Politik | 01.09.2020

Demo des „Wir haben es satt!“-Bündnisses

„Eure Agrarpolitik ist ein einziger Scherbenhaufen“

Die Message: Zukunftsfähige Landwirtschaft braucht eine radikale Wende in der Agrarpolitik

Vor Auftakt des EU-Agrartreffens in Koblenz demonstrierten zahlreiche Landwirte für eine zügige Agrarwende. Fotos: Bernd Hartung/www.wir-haben-es-satt.de

Koblenz. 1200 Menschen demonstrieren am Montag, 30. August, in Koblenz für eine grundlegende Wende in der europäischen Agrarpolitik. Zum Auftakt des EU-Agrargipfels, zu dem Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ihre Amtskolleg*innen an die Mosel einlädt, fordern die Demonstrant*innen die europäische Agrarwende. Angeführt von Bäuer*innen mit Traktoren zogen junge Menschen in Tierkostümen, Imker*innen mit Smokern und Umweltaktivist*innen zum Koblenzer Schloss, wo sie sich lautstark Gehör verschafften.

Aus Protest gegen die fehlgeleitete EU-Agrarpolitik kippten Demonstrant*innen einen gewaltigen Scherbenhaufen vor die Tore des EU-Agrargipfels. Während Julia Klöckner mit ihren EU-Amtskolleg*innen in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle über die Zukunft der Landwirtschaft diskutierte, drückte das „Wir haben es satt!“-Bündnis seine Ablehnung zur bauernfeindlichen und industriehörigen Agrarpolitik aus: 1500 Weinflaschen zerbrachen bei der Aktion – ein Sinnbild für die kaputte gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP). Höfesterben, Tierfabriken, Umweltprobleme – die Politik schaut sich die Krisen in der Landwirtschaft seit Jahren tatenlos an und sorgt mit fehlgeleiteten Subventionen sogar noch für ihre Verschärfung. Eine radikale Wende in der Agrarpolitik – hin zu mehr bäuerlicher und ökologischer Politik – ist unumgänglich.

Derzeit entscheidet sich, wie die 55 Milliarden Euro verteilt werden, die die EU künftig pro Jahr an die Landwirtschaft zahlt. Bei dem EU-Agrartreffen in Koblenz werden die Weichen für die abschließenden Verhandlungen hierzu gestellt. Klar ist: Die pauschalen Flächensubventionen sind nicht mehr zeitgemäß. Bei der aktuellen Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) müssen Klima- und Insektenschutz vorangebracht, der Umbau der Ställe hin zu artgerechter Haltung finanziert und das Höfesterben beendet werden.

Die Flächensubventionen nach dem Motto „Wer viel hat, dem wird gegeben“ befeuern einen massiven Konzentrationsprozess in der europäischen Landwirtschaft. Trotz hunderten Milliar­den Euro an Subventionen – jeder dritte Euro aus dem EU-Haushalt geht an die Landwirtschaft – mussten in der EU zwischen 2005 und 2016 über vier Millionen Bauernhöfe (29 Prozent) ihre Tore schließen. Die übrigen Betriebe bewirtschaften immer größere Flächen. (Quelle: Eurostat, Abb. 5) Von den Subventionen profitieren die, die auf Masse und nicht nachhaltig produzieren. Das muss sich ändern.

Saskia Richartz, Sprecherin des „Wir haben es satt!“-Bündnisses, sagte: „Julia Klöckner und ihre Kolleg*innen haben einen Scherbenhaufen in der Agrarpolitik angerichtet. Sie klammern sich an ein System, das Steuergelder im großen Stil an Superreiche, Tierfabriken und Agrarsteppen verteilt. Mit ein bisschen Nachjustieren ist es nicht getan.“

Christian Rehmer, Leiter für Agrarpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), sagte: „Ministerin Klöckner kann sich jetzt nur noch mit grundsätzlich neuen Ansätzen für mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz retten. Wenn sie jetzt nicht liefert, lässt sie die Bäuerinnen und Bauern komplett bei den notwendigen Umstrukturierungen allein.“

Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), sagte: „Wir müssen das Höfesterben stoppen. Die Agrarpolitik muss sicherstellen, dass artgerechte Tierhaltung und Klimaschutz deutlich gefördert werden. Die Agrar-Subventionen müssen den Umbau der Landwirtschaft in Europa sozial und umweltgerecht gestalten. Die versammelten Minister*innen dürfen die notwendigen Veränderungen jetzt nicht auf Kosten der nächsten Generationen verschleppen.“

Schon am Sonntag demonstrierten zum Auftakt des EU-Agrargipfels mehr als 1000 Menschen in Koblenz unter dem Motto: „Agrarwende anpacken – Steuergeld nur noch für zukunftsfähige Landwirtschaft!“ Im „Wir haben es satt!“-Bündnis sind Bäuer*innen – konventionell wie bio – mit Organisationen aus dem Rest der Gesellschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam setzt sich das Bündnis für eine Landwirtschaft ein, in der die Tiere artgerecht gehalten werden, Umwelt und Klima geschützt wird und die Bäuer*innen faire Preise für ihre Produkte erhalten. Weitere Infos: www.wir-haben-es-satt.de

Pressemitteilung
Bündnis „Wir haben es satt!“

Im „Wir haben es satt!“-Bündnis sind Bäuer*innen mit Organisationen aus dem Rest der Gesellschaft zusammengeschlossen.

Im „Wir haben es satt!“-Bündnis sind Bäuer*innen mit Organisationen aus dem Rest der Gesellschaft zusammengeschlossen.

Was auf diesem Foto bedrohlich anmutet ist der Rauch aus dem Imker-Smoker.

Was auf diesem Foto bedrohlich anmutet ist der Rauch aus dem Imker-Smoker.

Unter anderem kritisieren die Demonstranten die Vergabekriterien für Agrar-Subventionen.

Unter anderem kritisieren die Demonstranten die Vergabekriterien für Agrar-Subventionen.

Vor Auftakt des EU-Agrartreffens in Koblenz demonstrierten zahlreiche Landwirte für eine zügige Agrarwende. Fotos: Bernd Hartung/www.wir-haben-es-satt.de

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
03.09.202012:34 Uhr
juergen mueller

Wer soll etwas auf den Weg bringen, dem für sein Amt die Kompetenz fehlt, Kompetenz und Fachwissen, was beides in der Politik für ein hohes Amt nicht von Nöten ist. LOBBY-JUTTA ist da keine Ausnahme, überfordert in ihrem Amt, genauso wie AKK, die von ihrer Vorgängerin von der Leyen einen Scherbenhaufen übernommen hat, dem diese sich und ihrer Verantwortung durch einen Sprung nach Brüssel entzogen hat. Solange in der Politik Ämter mit einer hohen Verantwortung mit Personen besetzt werden, denen hierfür die Voraussetzungen fehlen, wird sich nichts ändern. In jedem anderen Beruf ist das nämlich nicht möglich. Eine ehemalige WEINKÖNIGIN als Bundeslandwirtschaftsministerin, auch wenn sie vom LANDE kommt, ist die falsche Wahl.

01.09.202016:51 Uhr
Gabriele Friedrich

„Wir haben es satt!“

Das kann man überall laut sagen ! Ich befürchte aber, das Frau Klöckner wieder nichts auf den Weg bringt. Sie kann es einfach nicht und ich hoffe, sie wird irgendwann nicht mehr in diesem Bereich tätig sein. Unfähige Politiker zerstören unser Leben.

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare

Neulich als Einzige(r)

von Gregor Schürer

  • Werner Bergmann: "Gut gebrüllt Löwe"
  • Ein CDU-Mitglied aus Koblenz: Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Wahl! Ich wünsche Ihnen viel Kraft für diese neue Herausforderung! Sie haben uns heute auf dem CDU-Kreistag mit Ihrem „Feuer in den Augen“ voll überzeugt!
  • Boomerang : Ein Problem unserer modernen inclusions Gesellschaft. Einer der die Bestimmungen nicht kennt oder der sie nicht akzeptiert fängt damit an und viele andere folgen dem Negativbeispiel. Abhilfe - Videoüberwachung mit Gesichtserkennung.
Image
Aushilfe gesucht
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Umbau Vulkan Brauerei
Imageanzeige
Umbau Vulkanbrauerei Mendig
49/307639/2366526/4622273
Stellenanzeige Ingenieur/in
Empfohlene Artikel

Mit großer Überraschung haben die Anwohner und regelmäßigen Nutzer des Fußwegs des Moselufers in Moselweiß zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Stadt Koblenz nach einem Beschluss des Stadtrates am 7. November 2025 die Neugestaltung des Uferbereichs mit der Entnahme von bis zu 37 hochgewachsenen Bäumen anstrebt.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Neues Projekt der Kinderfreundlichen Kommune Neuwied rückt Kinderperspektiven in den Fokus

„Check dein Viertel“: Kinder zeigen, wo es hakt

Neuwied. Kinder- und Jugendbeteiligung hat in Neuwied seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert. Mit dem neuen Projekt „Check dein Viertel“ startet die Stadt nun ein weiteres Beteiligungsformat, das jungen Menschen ermöglicht, ihre Stadtteile aktiv mitzugestalten. Den Auftakt macht 2026 Feldkirchen als Pilotgebiet. Anschließend soll das Projekt im Abstand von jeweils eineinhalb Jahren in weiteren...

Weiterlesen

bert-Schweitzer-Realschule plus

Skifahrt-Jubiläum: 10 Jahre Abenteuer

Mayen. Voller Vorfreude trafen sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 8 der Schule, um zusammen mit ihren Lehrkräften Anna Schümmer, Daniel Hastenteufel und Daniel Altenhofen Richtung Schneizlreuth/Berchtesgadener Land auf Skifahrt zu fahren.

Weiterlesen

Stadtverwaltung optimiert Zusammenarbeit mit Ortsbeiräten

Neuwieder Ortsteile stärker im Blick

Neuwied. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit hatte Neuwieds Oberbürgermeister Jan Einig angekündigt, den einzelnen Stadtteilen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Nun stellt die Stadt die Zusammenarbeit mit ihren Ortsbeiräten neu auf. Ziel ist es, die Anliegen der Ortsteile noch stärker in den Mittelpunkt zu rücken und den Austausch zwischen Stadtverwaltung und Ortsvorstehern direkter und wirksamer zu gestalten.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Imageanzeige
Dauerauftrag 2025
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0003#
Titel
Rund ums Haus Daueranzeige
Holz Loth-Entsorgung
Currywurst&verkaufsoffener Sonntag
Integrationskraft
Karneval Ettringen 2026
Titelanzeige
Werbeplan 2026
Dauerauftrag 2026
Imageanzeige Werbeplan 2026
Stellenanzeige Sachbearbeiterin
Stellenanzeige Küchenhilfskräfte