Allgemeine Berichte | 11.02.2014

Zeitzeuge Richard Rudolph mit 102 Jahren verstorben

Zivilcourage unter zwei Diktaturen

Richard Rudolph überlebte fünf Konzentrationslager. Stefan Hanke

Wachtberg. Die Wachtberger Gemeinde von Jehovas Zeugen trauert um Richard Rudolf. Am 31. Januar verstarb Richard Rudolf im Alter von 102 Jahren in Koldenbüttel/Schleswig Holstein - nach Auskunft von Dr. Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der letzte Häftling des Aufbaulagers Neuengamme.

Richard Rudolph wurde am 11. Juni 1911 in Rothenbach (Niederschlesien) geboren. Er überlebte die Wirren des 1. Weltkriegs, die Spanische Grippe und die Weltwirtschaftskrise. Aufgrund dieser furchtbaren Erfahrungen suchte er nach Antworten auf die Sinnfragen des Lebens. Dabei stieß er auf Jehovas Zeugen. Als Doppelverfolgter stand Richard Rudolph unter beiden deutschen Diktaturen für seine Überzeugung ein. Dafür verbrachte er insgesamt fast 19 Jahre in Haft, davon allein neun Jahre in fünf verschiedenen Konzentrationslagern.

Kornelia Krone aus der Wachtberger Gemeinde lernte ihn 1998 während eines Besuchs der nachdenklich stimmenden Wanderausstellung „Standhaft trotz Verfolgung - Jehovas Zeugen unter dem NS-Regime“ persönlich kennen. Hierbei berichtete Richard Rudolf als Zeitzeuge über seinen ganz persönlichen Leidensweg. „Es hat mich sehr bewegt zu hören“, so Kornelia Krone, „wie er seinem Gewissen folgend standhaft an seiner religiösen Überzeugung festhielt - auch wenn das für ihn Verfolgung bedeutete.“ Diese begann 1936, als er verhaftet wurde, weil er Bibeln sowie religiöse Literatur von Jehovas Zeugen über die Grenze von Tschechien nach Deutschland geschmuggelt hatte. Im KZ Sachsenhausen wurde er 1939 Augenzeuge der ersten öffentlichen Hinrichtung eines Wehrdienstverweigerers aus Gewissensgründen: des 19-jährigen Zeugen Jehovas August Dickmann.

Er selbst verweigerte ebenfalls den Wehrdienst und entging nur knapp der Hinrichtung. Nach seiner Befreiung setzte Richard Rudolph seine Missionstätigkeit als Zeuge Jehovas in der Sowjetischen Besatzungszone fort.

1950 wurde er in der DDR erneut verhaftet und zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. 1961 gelang ihm die Flucht nach Westdeutschland. „Mir bleibt Richard Rudolf als ein lebensbejahender Mensch in Erinnerung, der enorme Zivilcourage bewies - und das unter zwei deutschen Diktaturen“, meint Kornelia Krone aus Wachtberg.

In den vergangenen 20 Jahren engagierte sich Rudolph im Kampf gegen das Vergessen und gegen die Diskriminierung Andersdenkender. Als rüstiger Zeitzeuge berichtete er noch bis kurz vor seinem Tod im In- und Ausland über seine Erfahrungen als religiös Verfolgter unter beiden deutschen Diktaturen.

Pressemitteilung der Zeugen

Jehovas Bonn-Bad

Godesberg/Wachtberg

Richard Rudolph überlebte fünf Konzentrationslager. Foto: Stefan Hanke

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Dauerauftrag
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Imageanzeige - Dauerauftrag
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Koblenz blüht
Stellenanzeige Kita
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
99

Die Woche vom 20. bis 26. April fällt in eine Phase des spürbaren Übergangs. Der Frühling zeigt sich vielerorts bereits stabil, gleichzeitig wächst die Erwartung auf den Mai. Diese Mischung aus Aufbruch und Ungeduld prägt viele Entscheidungen. In Liebe, Gesundheit und Beruf entstehen Chancen, aber auch Momente der Unsicherheit. Kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf.
53

Im Foyer des Rathauses in der Rosengasse liegt ein Kondolenzbuch aus, in das sich Bürgerinnen und Bürger eintragen können

Stadt Mayen trauert um Mario Adorf

Mayen. Die Stadt Mayen trauert um ihren Ehrenbürger Mario Adorf, der am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Weiterlesen

Pfarrer Jörg Meyrer. Foto: privat
14

Sie ist gerade nicht besonders verlässlich. Kriege, Krisen, harte Worte in der Politik. Vieles ist in Bewegung, manches gerät aus den Fugen. Für uns Erwachsene ist es schon nicht einfach, alles zu verfolgen – und erst recht nicht, alles zu verstehen. Und zu begreifen, warum die Mächtigen ihre Gewalt- und Kriegsspiele treiben. Wie machen Kinder das?

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Anlagenmechaniker
Tag der offenen Tür
Rund ums Haus
SB Standesamt
Stellenanzeige mehrere Stellen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Stellenanzeige Personalreferent/in
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in
Wohnträume
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Werksverkauf Anhausen