Politik | 20.08.2020

Andreas Geron im BLICK

„Bisher sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“

Der Sinziger Bürgermeister Andreas Geron.

Sinzig. 2020 ist ein besonderes Jahr und die Corona-Pandemie hinterlässt Spuren. Diese machen sich nicht nur im alltäglichen Umgang miteinander bemerkbar: Der Virus hat auch in den kommunalen Kassen Löcher hinterlassen, auch die Wirtschaft – insbesondere der örtliche Einzelhandel vor Ort – hat gelitten. Während in den Anfangswochen der Pandemie die Zukunft ungewiss war, besteht heute die Möglichkeit einen Rückblick auf die bisherigen Auswirkungen zu werfen und die Frage zu stellen: Wie geht es weiter?  BLICK aktuell traf sich dazu zum Interview mit dem Sinziger Bürgermeister Andreas Geron.

BLICK aktuell: Herr Geron, wie geht es Ihnen in dieser herausfordernden Zeit?

Andreas Geron: Zunächst: Das ist eine Frage, die man als Bürgermeister selten gestellt bekommt. (lacht). Mir geht es gut. Ich habe derzeit Urlaub, übrigens das erste Mal in diesem Jahr. Diesmal ist eben alles anders. Das ist ein Urlaub mit „angezogener Handbremse“. Meine Familie und ich bleiben zu Hause und genießen die Landschaft und die Natur. Erreichbar ist man dann natürlich trotzdem und die Erreichbarkeit wird rege genutzt. In den meisten Belangen vertritt mich jedoch der Erste Beigeordnete Hans-Werner Adams.

BLICK aktuell: Jeder Kommune fehlt aufgrund der Corona-Pandemie Geld in der Kasse. Wie ist der Stand der Dinge in Sinzig?

Geron: Bisher blieb etwa ein Drittel der Gewerbesteuereinnahmen aus. Allein durch die fehlenden Einnahmen der Gewerbesteuer fehlt es an einer halben Million Euro, auch der teilweise Ausfall der Einkommenssteuer wiegt schwer. Grundsätzlich gilt: Die Einnahmen sinken und die Ausgaben steigen.

BLICK aktuell: Sind durch diese fehlenden Mittel geplante Projekte in der Stadt gefährdet?

Geron: Nein, bislang nicht. Wir werden nicht wegen Corona den Rotstift an notwendige Maßnahmen ansetzen. Einige Projekte sind geplant und die müssen zwingend umgesetzt werden. Wir brauchen die neuen Kindertagesstätten und das neue Feuerwehrgerätehaus ebenfalls. Das sind beides Posten im Haushaltsplan, die bereits festgelegt sind. Ebenfalls werden wir das große Projekt der Stadtentwicklung (ISEK) dieses Jahr noch angehen. Das Konzept liegt seit Anfang des Jahres der ADD vor. Kürzlich war ich in Koblenz um mit den Verantwortlichen das weitere Vorgehen festzulegen. Auch die Sanierungsarbeiten im Bad Bodendorfer Schwimmbad werden derzeit ausgeschrieben.

BLICK aktuell: Aber eine coronabedingte Folge gibt es ja schon, das Schwimmbad ist schließlich geschlossen.

Geron: Das ist richtig, aber das ist nicht den Sanierungsarbeiten geschuldet, sondern den baulichen Voraussetzungen vor Ort. Die Verordnungen zu Corona sind in Bad Bodendorf nicht einzuhalten. Es könnte sich unter Einhaltung der gegenwärtigen Regeln nur sehr wenige Menschen im Becken aufhalten. Somit haben wir uns entschlossen, das Bad nicht zu öffnen. Das war ein Schritt, den wir schweren Herzens gehen mussten. Aber der Schutz und die Gesundheit der Menschen steht im Vordergrund.

BLICK aktuell: Wie hat die Verwaltung auf Corona reagiert? Welche Änderungen gab es im Alltag im Rathaus?

Geron: Wir haben schnell reagiert. Ein großer Teil der Arbeitsplätze wurde zügig zu Heimarbeitsplätzen umgestaltet. Das gilt auch für meinen Arbeitsplatz. So kann ich ebenfalls von zu Hause arbeiten. In den Büros, wo dies durch das Aufgabenprofil nicht umsetzbar ist, wurden Plexiglasscheiben von einem Schreiner aus dem Kreis Ahrweiler eingesetzt. Auch hier haben wir die Arbeitsbedingungen entzerrt, sodass möglichst wenige Mitarbeiter in einem Raum sitzen. Den Eingangsbereich haben wir ebenfalls komplett umgestaltet. Zusätzlich wurden Spender mit Desinfektionsmitteln installiert. Auch der Sitzungsalltag hat sich gewandelt. So tagten Gremien wie der Ältestenrat per Videositzung. Vor Corona war das undenkbar. Ich würde gerne an dieser Methode festhalten. Schließlich war die Technik schon da, wir haben sie nur nicht genutzt. Auch bei zukünftigen Gremiensitzungen könnte das nützlich sein und erspart den Mandatsträgern und Mitarbeitern der Verwaltung Aufwand und Anfahrt. Gerade wenn es nur wenige Tagesordnungspunkte gibt, stelle ich mir eine Onlinesitzung als sinnvoll vor. Ein Lob ist auch den Mitarbeitern im Rathaus auszusprechen. Auf den Personalrat war stets Verlass. Gerade in den systemrelevanten Arbeitsbereichen wie beispielsweise im Bauhof, stellten sich die Mitarbeiter schnell auf die Herausforderungen um. Dort sind wir auf ein Schichtsystem umgestiegen und die Mitarbeiter haben die neuen Arbeitszeiten von Anfang an akzeptiert.

BLICK aktuell: Wie bewerten sie den Umgang mit der Krise durch die Bundes- und Landesregierung?

Geron: Die Bundesregierung hat sehr gut reagiert. Das würde ich auch niemals in Frage stellen. Die Maßnahmen sind sinnvoll und gleiches gilt für die Verordnungen der Landesregierung. In der Kommunikation mit Mainz hat es jedoch gehapert. Es kann nicht sein, dass wir als Kommune Landesentscheidungen erst aus der Presse erfahren müssen. Das ist eine Form von Kommunikation, die wir uns so nicht vorstellen. Ein Beispiel war die Wiederöffnung der Spielplätze. Es hieß aus Mainz am 30. April in einer öffentlichen Meldung der Landesregierung, dass am Sonntag die Spielplätze nicht mehr gesperrt sein werden. Dies war ein Donnerstag und tags drauf stand mit dem 1. Mai ein Feiertag an. Wir hatten somit gar keine Gelegenheit die Spielplätze für Besucher herzurichten und zum Beispiel von Scherben zu befreien oder an den Spielgeräten Schrauben nachzuziehen. Eine Öffnung eine Spielplatzes ist nicht mit dem Abhängen eines Schildes getan. Wenn dann Familien Sonntags nach dem Lockdown wieder auf den Spielplatz wollen, was absolut verständlich ist, und können es nicht, ist das nicht gut. Hervorragend war hingegen die Zusammenarbeit mit dem Kreis und Landrat Dr. Jürgen Pföhler. Auch mit den anderen Bürgermeistern des Kreises habe ich mich regelmäßig und eng ausgetauscht. Gleiches gilt für die Beigeordneten und Fraktionen im Stadtrat. Wir konnten in Eilentscheidungen wichtige Maßnahmen auf den Weg bringen.

BLICK aktuell: Bund und Land haben umfangreiche Hilfen versprochen. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Geron: Grundsätzlich haben Bund und Land zugesagt, jeweils eine Hälfte der Verluste auszugleichen. Bisher haben wir haben aber noch kein Geld erhalten. Sagen wir es so: Wird diese Zusage ein Fakt, wird es ein großer Wurf.

BLICK aktuell: Wie steht es um den Einzelhandel in Sinzig?

Geron: Ich denke, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind. Es gibt beispielsweise keine Einzelhändler mit bekannten coronabedingten Insolvenzen. Zwar gab es in den letzten Monaten Schließungen, insbesondere in der Gastronomie, die aber letztendlich auf andere Gründe zurückzuführen sind. Ein guter Teil des Umsatzausfalls konnte durch das schnelle Reagieren der Aktivgemeinschaft, des Haus der offenen Tür (HoT) und der Stadt abgefedert werden. Auf Online-Portalen konnten sich alle Einzelhändler registrieren, die Liefer- oder Abholdienste anbieten. So wurde für Kunden eine kompakte Übersicht geschaffen. Die Resonanz war groß und manche Einzelhändler und insbesondere Gastronomie konnten Einbußen gut auffangen.

Wir bedanken uns für das Interview

Das Interview führte Daniel Robbel

Der Sinziger Bürgermeister Andreas Geron.

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