Lokalsport | 31.05.2019, 19:00 Uhr

Auftaktveranstaltung des rheinland-pfälzischen Sport-Inklusionslotsen-Projekts in Mainz

„Mut machen für inklusiven Sport“

Hoch motiviert: die angehenden Sport-Inklusionslotsen mit LSB-Abteilungsleiter Oliver Kalb (l.), LSB-Referentin Laura Trautmann (6.v.l.), LSB-Sport-Inklusionsmanagerin Katharina Pape (6.v.r.) sowie Michael Bergweiler (2.v.l.) und Olaf Röttig (5.v.r.) von der Steuerungsgruppe Inklusion und Matthias Rösch, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung (vorne im Rollstuhl).Foto: M. Heinze
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Mainz. Mut machen für inklusiven Sport und Barrieren in den Köpfen abzubauen: Das ist eine der Hauptaufgaben der angehenden Sport-Inklusionslotsen, die in Rheinland-Pfalz – und dort insbesondere auch im ländlichen Raum – Hemmschwellen zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen abbauen und bessere Vernetzungen schaffen sollen. Das betonte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung, am Samstag bei der Auftaktveranstaltung des rheinland-pfälzischen Sport-Inklusionslotsen-Projekts im Erbacher Hof in Mainz.

„Die Sport-Inklusionslotsen sind vor allem auch Mutmacher“, sagte Rösch, selbst querschnittgelähmt und in seinem Rollstuhl auf Assistenz angewiesen, in seinem Impulsreferat rund um die UN-Behindertenrechtskonvention. Der Behindertenbeauftragte sprach von einem „spannenden Themenbereich“. Aus eigener Erfahrung habe er gemerkt, wie wichtig auch Sport sein könne für ein gemeinsames Miteinander zwischen mit Menschen mit und ohne Behinderung, so der frühere Psychologie-Student der Uni Mainz und aktive Rollstuhlrugby-Spieler.

14 angehende Inklusionslotsen

Die 14 angehenden Inklusionslotsen, die am Nachmittag direkt in den Genuss ihrer ersten von insgesamt drei Schulungen in diesem Jahr kamen, stimmten ihm da zu. Unter den künftigen „Inklusionshelden“ sind Studenten ebenso zu finden wie Lehrer – oder mit der Nieder-Olmerin Kathleen Dollmann eine Frau, die als Physiotherapeutin in einer Werkstatt für Behinderte arbeitet. „Die Eltern sind zum Teil sehr hilflos, weil sie nicht wissen, wer die richtigen Ansprechpartner sind“, schilderte die 38-Jährige, die aus dem Gerätturnen kommt und als Übungsleiterin bei der DJK Nieder-Olm aktiv ist, ihre Erfahrungen.

Manche Eltern nähmen zum Teil Anfahrtswege von 30, 40 oder 50 Kilometern in Kauf – das fände sie ganz schade. Es müsse mehr Angebote im näheren Umkreis geben. Dafür wolle sie sich einsetzen. Dass die Kinder wohnortnah Sport treiben könnten, sei für sie das A und O, so Dollmann.

Mit Olaf Röttig, seit mehr als 18 Jahren Geschäftsführer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Rheinland-Pfalz, und Michael Bergweiler, Geschäftsführer von Special Olympics RLP, sowie Frank Hay als Vertreter von Johannes Bildhauer vom Gehörlosen-Sportverband RLP, waren auch drei Mitglieder der Steuerungsgruppe Inklusion beim Auftakttreffen dabei.

Ängste abbauen

Es gebe sehr viele engagierte Menschen in Rheinland-Pfalz, die das Thema wirklich voranbrächten, urteilte Röttig. Aber es gebe auch heute noch Vereinsvorsitzende oder Übungsleiter, die ihn anriefen, weil das erste Mal ein Kind mit Beeinträchtigung bei ihnen ankomme und sie sich fragten, was sie denn jetzt machen sollten. Inklusionslotsen in den Regionen seien Gold wert, um das Thema voranzutreiben und Ängste abzubauen. Oft sei nämlich kein böser Wille im Spiel, sondern schlichtweg die Furcht, etwas falsch zu machen. Als Ansprechpartner und Helfer könnten die Lotsen wertvolle Dienste leisten. Röttig: „Natürlich ist es meine Hoffnung, dass es irgendwann ganz selbstverständlich ist, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung, dass Alt und Jung, dass alle Menschen zusammen Sport treiben – so weit sind wir aber noch nicht.“

Special Olympics-Geschäftsführer Bergweiler sagte, er würde sich wünschen, dass man vielleicht gar nicht mehr von diesem etwas komplizierten Begriff der Inklusion spreche, sondern besser von Vielfalt – um allen Wünschen gerecht zu werden, die in der Gesellschaft da seien. Wünschenswert sei es zudem, wenn künftig Menschen mit Beeinträchtigung bei Entscheidungsfindungen eingebunden seien. In die Vereine zu gehen, mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu sprechen, Kontakte zu schaffen – das sei in der Verbandsstruktur nicht so gut zu leisten. Und genau hier setzte das innovative Projekt mit einem Gesamtfördervolumen von 200.000 Euro, das ausschließlich in die Finanzierung der Lotsen fließen soll, an.

Tätigkeit startet im Januar

Ab Januar 2020 startet die honorierte Tätigkeit der Sport-Inklusionslotsen in den auserwählten Regionen auf Minijob-Basis. Das große Ziel wird dann sein, die Protagonisten zusammenzubringen und die gegenseitige Expertise zu nutzen. Damit der Westerwald vom Know-how der Südpfalz profitiert oder der Hunsrück von der Eifel lernt – oder umgekehrt. „Was hier in Rheinland-Pfalz passiert, gibt es in dieser Form noch nicht in Deutschland, das ist ein Stück weit einmalig“, schwärmte Michael Bergweiler. Er sei extrem positiv gestimmt, dass das Sport-Inklusionslotsen-Projekt eine erfolgreiche Geschichte werde.

Pressemitteilung Landessport-

bund Rheinland-Pfalz

Hoch motiviert: die angehenden Sport-Inklusionslotsen mit LSB-Abteilungsleiter Oliver Kalb (l.), LSB-Referentin Laura Trautmann (6.v.l.), LSB-Sport-Inklusionsmanagerin Katharina Pape (6.v.r.) sowie Michael Bergweiler (2.v.l.) und Olaf Röttig (5.v.r.) von der Steuerungsgruppe Inklusion und Matthias Rösch, Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung (vorne im Rollstuhl).Foto: M. Heinze

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