Allgemeine Berichte | 02.10.2025

Das Koordinationszentrum Luchs und Wolf kümmert sich um Tierrisse im Land

Wie können Beutegreifer identifiziert werden?

Am 13. September wurden im Brohtal ein Schaf gerissen - mutmaßlich von einem Wolf. Foto: GS

Brohltal. Ein trächtiges Schaf ist am 13. September mutmaßlich von einem Wolf gerissen worden. Ort des Geschehens war eine Weide unweit des Walderlebnisparks Steinrausch im Jagdrevier von Claus Frankenheim. Schon wenige Stunden nach dem Fund durch einen Revierjäger wurden von einem Wolfssachverständigen Proben genommen (BLICK aktuell berichtete). Noch liegt das Ergebnis der Analysen nicht vor. Ob es sich um den bekannten Wolfsrüden GW4433m handelt, kann also noch nicht gesagt werden. GW4433m erlangte weitreichende Bekanntheit durch den Riss von 13 Stück Damwild bei Spessart im November 2024. Mittlerweile wurde der Rüde auch in Rheinhessen nachgewiesen. Doch wie gelingt die Identifizierung einzelner Wölfe nach einem Vorfall?

Zuständig für das Monitoring und den Umgang mit Wölfen in Rheinland-Pfalz ist das Koordinationszentrum Luchs und Wolf, kurz KLUWO. Die Experten dieses Zentrums sind es auch, die nach einem möglichen Wolfsriss Spuren sichern. Julian Sandrini, Leiter des Zentrums erklärt: „Das KLUWO begutachtet landesweit und an nötigenfalls 365 Tagen im Jahr Nutztier-Riss-Verdachtsfälle in Rheinland-Pfalz und bringt gegebenenfalls Notfallausleihmaterial, falls gewünscht, zur sofortigen Verbesserung des Herdenschutzes, zur Ausleihe mit.“ Die Begutachtung umfasse die Dokumentation des gerissenen Tieres, bestehend aus der Erstellung eines Protokolls, einer Bilddokumentation und einer genetischen Beprobung möglicher Biss oder Fraß-Stellen mit sterilen Tupfern am Tierkörper.

„Anderweitige Hinweise am Rissverdachtsfall und der Umgebung, wie Haare am Zaun, Trittsiegel oder einschlägige Kotfunde, werden ebenfalls dokumentiert und genetisch beprobt“, so Sandrini weiter. Außerdem verfüge das KLUWO über Fotofallen, die in besonderen Fällen installiert werden könnten, um mögliche Beutegreifer bei der Rückkehr zu dokumentieren. „Die Proben werden ausschließlich von Hauptamtlichen genommen die dem KLUWO zugehörig sind oder von einem kleinen Personenkreis speziell dafür vom KLUWO geschulter Personen von Landesforsten“, sagt der Leiter des Koordinationszentrums.

Untersucht werden die Proben im Anschluss auf den Nachweis der DNA der Tierart Wolf oder Luchs und nach erfolgtem Artnachweis Wolf oder Luchs auf das Geschlecht und nach Möglichkeit nach dem Individuum. Dieser Schritt erfolgt pr Microsatteliten -Analyse beim nationalen Referenzlabors der Senckenberg Gesellschaft. In der Bundesrepublik werden alle Proben, die mögliche Wolfsrisse betreffen, zentral in diesem Labor getestet, was die Vergleichbarkeit der Ergebnisse und damit das bundesweite Monitoring deutlich erleichtert.

Bei Nachweis eines Wolfes an einem Nutztier kann eine Ausgleichszahlung beim KLUWO beantragt werden. „In ausgewiesenen Präventionsgebieten muss dafür nach einer Übergangsfrist der wolfsabweisende Grundschutz für Ausgleichszahlungen bei Schafen, Ziegen und landwirtschaftlich gehaltenem Gehegewild vorhanden sein“, so Sandrini.

Meldungen über gesicherte Wolfsrisse und weitere Infos gibt es unter www.wolf.rlp.de/. GS

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