“, erzählte Breitenbach. Ein Bus fahre nur Verbandsstoffe, der nächste Baby-Utensilien, wieder einer Hygieneartikel. „Das alles haben wir dann in drei Sprachen beschriftet: Deutsch, Rumänisch, Ukrainisch.“, so Breitenbach weiter, damit man besser über die Grenzen Rumäniens komme und man am Ankunftsort an der rumänisch-ukrainischen Grenze direkt verteilen könne.

22 Personen hatten sich aus der größeren Umgebung von Bad Honnef über Asbach und Linz bis Rheinbrohl bereiterklärt, zu helfen und die Autos zu fahren. Neben den 20 Fahrern, die sich in den zehn Bussen abwechselten, fuhren ein weiterer Ersatzfahrer und eine Dolmetscherin mit. Insgesamt vier Helfer sprechen ukrainisch und sechs sind weiblich. Denn zurück sollten die dann von Fracht geleerten Busse mit Menschen gefüllt werden. „Bis zu 48 Personen können wir mit zurücknehmen“, meinte der Organisator. „Und da viele Frauen mit Kindern Zuflucht suchen, wollen wir auch Frauen und Übersetzer dabei haben, um den Fliehenden Furcht zu nehmen.“, erklärte er.

Und tatsächlich konnten sie letztendlich 41 Fliehende in Sicherheit bringen!

„Die letzten Wochen habe ich 184 Stunden mit der Organisation dieser Fahrt verbracht!“, resümierte der ehrenamtliche Organisator der Aktion am Abreisetag zur ukrainischen Grenze.

Die Fahrzeuge sind zum Beispiel alle mit einem Code, den man abscannen und damit Informationen abrufen kann, ausgestattet, damit der Weg über die einzelnen Grenzen unkomplizierter wird. „Allein‘ die Fahrt mit Sprit, Mautgebühren und Übernachtung kostet rund 8000 Euro“, verriet er. Aber durch die vielen Spenden habe die Reise finanziert werden können. „Mein Chef fährt auch mit,“ lachte Breitenbach augenzwinkernd, „solange machen wir unser Restaurant zu.“ Sein „Chef“ ist Gattin Hubertine Breitenbach, die auch Fahrer sei und bei der Organisation eine große Unterstützung geboten habe. Zudem habe ein Fahrer, Edi Sprenger, die gesamte Route minutiös ausgearbeitet. „Alle, die mitfahren, haben auch bei etlichen Kleinigkeiten geholfen“, war Breitenbach froh. Unterstützt wurde die Aktion unter anderem durch die Stadt und die Verbandsgemeindeverwaltung, die beispielsweise eine „offizielle Fahrt“ bescheinigten. So ließen es sich Stadtbürgermeister Reiner W. Schmitz und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jan Ermtraud auch nicht nehmen, dem abfahrenden Konvoi nach gebührendem Abschied hinterherzuwinken.

Etwa 1600 Kilometer pro Strecke lagen dann vor den Abreisenden, 22-24 Stunden Fahrt, so schätzte Breitenbach, durch Deutschland, Österreich, Rumänien.

Und kaum zurück, steht die nächste Fahrt fest: Am 25.4. soll wieder ein Konvoi mit Hilfsgütern starten und am 28.4. zurück sein. „Die Utensilien gingen übrigens direkt in ein nahe gelegenes Krankenhaus, das den Empfang bescheinigte und uns über den Fahrer zustellen ließ.“, freute sich der unermüdlich wirkende Fastsiebziger, dem man seine Alter nicht anmerkte. Wenn jemand spenden oder mitfahren möchte, möge er sich bitte per E-Mail an Franz Breitenbach wenden: f.breitenbach@gmx.net. Auch Geldspenden würden zu 100% in die Hilfe vor Ort investiert: Verwendungszweck „Nothilfe Ukraine“, Konto: Hilfe für Familien der Ukraine Bad Hönningen, IBAN: DE96 5745 0120 0030 5104 99.

Sortenrein wurden die Busse gepackt. Heino Behrens fährt den Mini-Van mit Babyartikeln und Tiernahrung an die ukrainische Grenze.

Sortenrein wurden die Busse gepackt. Heino Behrens fährt den Mini-Van mit Babyartikeln und Tiernahrung an die ukrainische Grenze.

22 Fahrer, Ersatzfahrer, Dolmetscher machen sich mit Hilfsgütern auf den Weg an die Ukrainische Grenze, um zwei Tage später auch bis zu 48 Flüchtlinge mitbringen zu können. Fotos: CD

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
2+1 Aktion
Anzeige Dentino Club
Empfohlene Artikel
(von links) Pascal Rowald, Jan Ritter und Peter Diewald im großen Sitzungssaal des Rathauses.  Foto: GS
454

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bekommt einen neuen Ersten Beigeordneten. Jan Ritter wird Peter Diewald ablösen, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Ritter wurde vor großem Publikum unter Sitzungsleitung von Bürgermeister Pascal Rowald in dessen erster Sitzung als Stadtchef im zweiten Wahlgang zum Stadt-Vize gewählt. 21 von 36 Ratsmitglieder haben für den 46-Jährigen gestimmt, der für die CDU im Kreistag von Ahrweiler sitzt.

Weiterlesen

Die Junggesellen freuen sich auf unvergessliche fünf Tage. Foto: privat
195

Bad Bodendorf. Der Sinziger Stadtteil Bad Bodendorf steht wieder ganz im Zeichen der traditionellen Kirmes. Der Junggesellenverein (JGV) Bad Bodendorf lädt von Freitag, 4. September, bis Dienstag, 8. September 2026, zu fünf abwechslungsreichen Festtagen ein. Rund um den Kirmesplatz erwartet die Besucher ein buntes Programm für Jung und Alt, musikalische Unterhaltung und zahlreiche traditionelle Höhepunkte.

Weiterlesen

11

Unkel. Offenes Mitmach-Singen veranstaltet vom Kirchenchor des Seelsorgebereichs Unkel von 19 bis 20 Uhr auf dem Gelände des Christinenstifts in Unkel – bei schlechtem Wetter in der Kapelle - als Mitgestalter eines bundesweit von hunderten Chören gemeinsam ausgerichteten Liederabends anlässlich des Einheitsfestes. Liedrepertoire von altem Volksliedgut bis zu bekannten Liedern neuerer Interpreten, die für Freiheit und Frieden stehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor.Foto: St. Nikolaus-Stiftshospital/Holger Lindner
1205

Rheinland-Pfalz bestätigt breites medizinisches Leistungsspektrum und stärkt das St. Nikolaus-Stiftshospital als wichtigen Standort

Krankenhaus Andernach geht gestärkt aus neuer Leistungsgruppenzuteilung hervor

Andernach. Das St. Nikolaus-Stiftshospital geht mit gestärkter Position aus der neuen Krankenhausplanung des Landes Rheinland-Pfalz hervor. Durch die zugewiesenen Leistungsgruppen werden rund 99,5 Prozent des bisherigen Leistungsspektrums vollständig abgebildet. Das Krankenhaus sowie der Träger, die Stiftung St. Nikolaus-Stiftshospital Andernach, sehen darin die hohe medizinische Qualität und breite Expertise des Hauses bestätigt.

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
1072

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen

Symbolbild.
810

Ulmen. Am Freitag, den 4. September 2026, ereignete sich gegen 00:10 Uhr im Einmündungsbereich der B259 und K2 in der Ortslage Ulmen ein schwerer Verkehrsunfall zwischen zwei Personenkraftwagen. Nach bisherigem Erkenntnisstand befuhr ein Autofahrer die B259 von Ulmen in Richtung Auderath. Ein anderer Fahrer befand sich auf der K2 und wollte nach links auf die B259 abbiegen. Im Einmündungsbereich kam es dann aufgrund einer Vorfahrtsmissachtung zum Zusammenstoß der beiden Fahrzeuge.

Weiterlesen