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Innenstadtentwicklung auf Grundlage von Geomarketing

Innenstadtentwicklung auf Grundlage von Geomarketing

In Remagen, dem idyllischen Örtchen am Rhein, tut sich etwas: Die Politik macht den Weg frei für einen Discounter sowie Wohnraum für alle Generation im Bereich der Jahnstraße. Der Bauträger, der Interesse an dem entsprechenden Großprojekt bekundet hat, hat im Vorfeld eine Standortanalyse durchgeführt. Foto: pixabay.com © GerdRohsDesign (CC0 Public Domain)

10.07.2020 - 15:33

Die regionale Politik kann die Rahmenbedingungen schaffen, doch die Umsetzung erfolgt an anderer Stelle. Dies wird insbesondere dann deutlich, wenn kommunalpolitische Entscheidungen in die Tat umgesetzt werden, wie etwa die Änderung des Bebauungsplans „Jahnstraße“ in Remagen. Ein Discounter, Wohnungen und Reihenhäusern, Seniorenwohnungen und Studenten-WGs sollen einziehen. Doch worauf fußen große Entscheidungen wie diese eigentlich? In der Wirtschaft ist in diesem Zusammenhang immer häufiger die Rede vom sogenannten Geomarketing. Was sich genau dahinter verbirgt, verrät dieser Beitrag.


Was ist Geomarketing?


Der Begriff Geomarketing umfasst eine Marketinglösung, bei der die Frage „wo“ im Mittelpunkt steht. Beantwortet werden beim Geomarketing regionale Fragestellungen – und zwar auf Basis von Daten, die einen Raumbezug haben. Diese Daten können im Unternehmen erhoben oder durch externe Quellen bezogen werden. Um Daten nicht nur unter den geltenden Datenschutzbestimmungen erheben, sondern auch mit Blick auf die jeweilige Firmenstrategie effektiv auswerten zu können, gibt es mittlerweile Geomarketing-Experten, die Daten erheben, hinzufügen und so auswerten, so dass eine übersichtliche Karte entsteht, die zur wichtigen Entscheidungsgrundlage werden kann.


In welchen Bereichen kommt Geomarketing zum Einsatz?


Geomarketing gewinnt eine immer größere Bedeutung, weil nach wie vor – und das heißt trotz Online-Shops und -angeboten – etwa 80 Prozent der Unternehmen einen regionalen Bezug haben. Geomarketing ist wichtig auch oder gerade weil in unserer Gesellschaft eine zunehmende Individualisierung zu beobachten ist. Trotz der unterschiedlichen Wege, die individuell eingeschlagen werden, gibt es Vergleichswerte, wie etwa das Nachbarschaftsprinzip, das seine Gültigkeit behält und heute wichtiger denn je ist. Das bedeutet in der Praxis, dass die Individuen sich zwar nach ihren persönlichen Vorlieben entwickeln, dass es aber durchaus Parallelen gibt – beispielsweise in Siedlungen. Wer in einer Siedlung lebt, lebt meist unter ähnlichen Wohnbedingungen, gestaltet sich sein Leben unter ähnlichen Lebensumständen, pflegt ähnliche Interessen und legt ein ähnliches Kaufverhalten an den Tag. Letzteres ist entscheidend, um Geomarketing als Marketingansatz zu begreifen, denn beim Geomarketing werden geografische und soziodemografische Merkmale mit dem Kaufverhalten der Menschen in Verbindung gebracht. Rückschlüsse auf einzelne Personen sind dabei nicht möglich, womit der Datenschutz gewährleistet ist. Wohl aber lassen sich Aussagen über abgegrenzte, definierte Räume treffen. Damit lassen sich mit Blick auf eine Siedlung oder einen Stadtteil Aussagen zum Alter, zur Haushaltsgröße, zur Art der Gebäude, zu Interessen und zur Kaufkraft ableiten.

Geomarketing kann in Marketing und Vertrieb dabei helfen,

  • Marktpotentiale zu bestimmen und Absatzmärkte zu lokalisieren (Stichwort: Absatzplanung).
  • eine zielgruppenspezifische Produktplanung aufzusetzen (Stichwort: Sortimentsplanung).
  • ein Gebiet mit Blick auf etwaige Filialen zu überplanen (Stichwort: Standortplanung).
  • Kundenstrukturen zu eruieren (Stichwort: Zielgruppenplanung).
  • Marketingmaßnahmen zielgruppengerecht zu planen (Stichwort: Marketingplanung).

Innenstadtentwicklung auf Grundlage von Geomarketing

Um ein Bebauungskonzept für eine historisch besiedelte Stadt zu entwerfen, ist das Geomarketing ein praktisches Instrument. Es zeigt Unternehmen, Bauträger, Start-ups und Kommunen an, wie sich die Region entwickeln könnte. Foto: : pixabay.com © Tama66 (CC0 Public Domain)


Welche Branchen können am meisten von Geomarketing profitieren?


Einsatzbereiche für den Geomarketing-Ansatz gibt es zuhauf, weswegen auch zahlreiche Branchen und Unternehmen vom Geomarketing profitieren können:

  • Start-ups können mithilfe von Geomarketing analysieren, inwiefern der Standort für eine neue Filiale gewinnbringend sein könnte oder nicht. So lassen sich ganz gezielt Immobilienangebote durchforsten. Mithilfe von Scoring-Modellen lassen sich Standortfaktoren bewerten – und zwar mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und die Zukunftsfähigkeit eines Filial- oder Unternehmensstandorts.
  • Einzelhändler und Franchise-Betriebe können mithilfe von Geomarketing vorhandene Standorte überprüfen, bei Bedarf das Filialnetz umstrukturieren und damit langfristig optimieren. Sogenannte Location-Allocation-Modell sollen dabei helfen, Kunde und Angebot möglichst nah aneinander zu bringen. Spezielle Berechnungsmethoden des Geomarketings, beispielsweise sogenannte Gravitationsanalysen, sollen Umsatzprognosen ermöglichen – was final bei der Standortwahl helfen kann.
  • Anbieter von Produkten und Dienstleistern können mithilfe von Geomarketing Marktpotenziale und Kundenstämme erschließend und regional möglichst genau fassen. Die Analyseergebnisse zeigen transparent die Vor- und Nachteile des geprüften Standorts auf. Die Abwägung kann zur wichtigen Entscheidungshilfe werden, wenn es für Unternehmer darum geht, erstmals einen Unternehmensstandort auszumachen, den Standort zu wechseln oder vielleicht sogar zu expandieren.

Die Nutznießer der Geomarketing-Tools sind vor allem die Branchen, die im direkten Kundenkontakt stehen wollen und sollen, um ihr Unternehmen betreiben zu können. Doch auch Bauträger, die etwas erschaffen, was sie dann gewinnbringend verkaufen oder vermieten möchten, nutzen Geomarketing, um die Potentiale von Standorten zu ergründen.

Innenstadtentwicklung auf Grundlage von Geomarketing

Gastronomiebetriebe haben trotz Geomarketing häufig eine schwere Entscheidung zu fällen: Ob sie einen hochfrequentierten Standort mit reichlich Wettbewerbern oder einen ruhigen Standort inmitten der potentiellen Zielgruppe wählen, ist meist eine wichtige Grundsatzentscheidung. Foto: pixabay.com © Free-Photos (CC0 Public Domain)

Ein Beispiel aus der Praxis: Café- und Restaurantbetreiber nutzen Geomarketing, um zu eruieren, ob es ähnliche Gastronomiekonzepte wie das selbst Geplante am Standort gibt und, ob es ausreichend Kundenpotential gibt. Dabei ist die Abwägung der Auswertung nicht einfach. Während ein Gastronomiebetrieb im Innenstadtbereich viel Laufkundschaft genießen könnte, ist gerade an hoch-frequentierten Orten der Wettbewerb stark. Ein Gastronomiebetrieb an einer weniger prominenten Stelle sollte jedoch zwingend ins Umfeld passen. In einer ruhigen Wohngegend mit zahlreichen Familien und generationenübergreifenden Wohnoptionen ist ein Szene-Pub hingegen meist fehl am Platz und würde vermutlich nur wenig Zuspruch bekommen. Doch auch für kommunale Projekte, beispielsweise für den Neubau oder die Erweiterung von Feuerwehrhäusern, kann eine Standortanalyse eine wichtige Grundlage sein – beispielsweise um die Versorgung im Ort zu sichern.


Das sind die Vor- und Nachteile von Geomarketing


Der Vorteil dieses Marketingprinzips liegt in der Möglichkeit, quantitative Analysen durchzuführen, die in der Regel deutlich mehr Aussagekraft haben als individuelle Wahrnehmungen. Damit ist der Vorteil von Geomarketing das Abstraktionsvermögen, das damit verbunden ist. Der Nachteil besteht darin, dass Geomarketing auf messbaren Daten beruht, was das Ergebnis verfälschen kann, wenn sich eine Siedlung ohne äußere, strukturelle Vorgaben entwickelt und eine Eigendynamik an den Tag legt, die nicht strukturell fassbar ist. Spätestens dann stößt das Geomarketing an seine Grenzen und würde im schlimmsten Fall falsche Ergebnisse liefern, die in eine falsche Richtung weisen würden.

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Kommentare
Tobias S.:
Herr Schmidt, in welcher Welt leben Sie? Gehen Sie raus und schauen sich die Wälder an. Das die Fichten sterben sieht man von weiten. Ja ich weiß, Fichten gehören hier nicht hin und wurden ihrer Meinung nach nur aus Profitgier gepflanzt. Es sind aber die Laubbäume in Mischwäldern die massiv leiden. Buche, Eiche, Birke, Kirsche alle zeigen mittlerweile Schäden in den Kronen. Was mich wirklich erschreckt, es passiert nicht nur dort wo es wirklich zu trocken ist, Hänge des Rhein- und Ahrtals, sondern auch auch in der Nähe zu Flüssen. Hier sollte der Grundwasserspiegel für eine ausreichende Wasserversorgung ausreichen, trotzdem lichten sich die Kronen und man sieht vermehrt welke Zweige. Den Bäumen wird es wohl einfach zu warm... Also hören Sie auf Waldsterben, Klimawandel, Dürre als Lobbyismus zu bezeichnen.
Titus von Unhold:
Da hat mal wieder ein Spezialexperte keine Ahnung. Das "Waldsterben 1.0" konnte verhindert werden weil binnen fünf Jahren weltweit(!) bei allen Industrieanlagen Entschwefelungsanlagen nachgerüstet werden mussten.
S. Schmidt:
Es gab noch nicht einmal ein Waldsterben 1.0, immer dieser Lobbyismus, hier spricht nur die Gier nach noch mehr Steuergeld. Den Wäldern ginge es Prima, wäre diese nicht Gnadenlos auf Profit (Holzernten) ausgelegt. (Ur)-Wäldern machen Trockenzeiten und Schädlinge bedeutend weniger aus!
Jesko:
Bloß kein Stück zur Normalität zurückkehren und den Bürgern in den harten Zeiten etwas zum Thema Freizeit oder Unterhaltung bieten. Stattdessen Investoren Gespräche und neue Gewerbegebiete fordern. Wie man die CDU kennt und liebt. Lobbyarbeit vor Bürgerinteressen stellen.
Gabriele Friedrich:
Wenn der Mann eine Sauftour durch Melsbach gemacht hat, war er in Kneipen und man kennt sich.Also haben andere ihn auch fahren "lassen". Das ist heute kein Kavaliersdelikt mehr. Ein Taxi gerufen, Schlüssel abgenommen- so macht man das. Schön doof- trotzdem.
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