Fotograf Ralf Schuhmann entführt in der Galerie M.A.SH zu ungeahnten Stellen, die Schönheit entfalten

Was in der Stadt zu entdecken ist

15.09.2020 - 13:08

Remagen. Die Kunst rührt sich wieder. Mit Ralf Schuhmann und seinen unter dem Titel „Urban“ vereinten Fotos zieht nach einer Ausstellungspause erneut eine Präsentation in der Galerie Modern Art Showroom, M.A.SH., ein. Zuletzt waren dort Fotomontagen von Almuth Leib zu sehen. Die Galeristin freut sich über die Fortsetzung durch den neuen Aussteller. Ebenso begrüßt es Schuhmann, in der Galerie seine Arbeiten zu zeigen. „Es ist ein schöner Raum“, sagt der Künstler. Nachdem er dort eingeräumt hat, wirkt die Galerie im besten Sinne aufgeräumt. Schwarz-Weiß-Fotos hängen doppelt gereiht in gleichgroßen Rahmen. Dass deren Passepartout mal ein, mal zwei oder gar vier Fotografien fassen, lockert die Strenge auf. Dafür sorgen gleichfalls weitere Formate mit Farbbildern. Wer glaubte in der „Urban“-Ausstellung womöglich großen Architekturen zu begegnen, der wird im M.A.SH. eine Überraschung erleben. Denn Fotograf Ralf Schuhmann blickt nicht auf Skylines. Er sucht auch keine Industriestandorte auf oder fokussiert bekannte Sehenswürdigkeiten. Vielmehr führt der 1962 in Leipzig geborene und seit einigen Jahren in Remagen lebende ausgebildete Fotograf und studierte Künstler zu Impressionen im Alltag, die ihre ganz eigene Schönheit entfalten. Wie passt da eine südfranzösische Palme zwischen Dünen hinein? Aufgepasst, es sind gar keine Dünen, sondern Zick-Zack-Mauern, hinter denen Treppen verborgen sind. Ansonsten geht Schuhmanns Blick nach oben zu Hauswänden, aber oft auch nach unten, wo er etwa die Spiegelung eines Radfahrers in der Pfütze aufgreift. Auf der Straße fängt er Beine samt ihrer mehr Mensch abbildenden Schattenwürfe ein.


Mysteriöse Asphaltflecken


Einige verharren, wie zwei Männerbeine in Stoffhose auf einer gepflasterten Fläche, in der unvermittelt der Schatten eines Fahrradsattels auftaucht. Die meisten sind in Bewegung: betreten den Bürgersteig vorbei an einem Gully Deckel, eilen über Straßenbahnschienen. Unangestrengt vermittelt sich dem Betrachter, was stadttypisch ist: dass viele unterwegs sind, ihren jeweiligen Zielen entgegen, ohne miteinander in Berührung zu kommen. Überwiegend kommen die Fotos ohne Menschen aus. Es faszinieren mysteriöse Asphaltflecken in körnigem Schwarz auf abgefahrenen glänzenden Basaltsteinen oder eine helle, vielfach geborstene Flickstelle aus Zement, die sich zauberhaft auf dunklem Grund ausnimmt. Einen eigenen Kosmos bilden auch jene im Rund sich kreuzenden Reifenspuren im Schnee vom Wendehammer im Remagen-Kripper Neubaugebiet „Lange Fuhr“. Schön kross zeichnen sich die Profile im angefrorenen Weiß ab. Eine gelungene Momentaufnahme. „Ich habe immer eine kleine Kamera dabei. Denn wenn man wiederkommt, findet man vielleicht die Stelle nicht wieder, das Licht ist anders und die ganze Situation ist vorbei“, sagt Schuhmann.


Lust am Sehen


Natürlich geht der Profi auch geplant auf Fotopirsch. Doch wenn er unbeabsichtigt auf spannende Motive stößt, steht für ihn nicht einmal das Foto-Ergebnis an erster Stelle. „Man sieht diesen Schatten, da ist man gefesselt. Dann macht man ein oder zwei Aufnahmen, der Moment des Entdeckens ist das Wichtigste“, betont Schuhmann. Die ausgewählten Bilder, lauter Sehfunde, aufgegriffen im städtischen Umfeld von Leipzig, Berlin und Bonn, Remagen, Koblenz und New York, für deren Zusammenstellung es keinen Masterplan gab, wollte der Fotograf „mal alle zusammen an der Wand sehen“. Vorhaben geglückt. Ob er Bilder von der Straße eingefangen hat, Fassadengliederungen, eine malerische Brandmauer aus Backsteinen oder Stapel zart lila verpackter Baumaterialien von annähernd skulpturaler Wirkung: es lohnt sich immer zweimal hinzuschauen, um den Strukturen und Kontrasten, der Stimmung von Licht und Schatten nachzuspüren und schlichtweg Schuhmanns Einladung zu folgen, sich der Lust am Sehen hinzugeben. Die Ausstellung in der Kirchstraße 25 hat bis 4. Oktober geöffnet: immer samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

HG

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Anzeige
Weitere Berichte

Corona-Fallzahlen im Kreis Ahrweiler weiter gestiegen

Kreis ab sofort in „Alarmstufe“ rot

Kreis Ahrweiler. Im Landkreis Ahrweiler ist erstmals der Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten worden. Der aktuelle Inzidenzwert liegt bei 53. Damit befindet sich der Kreis in der „Alarmstufe“ rot des Corona Warn- und Aktionsplans des Landes Rheinland-Pfalz. mehr...

25 Neuinfektionen im Kreis Ahrweiler

Coronavirus: Zwei weitere Senioreneinrichtungen betroffen

Kreis Ahrweiler. Am Freitag, 23.10.2020 gibt es 25 Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Kreis: acht in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, zwei in der Stadt Remagen und zwei in der Stadt Sinzig sowie acht in der Verbandsgemeinde Adenau, eine in der Verbandsgemeinde Bad Breisig, zwei in der Verbandsgemeinde Brohltal und zwei in der Gemeinde Grafschaft. mehr...

Lesen Sie Jetzt:
Umfrage

Halloween steht vor der Tür ... wie bereitet ihr euch auf die gruseligste Nacht des Jahres vor?

Da die Party dieses Jahr ausfallen muss, stricke ich schon an ein paar fiesen Überraschungen für meine Nachbarn.
Wie jedes Jahr: Ich werfe mir mein Hexen/Dämon/Vampir-Kostüm über und ziehe von Haus zu Haus.
Gar nicht. Wofür brauchen wir Halloween, wenn wir Karneval haben?
Ich freue mich schon auf den Besuch der kleinen Monster und habe kiloweise Süßigkeiten besorgt.
Oh. Stimmt - ihr erinnert mich daran, dass ich am 31. die Rolläden runter mache und das Licht auslasse.
So richtig kann ich mich für Totenköpfe und Kunstblut nicht begeistern ... ich freue mich auf Kugeln, Glocken und Sterne.
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

Anzeige
 
Kommentare
Patrick Baum:
@Antje Schulz, es ist völlig richtig, daß in der AfD Rheinland-Pfalz das Chaos herrscht. Nicht ohne Grund liegt die AfD in Rheinland-Pfalz in den aktuellen Umfragen zur Landtagswahl zum Glück deutlich unter ihrem Wahlergebnis von 2016. Der Grund dafür liegt in der katastrophalen Arbeit des AfD-Landesvorstands um die Führungspersonen Michael Frisch und Jan Bollinger. Inhaltlich hat die AfD Rheinland-Pfalz außer abstrusen Forderungen nichts zu bieten. Zum Leserkommentar von Natalie Bleck ist zu schreiben, daß diese auch eine AfD-Funktionärin ist. Sie ist auch die Ehefrau des AfD-Abgeordneten Andreas Bleck, der fast 20 Semester Semester erfolglos auf Lehramt studiert hat und jetzt ohne jeglichen Berufs- oder Studienabschluß im Bundestag sitzt.
Natalie Bleck:
Es nicht richtig, dass Herr Frisch die Maskenpflicht in Schulen befürwortet hat. Er sprach sich Ende April - als es noch deutlich weniger Daten zu Covid-19 gab - für eine Maskenpflicht im ÖPNV und beim Einkaufen aus. Und er hat kritisiert, dass die Landesregierung es versäumt hat, flächendeckend professionelle Schutzmasken für die Bevölkerung zu beschaffen. Und damit hat er Recht! Denn diese sind nun mal besser als selbstgenähte Baumwollmasken, wie erste Studien zeigen. Im Übrigen hatte die Regierung in den letzten Monaten ausreichend Zeit, Masken zu beschaffen und hat es wieder einmal versäumt.
Michael Friscg:
@Antje Schulz: Die Forderung nach einer Maskenpflicht stammt von Anfang März. Zu diesem Zeitpunkt war sie durchaus berechtigt. Und vor allem war sie auf professionelle Masken bezogen. Das, was die meisten Leute jetzt benutzen, wird auch von Experten als wenig bis gar nicht hilfreich bezeichnet. Heute sogar vom Präsidenten der Bundesärztekammer:https://www.welt.de/vermischtes/article218369132/Corona-Aerztepraesident-zweifelt-an-Alltagsmasken-Kritik-von-Lauterbach. (Link von der Redaktion entfernt) Hinzu kommt, dass das Tragen im Unterricht noch einmal eine ganz andere Frage ist. Denn es ist eine enorme Belastung für unsere Kinder, stundenlang mit einer Maske in der Schule sitzen zu müssen, obwohl nachgewiesen ist, dass die Schulen keine Infektionstreiber sind. Das grenzt an Körperverletzung! Den Widerspruch, den Sie zu konstruieren versuchen, gibt es jedenfalls definitiv nicht!
Gabriele Friedrich:
In Deutschland gibt es zumindest derzeit keinen Grund zum feiern. Es ist mir unbegreiflich, das die Leute nicht die Zeit nutzen um zu Hause mal was zu machen. Es gibt so viel zu tun ...packt es an und bleibt daheim. Egoismus schlägt irgendwann zurück, wenn die Feiernasen selber dran kommen und krank werden.

Kleiderhaus schließt

Gabriele Friedrich:
Das ist ja klar, die Leute bekommen nun die finanzielle Unterstützung im ALGII und können prima damit zu KiK und Co. Ich würde weiter sammeln für Obdachlose, der Winter kommt !!! Kindersachen kann man ja ebenso in Flüchtlingsunterkünften abgeben oder einschweißen und aufheben- das geht ja weiter und hört nicht "heute" auf.
Service
LESETIPPS
GelesenEmpfohlen
Anzeige Online bestellen

Geben Sie Ihre Anzeige in wenigen Schritten einfach selbst auf - Rund um die Uhr auf unserer Online-Anzeigenaufgabe! Wählen Sie hier einfach die passende Rubrik aus.