Politik | 16.09.2017

Neuwieder Gruppe von Amnesty International lud zum Kandidatencheck

„Wie hältst Du‘s mit den Menschenrechten?“

Vertreter von SPD, Grünen und Linkspartei diskutierten

Martin Schmitt, Anna Neuhof und Jochen Bülow diskutierten mit Mitgliedern der Amnesty-Gruppen aus Altenkirchen, dem Ahrkreis und Neuwied. Leider musste Martin Diedenhofen die Veranstaltung früher verlassen.  privat

Neuwied. Unter dem Motto „Lasst uns über Menschenrechte reden!“ hatte die Neuwieder Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Vertreter der demokratischen Parteien eingeladen, um mit ihnen im Rahmen eines Kandidatenchecks über Menschenrechte in der Politik zu sprechen. Der Einladung, der ein Briefwechsel mit den Kandidaten vorausgegangen war, folgten die Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der SPD und der Linken aus dem Wahlkreis Neuwied/Altenkirchen und der Kandidat der Grünen aus dem Ahrkeis. Auf Amnesty-Seite waren auch Vertreter der Amnesty-Gruppen aus Altenkirchen und dem Ahrkreis anwesend.

Zu Beginn der Veranstaltung bezeichnete Gruppensprecherin Susanne Kudies die Lage der Menschenrechte in Europa und in Deutschland in bestimmten Punkten als schwierig und mahnte zu mehr Bewusstsein der Menschenrechte in der politischen Arbeit in der kommenden Legislaturperiode. Den Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen ist unantastbar“) solle sich jeder Kandidat immer wieder vergegenwärtigen, wenn er in seiner Arbeit Entscheidungen zu treffen habe.

Im Verlauf der Diskussion stellte sich heraus, dass es bei den Kandidaten in den wichtigsten Punkten Einigkeit über das weitere Vorgehen gab. Viel diskutiert wurden die Forderungen von Amnesty International im Hinblick auf den Kampf gegen Rassismus. Martin Schmitt von den Grünen stellte in diesem Zusammenhang fest, dass auch eine Überforderung der Mitarbeiter in den Behörden durch eine strukturelle Unterbesetzung vorliege. Deshalb auch müssten Wege geschaffen werden, Betreuungsmodelle zu entwickeln, um die Antragsteller auf Behördengängen persönlich zu begleiten und zu unterstützen. So könne im Falle von institutionellem Rassismus gezielter dagegen vorgehen.

Nachhaltige Entwicklungshilfe und Einwanderungsgesetz

Beim Thema Flüchtlingsschutz waren sich die Kandidaten einig, dass dies auch ein verbessertes Vorgehen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklungshilfe beinhalte, diese solle den richtigen Stellen zugeführt werden – aber auch die Aufhebung von Schutzzöllen und auf afrikanische Produkte sei wichtig, damit diese in Europa konkurrenzfähig würden.

Wichtig sei auch, so Jochen Bülow (Die Linke), dass die Europäische Union damit aufhöre, den Menschen auf dem afrikanischen Kontinent die Lebensgrundlage zu entziehen durch Fischfang und Lieferungen von Produkten, die diese selbst herstellen könnten. Er betonte die Notwendigkeit eines fairen Welthandels für alle Staaten Afrikas. Ebenso sei eine bessere Unterstützung des UNHCR notwendig und die Schaffung sicherer Zugangswege durch ein Einwanderungsgesetz, das aber, so Martin Diedenhofen (SPD), nicht nur wirtschaftliche Kriterien, sondern auch soziale Aspekte enthalten sollte, sodass auch die Bewerber eine Chance hätten, die kein Geld und weniger Bildung hätten, aber die Motivation sich in der Gesellschaft zu engagieren. Auch die Frage des künftigen Verhältnisses zur Türkei wurde diskutiert. Dabei stellten die Kandidaten gemeinsam heraus, dass es in Zukunft verstärkt darauf ankomme, die Opposition in der Türkei zu unterstützen um so ein Zeichen der Hoffnung zu setzen, dass die Türkei in Zukunft zu einer demokratischen Staatsform zurückkehren könne. Auch die Menschenrechtsverteidiger, Journalisten und alle, die zurzeit in Haft sitzen, waren Thema der Diskussion.

Terrorabwehr und Recht auf Datenschutz

Ein weiteres wichtiges Thema war die Frage nach Datenschutz und Nutzung von persönlichen Daten zur Terrorabwehr. Manfred Kirsch, Gruppenmitglied in Neuwied, stellte in diesem Zusammenhang die Frage, wie viel Überwachung sinnvoll sei und wie das Recht des Einzelnen auf vertraulichen Umgang mit den Daten im Falle von Überwachung mit Gesichtserkennung gewahrt bleiben solle, und mahnte einen Weg an, der wieder zu mehr Verantwortung im Umgang mit sensiblen Daten führen sollte, insbesondere in Fällen der Datenspeicherung bei Bundesbehörden wie Polizei und Geheimdienst.

Zum Schluss des Gesprächs, in dessen Verlauf alle Kandidaten leidenschaftliche Plädoyers für die Menschenrechte als zentralen Punkt in der politischen Entscheidungsfindung gehalten hatten, versicherten sie den Gruppenmitgliedern von Amnesty International, dass Menschenrechte auch in Zukunft ein wichtiges Thema ihrer Arbeit im Parlament seien, und Anna Neuhof von den Grünen betonte, dass Menschenrechtsbeauftragte bei allen Parteien notwendig seien, und sprach die Querschnittsfunktion der Menschenrechtsfrage in der Politik an. Dann dankte die Gruppensprecherin den Spitzenkandidaten des Wahlkreises Neuwied/Altenkirchen Anna Neuhof (Bündnis 90/ Die Grünen), Martin Diedenhofen (SPD) und Jochen Bülow (Die Linke), aber auch Martin Schmitt ( Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Wahlkreis Ahrweiler-Mayen für ihr Kommen und äußerte Bedauern über die Tatsache, dass die Kandidaten von CDU und FDP nicht teilgenommen hätten.

Auch die Kandidaten der SPD, der Grünen und der Linken äußerten sich dazu und betonten, dass sie gerne mit den Vertretern der CDU und FDP über das Thema diskutiert hätten. Pressemitteilung der

Amnesty-International-Gruppe

Neuwied

Martin Schmitt, Anna Neuhof und Jochen Bülow diskutierten mit Mitgliedern der Amnesty-Gruppen aus Altenkirchen, dem Ahrkreis und Neuwied. Leider musste Martin Diedenhofen die Veranstaltung früher verlassen. Foto: privat

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht
Schulze Klima -Image
Rund ums Haus
Rund ums Haus
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
21

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2288

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
133

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Kreishandwerkerschaft
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht 2026
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Titel
Ostergruß
fit für`s Alter?
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Angebotsanzeige (April)
Anzeige KW 14
Anzeige Lange Samstage
Stellenanzeige