Allgemeine Berichte | 19.09.2025

Sommerinterview mit Detlef Odenkirchen, Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, MIT, des Bezirksverband Koblenz-Montabaur

Was ist jetzt wirklich relevant für die Unternehmen?

Detlef Odenkirchen. Foto: privat

Koblenz/Ahrweiler. Die MIT vertritt die politischen Interessen von mittelständischen und kleinen Unternehmen und ist in der politischen Gestaltung zu den Rahmenbedingungen involviert. Es ist wichtig jetzt an den richtigen Stellschrauben zu drehen, damit Unternehmen weiterhin flexibel bleiben und am Markt erfolgreich Teilhabe erhalten. Die MIT versteht sich als Fürsprecher für die Unternehmen und nutzt dabei den verlängerten Arm in die Politik hinein. Denn politisches Gestalten ist das, was sie tagtäglich mitbringen. Dort ist MIT zuhause. Auf Kommunaler-, Landes- und auch auf Bundesebene. Sogar bis hin in die EU-Politik haben sie hervorragende Kontakte und sind dort auch optimal vernetzt. Der MIT-Bezirk Koblenz-Montabaur ist im Norden von Rheinland-Pfalz mit 11 Kreisverbänden aktiv. Mit seinem Vorsitzenden hat unsere Zeitung gesprochen. Was bewegt die MIT, was die Unternehmen? Das haben wir Detlef Odenkirchen gefragt.

Red.: Sie sind jetzt über ein Jahr in Ihrem neuen Amt. Was haben Sie in diesem Jahr für die Unternehmen erreicht und womit konnten Sie punkten?

DO: Im ersten Jahr habe ich die Kontakte zu den Mitplayern aufgenommen. Bei den Banken, Kammern, Wirtschaftsverbänden und Kommunen, sind wir stets präsent. Wir haben einige zielführende und weichenstellende Gespräche geführt und unsere Aufgaben definiert. Zunächst ging es darum Vertrauen aufzubauen, auch zu den Unternehmen selbst. Ich denke, dass ich schon sehr viel in diesem Jahr anstoßen konnte, um die Unternehmen, -auch und besonders politisch-, auf deren Belange aufmerksam zu machen und die Themen hervorzuheben, ja gar zu bespielen. Wir kümmern uns um die politischen Rahmenbedingungen. Manchmal gilt es hier auch dicke Bretter zu bohren.

Red.: Wie schätzen Sie die momentane Lage für die Unternehmen ein?

DO: Die derzeitige Lage ist sehr ernst. Vielleicht ernster, als manch einem bewusst ist. Beginnend mit der Corona-Pandemie in 2020, dem dann darauffolgenden einschneidenden Ukraine-Krieg und nun die erneute und erschwerte Situation mit der USA, als unser wichtigster Partner für das deutsche Exportgeschäft, obendrein die schlechte Rot-grün-gelbe Regierung, die durchaus, eine zum Teil vernichtende Politik, besonders auf dem Energiesektor, für die Unternehmenden hervorgebracht hat, ist die Lage so angespannt, wie zuletzt nach dem 2. Weltkrieg. Für die Unternehmen aus dem Ahrtal, kommen die Flutereignisse und deren Folgen noch oben drauf. Das ist alles in allem eine schwere Bürde. Viele Unbekannte, die ein Unternehmen unter einen Hut bringen muss. Nahezu fast unmöglich.

Red.: Jetzt haben Sie einige Kernpunkte aufgezählt und sichtbar gemacht. Eine neue Regierung haben wir nun. Was gilt es jetzt aus Ihrer Sicht zu tun, damit es den Unternehmen bessergeht, damit es aufwärtsgeht?

DO: Da habe ich ganz klare Vorstellungen. Wir müssen damit beginnen, was wir am ehesten und unmittelbar ändern können. 1. Sofortiger Bürokratieabbau: alles zurück bis in die 1990er Jahre und dies unverzüglich. 2. Baupolitik: muss wieder so angepasst werden, das Unternehmen einfacher und strukturiert bauen und gesund investieren können. Runter mit den überbordenden Bauvorschriften und runter mit den überhöhten Baukosten, die zum Teil durch die Bauvorschriften künstlich überhöht anfallen. 3. Technologieoffenheit: wir benötigen keine klugen Vorschriften, sondern die Vielfalt und das Vertrauen in die Unternehmer. Das hat unser Land immer zu Stärke und Unabhängigkeit gebracht. 4. Freie Wahl bei der Nutzung von Energieangeboten: Hier darf es keine Vorschriften in der zu nutzenden Energiemöglichkeiten geben. Wir leben in einem freien Land und nicht unter einem Diktat. Das hat die Vorgängerregierung leider nicht verstanden! 5. Stromsteuerentlastungsgesetz: jetzt sofort und nicht erst zu Beginn 2027 und zwar für alle und nicht nur für die Großindustrie. Wissen Sie eigentlich wieviel familiengeführte Bäckereibetriebe und Metzgereifachgeschäfte vor dem Aus stehen? 6. Zollpolitik in Europa: die EU muss dringend die Zollpolitik von Donald Trump neu ausverhandeln. Wir brauchen uns nicht vor Amerika zu verstecken und wir dürfen uns auch nicht erpressen lassen. Wir sollten mehr Rückgrat gegenüber den Amerikanern zeigen. Wir produzieren verdammt gute Produkte, deshalb kaufen Amerikaner z. B. deutsche Autos. Warum das umgekehrt nicht der Fall ist, ist selbstredend. Europa und besonders Deutschland, ist der wichtigste Handelspartner der USA. Dass was Trump derzeit macht, ist nicht für sein Land gut und ist auch nicht für den Rest der Welt gut. Befreundete Handelspartner, sollten nicht in dieser Art miteinander umgehen. Unterwürfigkeit imponiert Trump nicht. Wir brauchen gute Argumente und das nötige Selbstbewusstsein. Die sehr guten und begehrten Produkte bringen wir allesamt mit.

Red.: Zurück zu uns, nach Deutschland. Glauben Sie das die jetzige Regierung diese, -nennen wir es mal Parameter-, besser bespielen kann als die vorherige?

DO: Nun, ich sag mal so, schlechter als die vorherige kann sie ja nicht mehr agieren. (..lacht) Nein, Spaß bei Seite. Natürlich erwarte ich von der jetzigen Regierung, ein weitaus größeres Verständnis für das Unternehmertum, das die Rahmenbedingungen in machbare Bahnen gelenkt werden. Da ist in den letzten Jahren, auch unter der Führung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, vieles aus dem Ruder gelaufen. Einiges hat sich da einfach verselbstständigt. Auch die EU-Politik, muss sich hier die Frage stellen lassen: Ist unsere Politik noch unternehmerfreundlich? Ich sage an dieser Stelle ganz deutlich, wir sind überreguliert. Wir dürfen mit all diesen Auflagen schon hinterfragen, wem diese Auflagen dienen? Wenn sich keinen Mehrwert erkennen lässt und die Anordnungen und Anforderungen zur reinen Behördenschikane werden, sollten wir diese sofort einstellen.

Red.: Haben Sie hierzu ein nachvollziehbares Beispiel für unsere Leser?

DO: Ein familiengeführter Metzgereibetrieb aus dem Brohltal schilderte mir, dass es seit Jahren Dokumentationspflichten zu den Schlachttieren gibt, die bis ins kleinste Detail geführt werden müssen. Seit mehr als zehn Jahren, habe aber niemand sich die akribisch geführten Ordner angeschaut. Der Metzger verbringt Unmengen an Zeit, diese Dokumentationen zu führen. An dieser Stelle komme ich zu der Erkenntnis, wenn da niemand in die Ordner hineinschaut, dann hat das keine Bewandtnis, dann kann das weg!

Red.: Warum engagieren sie sich derart für die Unternehmen und den Mittelstand und was bewegen Sie letztlich damit?

DO: Von Hause aus bin ich bereits beruflich recht nah an der Thematik dran. Als kommunaler Wirtschaftsförderer weiß ich um die Belange der Unternehmen und die des Mittelstands. In der Kommunalpolitik habe ich mich immer schon als „Anwalt“ der Unternehmen verstanden und deren Probleme aufgegriffen und stets nach Lösungen gesucht. Vielleicht auch deshalb, weil von meinem Werteverständnis der Unternehmer dafür sorgt, dass die Gesellschaft funktioniert. Ohne Unternehmer keine Arbeitsplätze. Ohne Arbeitsplätze kein Wohlstand. Ich schätze es, wenn Menschen mutig sind und selbstständig ins Risiko gehen.

Zum zweiten Teil Ihrer Frage, freue ich mich, wenn ich etwas für die Unternehmen tun kann. Die meisten Unternehmen haben schlichtweg nicht die Zeit, sich politisch zu engagieren. Auch ich wünschte mir mehr Unternehmer im Deutschen Bundestag. Wenn wir eine gute Lobbyarbeit in der Politik für die Unternehmen erfolgreich gestalten, ist dies für mich ein sehr gutes Ziel. Und: wir arbeiten daran, dass es sich weiterhin lohnt Unternehmer zu sein, das Unternehmen gerechter und in der nötigen Aufmerksamkeit vertreten werden. Schließlich arbeitet der Mittelstand hart und redlich. Dafür lohnt es sich das Sprachrohr dieser Klientel zu sein. Das macht mich zufrieden.

Red.: Wir schreiben jetzt das Jahr vier nach der schrecklichen Ahrtalflut—Was wünschen Sie sich hier für Ihre Unternehmen vor Ort?

DO: Seit Jahren bin ich ein Befürworter einer übergeordneten Koordinationsstelle, diese auch länderübergreifend. Die gewaltigen Herausforderungen der Landkreise Ahrweiler und Euskirchen, müssen wir in wertiger und aufwendiger Strukturarbeit, gemeinsam mit den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angehen, auch um nicht zuletzt die öffentliche Wahrnehmung beim Bund zu demonstrieren und faktisch zu erhalten. Wir sehen jetzt bereits schon mit dem neuen Bundeshaushalt den Stellenwert, den die geschädigte Region einnimmt. Insofern ist die Unternehmung des durch das Land Rheinland-Pfalz initiierte Verein „Zukunftsregion Ahr“ eine gut gemeinte Möglichkeit, allerdings nicht durchschlagend in den wichtigen und durchdringenden Aufgabenfeldern, die zu bewältigen sind. Hier fehlt mir das Gesamtkonzept. Zudem ist es für mich unbegreiflich, dass die Baubehörden der Verwaltungen, aber auch der Landkreis hier allein gelassen werden. Das Bauen muss deutlich vereinfacht werden. Gute Beispiele gab es bereits beim Aufbau Ost in den 1990er Jahren. Es geht also, wenn man es will. Viele Unternehmen im Kreis Ahrweiler benötigen noch Hilfe. Wir dürfen sie nicht mit dieser Herkulesaufgabe alleine lassen. Politik und Verwaltung müssen hier Hand in Hand vorgehen und den Missstand so schnell als möglich beseitigen.

Red.: Was wäre für Sie jetzt maßgeblich entscheidend dafür, dass Unternehmen wieder Aufwind bekommen und die Wirtschaft angekurbelt wird?

DO: Unternehmer benötigen vor allen Dingen das Vertrauen der Politiker und der Gesetzgebung. Wir haben durch das Verständnis der Überregulierungen heraus, völlig den Kompass verloren. Die Einhaltung von Vorschriften und Fristen, behindern Unternehmen an wichtigen Entscheidungsprozessen, die sehr viel Zeit und schlussendlich Geld kosten. Viele der Vorschriften sind oft auch überholt oder entsprechen nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Der Staat kann und darf nicht alles regulieren. Unternehmen benötigen die unternehmerische Freiheit und das Vertrauen in ihrem verantwortungsbewussten Handeln. Hier müssen staatliche Anforderungen dringend hinterfragt, nachgebessert, rückabgewickelt und wo nötig auch abgeschafft werden. In allen Bereichen, besonders bei den überbordenden, manchmal auch unlogischen EU-Richtlinien, muss zwingend ein Umdenken erfolgen. Sehr viele Unternehmen geben halt auch auf, weil sie durch die Vorschriften zusätzliches Personal rekrutieren müssen. Das ist dann nicht mehr rechenbar und für die Unternehmen unter dem Strich nicht lohnenswert. Wenn der Staat das Unternehmertum schleichend durch überborden zerstört, sehe ich eine deutliche Gefahr auch für die Demokratie in Europa. Lasst den Unternehmen die notwendigen Freiräume und schenkt den Menschen mehr Vertrauen. Einfach mal machen! So war es auch zu Beginn der sozialen Marktwirtschaft in den 1950er Jahren.

Detlef Odenkirchen. Foto: privat

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