Reaktivierung der Brexbachtalbahn von Engers über Bendorf

Engerser Politik und Vereinsvertreter setzten ein starkes Zeichen

22.08.2019 - 08:16

Engers. Ein starkes Zeichen für die Reaktivierung der Brexbachtalbahn von Engers über Bendorf bis Grenzau setzten die Engerser. Auf Einladung des Bürgervereins hatten sich die Vertreter der Ortsvereine am Bahnhof zu einer „öffentlichen Positionierung“ versammelt. Dazu Ortsvorsteher Dieter Neckenig und die Engerser Stadträte von CDU und SPD. Über den aktuellen Sachstand informierte Adi Bongartz vom Verein Brexbachtalbahn. Der Vereinsvorsitzende ließ keine Zweifel offen: „Die Züge werden definitiv rollen“. Und das, obwohl sich die Stadt Bendorf mittels Ratsbeschlusses quer stellt. Bernd Wolff, Vorsitzender des Bürgervereins, kann das nicht verstehen. Er verwies auf die zahlreichen touristischen Aktivitäten, die in Engers und Sayn auf die Gäste warten. Zur Aufgabe des Bürgervereins gehöre auch die Förderung von Kultur- und Tourismus in Neuwied. Die Brexbachtalbahn bezeichnete er als touristischen Meilenstein. „Gerne denken wir noch an den Drei-Städte-Wandertag zurück, der alljährlich viele Besucher verzeichnen konnte. Bei einem dauerhaften Brex–Betrieb ist das nur ein kleines Beispiel für erhebliches Wachstumspotential“, so Bernd Wolff. Der Reiz der 21,6 Kilometer langen Verbindung von Engers nach Siershahn aus dem Jahr 1884 liegt vor allem im unteren Teil zwischen Bendorf und Grenzau. Zahlreiche Viadukte und Tunnels führen durch das idyllische Brexbachtal. Es geht vorbei an der Abtei Sayn, dem Kletterwald und den Zeltlagerplätzen. Anlass für das Treffen war die Unternehmensgenehmigung, die der Eifelbahn Verkehrsgesellschaft kürzlich vom Verkehrsministerium aus Mainz erteilt wurde. Nicht zu verwechseln mit einer Betriebsgenehmigung. Um diese zu erlangen, muss der Betreiber einen Maßnahmenkatalog abarbeiten und die Fahrtüchtigkeit der Strecke nachweisen. „Baulich ist alles in Ordnung“, berichtete Adi Bongartz. Lediglich kleine Ausbesserungen seien notwendig. Hier sei allerdings die Deutsche Bahn AG zuständig, da diese trotz Streckenstilllegung aber eben nicht Entwidmung, die Bahnstrecke in Schuss halten muss. Sollte es hier in der Vergangenheit zu Versäumnissen gekommen sein, sei die DB AG in der Pflicht. Das eigentliche Problem liege in Bendorf.


Keine Über- oder Unterführung notwendig


Hier hatte sich der Stadtrat gegen die Brexbachtalbahn ausgesprochen. Zur Reaktivierung müssen zwei Bahnübergange an hoch frequentierten Straßen installiert werden. Nach Ansicht der Bendorfer würde dies die Entwicklung der Stadt bremsen. Auch hatte Bendorfs Bürgermeister Michael Kessler immer wieder auf die immensen Kosten für eine Über- oder Unterführung hingewiesen. Für diese Investition sei kein Geld vorhanden. Adi Bongartz erklärte, dass es eines so großen baulichen Umstands gar nicht bedarf. Ein Bahnübergang mit Halbschranken sei völlig ausreichend. Adi Bongartz berichtete, dass aus Mainz die Genehmigung für einen solchen gesicherten Bahnübergang zu erwarten sei. Die Befürchtung der Bendorfer, dass es zu langen Rückstaus in Richtung B42 kommt, entkräftet er. Untersuchungen, die sowohl den Autofrequenz als auch Zuglänge und Geschwindigkeit berücksichtigen, hätten 68 bis 76 Sekunden Wartezeit für Autofahrer ergeben. Er verweist zusätzlich darauf, dass es sich um Touristenzüge handelt. Diese verkehren nicht in der Rush-Hour während der Woche, sondern wenige Male am Wochenende und an Feiertagen.


Kein Verkehrschaos


Im Gegensatz zu den Bendorfern geht Adi Bongartz davon aus, dass die Brexbachtalbahn sogar für eine Entlastung der Verkehrssituation sorgen wird. Denn gerade am Wochenende herrsche in Sayn Chaos. Wenn nur 10-15 Prozent der Besucher auf die Schiene wechseln, sei viel erreicht. Ex-Stadtvorstand Jürgen Moritz versteht den Sinneswandel der Nachbarn nicht. Immerhin hatte es zuvor hinsichtlich der Reaktivierung einen Konsens gegeben. Bezüglich der Bewerbung von Bendorf für die Landesgartenschau sagte Jürgen Moritz. „Verkehrstechnisch ist es völlig unmöglich, 500.000 Menschen nach Sayn zu bringen. Die Brex wäre hier die Lösung“. Die Reaktivierung zu unterstützen versprach die Politik. Martin Hahn (CDU) will den Neuwieder Stadtvorstand und Bürgermeister Michael Kessler an einen Tisch bekommen. Politische Mehrheiten im Bendorfer Stadtrat will Henning Wirges (SPD) zusammenbekommen. Er weiß, dass Stadträte unterschiedlicher Fraktionen für die Reaktivierung sind. Der SPD - Ratsherr erinnerte an die Resolutionen pro Brex, die vom Neuwieder Stadtrat, zuletzt 2016, verabschiedet wurden. Ebenfalls daran, dass die Stadt Neuwied bereit sei, sich an Kosten zu beteiligen. Wenn die Brexbachtalbahn an den Start geht, muss das Engerser Bahnhofsumfeld auf Vordermann gebracht werden. Das fordert Martin Hahn ein. Adi Bongartz wies zudem auf gleistechnische Umbauten in Engers hin. Diese würden aber weder ein technisches noch finanzielles Problem darstellen, und auch die bestehende Schallschutzwand wäre nicht tangiert.


Wirtschaftlichkeit gegeben


Der Vereinsvorsitzende ist davon überzeugt, dass die Wirtschaftlichkeit der touristischen Bahnstrecke gegeben ist. 30.000 Fahrgäste pro Jahr bedürfe es dazu. Allein beim 3-Städte Wandertag seien in der Vergangenheit rund 20.000 Menschen am Start gewesen. Reise- und Touristikveranstalter würden die neue Bahnstrecke unmittelbar aufgreifen und Zugfahrten mit Sehenswürdigkeiten vermarkten. Erschlossen werde die Touristenattraktion von der Rheinschiene über Engers und von der ICE Trasse über Montabaur bis Siershahn. FF-

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Stellenmarkt
Weitere Berichte

Tausende Besucher kamen in die Rheinanlagen

Farbenprächtiges Feuerwerk war Höhepunkt beim „Fest der 1000 Lichter“

Andernach. Als absoluten Höhepunkt darf man wohl das Feuerwerk zum „Fest der 1000 Lichter“ in den Andernacher Rheinanlagen bezeichnen. Da waren sich auch der überwiegende Teil der Nutzer in den einschlägigen Netzwerken von Facebook & Co einig. Aber vor dem Genießen stand die Arbeit. Seit 16 Uhr am Nachmittag hatten die Feuerwerker von Steffes-Ollig Feuerwerke auf der gegenüber liegenden Rheinseite zahlreiche Raketen und Abschussrampen positioniert. mehr...

Der 54-Jährige wurde mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht

Kollision mit Linksabbieger: Fahrradfahrer bei Unfall schwer verletzt

Königswinter. Am Samstag, 06.08.2022, gegen 17:30 Uhr, befuhr ein 79-jähriger PKW-Fahrer mit seinem Fahrzeug die K25 aus Vinxel kommend in Fahrtrichtung Oberdollendorf. Auf Höhe der Einmündung zur L268 beabsichtigte er nach links auf die Dollendorfer Str./L268 abzubiegen. Im Einmündungsbereich kollidierte er mit einem aus Richtung Thomasberg kommenden Fahrradfahrer (männlich, 54 Jahre). Hierbei wurde... mehr...

Die Unbekannten sollen eine hochwertige Motorradjacke aus einer Motorradboutique entwendet haben.

Foto-Fahndung: Wer kennt diese Männer?

Bonn. Am 14.02.2022 betraten zwei bislang unbekannte Männer die Motorradboutique eines Bonner Autohauses. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sollen die Tatverdächtigen eine schwarze Motorradjacke mit weißen Streifen am Arm im Wert von mehreren hundert Euro entwendet haben. Die bislang unbekannten Männer wurden bei der Tatausübung von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Da die bisherigen Ermittlungen... mehr...

 
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
LESETIPPS
GelesenNeueste
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Kommentare
Franz-Josef Dehenn:
Dieser Vandalismus im Neuwieder-ZOO geht mal gar nicht. Warum hat die Person das nur gemacht ? Ich kann nur hoffen, das man die Person bekommt und diese eine saftige Strafe bekommt. ...
juergen mueller:
Eine Möglichkeit, unserer Gesellschaft Kultur wieder etwas näher zu bringen. Ich glaube, dass wir einen Kulturverlust in unserer Gesellschaft haben. Die Dinge, die uns umgeben, nehmen wir als selbstverständlich wahr und haben uns abgewöhnt, Fragen daran zu stellen. Alleine auf die Frage: "Interessierst...

Brauchtum in Gefahr

aus Oberwinter:
Die von "näher dran" wissen, was da so seit Jahren und Jahrzehnten so (schief) gelaufen ist. Mit Corona hat das nicht viel zu tun. Die Berichterstattung wird oberflächlich gehalten um gewissen Personen nicht zu nahe zu treten. Diese Katastrophe war vorauszusehen - aber nicht abwendbar....
K. Schmidt:
Warum wird in dem Bericht so oft auf Corona hingewiesen? Oberwinter hat über 3.700 Einwohner, plus Potential aus den Nachbarorten. Wenn dann ein Verein dort nur 15 Mitglieder hat, hat das mit Corona doch nix zu tun. Es gibt Traditionsvereine, die zeitgemäß fortbestehen können. Schützenvereine gehören...
Service