Allgemeine Berichte | 06.10.2026, 10:16 Uhr

Jubiläumsfest „125 Jahre Brohltalbahn“

Drei Dampfloks krönten ein rauschendes Festwochenende

Die Ehrengäste vor einer fauchenden Dampflok.
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Brohl. Ende des 19. Jahrhunderts nahmen Überlegungen Gestalt an, das Rheinstädtchen Brohl durch das Brohltal mit Oberzissen und Kempenich zu verbinden. Denn in Brenk und Kempenich wurde vulkanisches Gestein abgebaut, insbesondere Phonolith (wichtig für die Glaserzeugung), Tuffsteine, Bimsstein und Basaltschotter, das über den Rhein besser abtransportiert werden konnte.

Die neugegründete „Brohlthal-Eisenbahngesellschaft“ begann 1898 mit dem Bau der 23,83 Kilometer langen Brohltalbahn.

Die Inbetriebnahme des ersten, 17,5 Kilometer langen Abschnittes von Brohl über Burgbrohl und Oberzissen bis Engeln erfolgte im Rahmen einer Eröffnungsfeier am 14. Januar 1901, die Fertigstellung der Gesamtstrecke bis Kempenich gelang knapp ein Jahr später.

Im Brohler Rheinhafen konnte nun das Gestein aus den Steinbrüchen des Brohltals mittels Kran und Sturzbühne direkt auf Transportschiffe umgeschlagen werden. Der regelmäßige Umschlag der Steinprodukte des Brohltals von der Bahn auf Transportschiffe endete 1995 aus Umweltschutzgründen. Auf Grund des engen Tals wurde die Brohltalbahn als Schmalspurbahn gebaut, also mit einer Spurweite von genau einem Meter, während die Normalspur 1,435 Meter breit ist.

1921 wurden die Landkreise Ahrweiler, Mayen und Adenau neue Hauptaktionäre. Während die Bahn zunächst nur Güter transportiert hatte, wurde sie zunehmend vermehrt zum Personenverkehr genutzt und verband damit die Eifeldörfer und -städte mit dem Rhein.

Ab den 60er Jahren kriselte das Bahngeschäft. 1961 wurde der Personenzugverkehr auf Grund mangelnder Rentabilität und fehlender Fahrzeugen eingestellt, und Busse übernahmen den Personentransport. Auch der Güterverkehr verlagerte sich immer mehr auf die Straße, so dass die Strecke von Engeln nach Kempenich 1974 stillgelegt und die Gleise zwei Jahre später ganz abgebaut wurden. Mit dem letzten verbliebenen Personenwagen und einer Diesellok wurden 1977 mit dem „Vulkan-Expreß“ erstmals Ausflugsfahrten von Brohl durch das Brohltal bis auf die Eifelhöhen bei Engeln angeboten. Dennoch schwebte der „Pleitegeier“ über der Brohltalbahn, so dass sie 1987 ganz stillgelegt werden sollte. Erst mit Gründung der Interessengemeinschaft Brohltal-Schmalspureisenbahn (IBS), ein Zusammenschluss von ca. 100 Eisenbahnfreunden auf ehrenamtlicher Basis gelang es, diese Stilllegungspläne zu verhindern. Für die professionelle Betriebsdurchführung gründete die IBS 1992 die „Brohltal-Schmalspureisenbahn Betriebs-GmbH“, die zusätzlich zum Betrieb der Brohltalbahn deutschlandweit Güter- und Arbeitszugdienste auf Normalspur durchführt. 1995 wurde der bahneigene Busbetrieb als „Ahrweiler Verkehrsgesellschaft“ ausgegliedert, und die Verbandsgemeinde Brohltal wurde neue Mehrheitsgesellschafterin. Seitdem ist die Brohltalbahn eine Erfolgsstory! Mit dem Vulkan-Express werden jährlich ca. 70.000 Personen befördert, und durch den Transport von Gestein aus Brenk, das im Brohler Hafen nun auf LKWs verladen wird, ist die Brohltalbahn die letzte Schmalspurbahn Deutschlands mit Gütertransport.

Die Eröffnung der Brohltalbahn vor 125 Jahren wurde am ersten Oktoberwochenende gebührend gefeiert, und das gesamte Brohltal hatte sich darauf eingestellt und bot ein reichhaltiges Festprogramm. Bereits am Freitag säumten viele hundert Bahnenthusiasten die Rheinanlagen, wo eine wunderbare Eisenbahnwagen-Parade stattfand, angefangen von hand- und motorbetriebenen Draisinen über mächtige Dieselloks bis hin zum Schaulaufen von drei historischen Dampflokomotiven. Neben der eigenen Dampflok 11 SM, die wunderbar restauriert wurde, gab es eine französische Gastlokomotive von 1909 und eine schweizerische Gastlokomotive aus den 1920er Jahren zu bestaunen, dazu ein Feuerwerk am helligsten Tag.

Offiziell eröffnet wurde das Fest am Samstag Vormittag von Stephan Pauly, dem 1. Vorsitzenden der Interessengemeinschaft. Neben Gästen aus Frankreich und der Schweiz konnte er viele Bürgermeister vom Rhein und dem Brohltal begrüßen, dazu die zwei heimischen Landtagsabgeordneten Petra Schneider und Susanne Müller und natürlich Stefan Raab, Geschäftsführer der Brohltalbahn und Prinz Karneval 2023. Nach einem Gläschen Schampus ging es im Vulkan-Express auf die Reise, begleitet von Zugführern und Schaffnern in historischen Uniformen. Der freundliche Zugführer Ulrich Stumm erzählte, dass täglich etwa 60 ehrenamtliche Kollegen im Einsatz seien, um das Fest durchzuführen. Der älteste Personenwagen, eine echte „Holzklasse“, sei aus dem Jahr 1908. Und während die Kollegen der Deutschen Bundesbahn eine Uniform mit goldenen Knöpfen trugen, mussten sich Schaffner und Zugpersonal der sog. Nebenbahnen mit silbernen Uniformknöpfen begnügen.

In Burgbrohl konnten BesucherInnen eine Bahnpost-Verladung erleben, eine Traktoren-Ausstellung betrachten oder in der historischen Kaiserhalle eine Modellbahnausstellung bewundern. Literarisch Interessierte erlebten in Burgbrohl die Präsentation eines neuen Buches zur Geschichte der Brohltalbahn, herausgegeben von der IBS. Auf der Fahrt nach Burgbrohl stiegen manche Gäste bereits am kleinsten Bahnhof Deutschlands „Bad Tönisstein“, oder an der Haltestelle „Schweppenburg“ aus, um in die magische Bücherwelt der „Schmökermühle“ einzutauchen, oder die letzte aktive Getreidemühle, die Mosen-Mühle zu besuchen. In Niederzissen fanden eine Fahrzeugausstellung und eine Schmalspurmodell-Ausstellung statt, während in Oberzissen das wunderbare kleine Weinfest an der alten Schule besucht werden konnte. Vom Bahnhof Engeln wurde eine Wanderung zur Burg Olbrück angeboten, und wen es tiefer in die Eifel zog, konnte mit historischen Bussen Weibern und Kempenich erreichen. Das Kinderprogramm konzentrierte sich auf den Betriebshof neben der Lokhalle. Hier drehte sich eine Minieisenbahn mit den kleinen Gästen im Kreis, während größere Kinder eine Draisinenfahrt probieren durften oder am Feuerwehrstand löschen lernten. Die Erwachsenen hatten die Möglichkeit, im Lokschuppen alte Eisenbahnbüchern zu durchblättern, ein Glas Wein zu genießen und der betörenden Musik des Saxophonisten Thilo Willach zu lauschen.

Der Besucherandrang war immens, zumal Gäste aus ganz Deutschland angereist waren. Und Alle waren begeistert, seien es die vielen Hobbyfotografen, die jeden Bahnhof und jede Brücke belagerten, um die fauchenden Stahl-Ungetüme bildlich festzuhalten, bis zu den Kindern, die staunend die Technik einer vergangenen Zeit bewunderten.

Der Interessengemeinschaft und ihren vielen ehrenamtlichen Helfern ist es gelungen, ein wunderbares regionales Festwochenende durchzuführen, das für Jung und Alt keine Wünsche offen ließ. Und so mögen der Brohltalbahn noch viele erfolgreiche Jahre beschert werden. AKS

Die Fahrt mit einer Draisine machte viel Spaß.

Die Fahrt mit einer Draisine machte viel Spaß. Foto: AKS

Die imponierende Dampflokomotive 11 SM der Brohltalbahn.

Die imponierende Dampflokomotive 11 SM der Brohltalbahn. Foto: AKS

Die Ehrengäste vor einer fauchenden Dampflok. Foto: AKS

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