Politik | 23.11.2022

Rad- und Fußwege sollen teilweise in die Böschung der Ahr verlegt und Park- und Grünflächen in das Konzept der Retentionsflächen eingebunden werden

Bad Neuenahr: Masterplan zur Wiederherstellung des Ahrufers verabschiedet

Der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich mit der Zukunft des Ahrufers auseinandergesetzt.  Foto: ROB

Kreisstadt. Einstimmig stimmte der Stadtrat jetzt dem Masterplan zur Wiederherstellung und Neugestaltung des Ahrufers im urbanen Bereich und der Nutzung städtischer Grün- und Parkanlagen als Retentionsraum zu. „Der Masterplan setzt Leitplanken und formuliert Planungsgrundsätze, die Planungsideen für die weitere Ausgestaltung sein können“, warnte Bürgermeister Guido Orthen (CDU) jedoch vor überzogenen Erwartungen. Die Umsetzung könne nämlich gar nicht schnell gehen, „denn da stehen noch die jeweiligen Abschnittsplanungen davor.“

Der Masterplan beinhaltet eine Vergrößerung des Gewässerquerschnitts durch die teilweise Verlagerung von Rad- und Fußwegen in die Böschung der Ahr und eine grundsätzliche Einbindung der Park- und Grünflächen in das Konzept der Retentionsflächen. Das Leitbild und das Regelwerk aus dem Masterplan sollen Ausgangspunkte für die weitere Diskussion über die künftige Entwicklung der öffentlichen Freiräume entlang der Ahr werden. Hieraus ergäben sich Hinweise auf Potentialflächen für den Hochwasserschutz, Wegeverbindungen, Freiraum-Programme und ökologische Entwicklungsbereiche. Das Regelwerk setze übergeordnete Standards fest und solle die zusammenhängende Planung über eine längere Zeitspanne sichern, so Orthen.

Artenreiche mediterrane Flora und Fauna

Wegen des warmen und trockenen Klimas entwickele sich im Ahrtal eine besonders artenreiche, mediterrane Flora und Fauna. Um das Bestehen von Landschaft, Pflanzen, Tieren und Menschen zu sichern, gelte es, die Ahr im Einklang mit den Zielen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien der EU zu entwickeln. Die Wiederherstellung naturnaher Fließstrecken mit lebensraumtypischen Tier- und Pflanzenarten sei als übergeordnetes Entwicklungsziel des gesamten Flussraumes anzusehen.

Bei der Ausarbeitung der verschiedenen Zielsetzungen des Masterplans seien zwei wesentliche Aspekte definiert worden, die bei der weiteren Planung zu berücksichtigen seien und als deren Leitfaden dienen sollen. Zum einen die Vergrößerung des Gewässerquerschnitts durch die teilweise Verlagerung von Rad- und Fußwegen in die Böschung der Ahr. Damit werde das Ziel verfolgt, zukünftig auch eine gegenüber dem Hochwasser im Jahr 2016 erhöhte Wassermenge möglichst schadlos durch das Stadtgebiet durchzuleiten. Es werde angestrebt, dass die für die Abgrenzung des neuen Überschwemmungsgebietes zugrunde gelegte Wassermenge von 491 Kubikmetern pro Sekunde durch den freien Querschnitt des Gewässers durchgeleitet werden könne. Bis zur Flut habe die Bemessungsgrenze eines hundertjährigen Hochwassers bei lediglich 246 Kubikmeter pro Sekunde gelegen.

Parks als Retentionsflächen nutzen

Außerdem seien die vorhandenen Park- und Grünflächen grundsätzlich in das Konzept der Retentionsflächen einzubeziehen. Hierbei sollen Bereiche in den Park- und Grünflächen so weit abgesenkt werden, dass die ursprüngliche Nutzung durchgehend möglich bleibe, im Hochwasserfall aber zusätzlich möglichst viel Wasser zurückgehalten werde. Zugleich werde die Fließgeschwindigkeit der Ahr gemindert. Die Wechselwirkung zwischen Maßnahmen auf der einen Uferseite und dem gegenüberliegenden Gelände, wie auch die Altbestände von Pflanzungen und Leitungen sollen in den weiteren Ausarbeitungen berücksichtigt werden.

Ein wichtiger Baustein sind die Radwege, denn der Ahrtal-Radweg soll über weite Strecken parallel zum Nordufer geführt werden. Die mindestens 3,50 Meter breite Trasse soll asphaltiert werden, lediglich die Bereiche entlang der Stadtufer Ahrweilers und Bad Neuenahrs werden „schöner“ gestaltet. Die Radwege sollen im Gegenverkehr befahrbar sein und durchgängig beleuchtet werden. Entlang des Südufers soll der Parkuferweg die Spaziergänger durch die neuen ebenso wie die historischen Parks zum Wasser der Ahr führen. „Mit den beiden Wegequalitäten knüpft sich ein komfortabel zu begehendes Netz, das barrierefrei und gut beschattet durch die Auenlandschaft leitet.“ So steht es zumindest im Masterplan.

Hochwasserschutz wird deutlich verbessert

„Wir sind uns sicher, dass wir so den Hochwasserschutz in unserem Tal deutlich verbessern können“, kommentierte CDU-Fraktionsvorsitzender Christoph Kniel das Werk und sagte voraus, dass Unterlieger wie die Stadt Sinzig davon profitieren werden. Im Gegenzug hoffe und erwarte er aber auch, dass Oberlieger wie die Verbandsgemeinde Altenahr Gleichwertiges unternehmen. „Denn nur gemeinsam ist eine wirkliche Schutzverbesserung zu schaffen.“ Allerdings betreffe die Planung nicht nur Liegenschaften der öffentlichen Hand, sondern auch private Eigentumsverhältnisse. Hier müsse die Stadt ihren Einfluss geltend machen, um bei künftigen privaten Maßnahmen die Regeln des Masterplans auch durchzusetzen.

Werner Kasel (SPD) sprach von einer „sehr ambitionierten Ideensammlung“ und einer „Grundlagenplanung, die sich sehen lassen kann“. Sehr anerkennenswert sei es auch, das mit der Einbeziehung von Bereichen von Walporzheim und über Heppingen und Heimersheim hinaus bis zur Gemarkungsgrenze in Lohrsdorf über den ursprünglich beschriebenen urbanen Bereich der Kernstadt hinausgedacht worden sei. „Wenn sich unsere Stadt mit ihrem Fluss als zentraler Linie zukunftsorientiert und modellhaft entwickeln soll, ist die Basis dafür mit diesen ersten Masterplan gelegt.“ Die Basis sei entwickelt, „und wir sollten mutig genug sein, sie aufzugreifen“.

Für schnelle Radler und Genussradler

FWG-Fraktionschef Gregor Sebastian begrüßte die Planung ebenfalls und freute sich besonders über die Vorstellung von künftig zwei Radwegen, „einen schnellen und eine für Genussradler“. Das trage zur Attraktivitätssteigerung der Stadt und des Ahrtals insgesamt bei. Und vielleicht steige dadurch doch noch der eine oder andere aufs Rad um, schmunzelte Sebastian. Ohnehin halte es die FWG schon für lange überfällig, die gesamte Ahr erlebbarer zu machen.

„Die Flutkatastrophe im vergangenen Jahr hat uns allen gezeigt, dass ein ‚Weiter so‘ keine Option ist“, wusste auch David Jacobs (FDP). Damals habe man schmerzlich erfahren müssen, dass die Ahr wieder mehr Platz und Retentionsflächen benötige. Mit dem nun vorgestellten Masterplan könnten die Auswirkungen künftiger Hochwasser abgemildert und damit die Sicherheit der Bürger erhöht werden. Martin Kallweitt (AfD) fand, der Masterplan sei „ein guter und vernünftiger Entwurf, der unsere Stadt in der Zukunft weiter ein Stückchen attraktiver machen wird.“ Er wünsche sich aber eine schnelle Umsetzung der Wiederherstellung des Ahrufers, damit Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder eine lebenswerte Stadt werde. Eine schnelle Umsetzung war auch der Wunsch von Marion Morassi (Die Linke), doch Orthen stellte direkt danach klar, dass die Verwirklichung des Masterplanes viel Zeit in Anspruch nehmen werde: „Das ist nicht in einem halben Jahr erledigt.“ JOST

Der Stadtrat von Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich mit der Zukunft des Ahrufers auseinandergesetzt. Foto: ROB

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