Optimismus nach der Flut: Trotz großer Schäden wird bei Bella Vita Frauen-Fitness wieder trainiert

Das schöne Leben kehrt nach Walporzheim zurück

03.03.2022 - 11:01

Walporzheim. Eigentlich ist in der Walporzheimer Straße 125 alles wie immer: Im Bella Vita Frauen-Fitness wird gepowert und trainiert, an Kondition und Kraft gearbeitet. Und das an topmodernen Geräten auf einem frisch polierten Boden. Wer das Fitnessstudio, das speziell auf weibliche Kunden ausgerichtet ist, heute betritt, sieht kaum noch die Spuren der Juliflut 2021. Doch bis dahin war es ein ziemlich weiter Weg, sagen Geschäftsführer Lucas Lindner und seine Schwester Nathalie Lindner, die die Reha-Abteilung leitet. Pünktlich nach einem halben Jahr ging der Betrieb weiter und am Valentinstag stieg die Wiedereröffnung. Heute sitzen die beiden recht entspannt im Eingangsbereich, die Kids von Nathalie Lindner spielen fröhlich mit Sitzkissen.


Walporzheim war von der Katastrophe besonders betroffen und auch das Fitnessstudio kam nicht ohne Schaden davon. „Etwa 30 bis 40 Zentimeter stand hier das Wasser“, blickt Lucas Lindner zurück. Das mag sich in Anbetracht meterhoher Wasserstände an anderen Stellen des Ahrufers wenig anhören – für einen kapitalen Flurschaden hat es dennoch gereich. Immerhin ist der Eingangsbereich des Studios um etwa einen Meter erhöht, und das linderte ein wenig das Ausmaß der Zerstörung. Aber der Boden musste komplett raus, Wände mussten neu gemacht werden. Auch das Solarium und die Sauna wurden vollständig zerstört. Und der Keller? Nathalie und Lucas Lindner winken ab. Da es sich bei dem Gebäude um ein altes Weinlager handelt, sind die Kapazitäten des Kellers entsprechend groß und bot vor der Flut Raum für alte Weinbergswerkzeug, noch ältere Regale und jede Menge Schlamm. Das Aufräumen machten die Lindners zur Gemeinschaftsarbeit. „Uns haben sehr viele Leute geholfen. Freunde, Verwandte, Kunden – alle haben mitangepackt“, sagt Nathalie Lindner. Natürlich halfen auch die Beiden kräftig mit. Tatsächlich sah es bereits nach wenigen Wochen wieder manierlich aus. Das Helfen ging aber weiter. Kurzerhand wurde das Fitnessstudio in ein Spendenlager umgestaltet. Dort gab es alles, was nach der Flut dringend benötigt wurde, von der Babynahrung bis zum Putzgerät.

Irgendwann, nachdem das erste Chaos beseitigt wurde, arbeiteten Lukas Lindner und sein Team dann wieder in Richtung Zukunft. „Ob wir weitermachen, haben wir uns gar nicht gefragt“, so der Geschäftsführer. „Wir sind ja noch jung“, lachen die Lindners. Das Geschäft haben sie übrigens Mitte 2016 eröffnet. Passend zum Fünfjährigen kam dann die Flut. Und auch die Zeit davor war nicht leicht. „Wir hatten wegen der Corona-Pandemie sieben Monate geschlossen,“ beschreiben sie die harte Zeit. Jetzt stehen aber die Zeichen wieder auf Optimismus. „Wir sind total froh, dass wir weitermachen können“, so die Beiden unisono. Bei Bella Vita wurde auch aus der Not eine Tugend gemacht. Die Flutschäden nutzten sie für Renovierungen. So sind die Sanitäranlagen beispielsweise besser als vorher. Dass der Auf- und Umbau recht zügig voran ging, ist vor allem der Versicherung zu verdanken. Auch die Soforthilfe des Kreises Ahrweiler kam schnell.

Alles ist jedoch noch nicht ersetzt. Solarium und Sauna sind noch in der Mache. Aber immerhin kann wieder trainiert werden. Denn die Sportgeräte sind aus robustem Edelstahl und Elektronik ist kaum vorhanden. Die Geräte waren also flott wieder einsetzbar.

Die Kundinnen sind übrigens glücklich, dass ihr Stamm-Fitnessstudio wieder geöffnet hat. „Wir haben total viele Geschenke zur Wiedereröffnung bekommen“, sagt Nathalie Lindner glücklich. Ein Fitnessstudio hat auch eine soziale Komponente. Die Besucherrinnen treffen sich dort, tauschen sich aus, man unterhält. Dass noch nicht alles wie aus dem Ei gepellt aussieht, ist dabei herzlich egal. Viel wichtiger ist: Ein Stück (schönes) Leben ist nach Walporzheim zurückgekehrt.

ROB

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