Politik | 09.05.2022, 09:16 Uhr

Wissenschaft und Praxis am RheinAhrCampus im Austausch

Neue Brücken für das Ahrtal

Remagen. 115 Brücken gibt es entlang der Ahr von der Quelle im Blankenheim in Nordrhein-Westfalen bis zur Mündung in Sinzig am Rhein im Kreis Ahrweiler. 60 Prozent der Überführungsbauwerke wurden von der Naturkatastrophe im Juli 2021 schwer beschädigt oder komplett zerstört. Die meisten davon im Kreis Ahrweiler. Wie können die Brücken im Ahrtal schnell, zukunftssicher und der Landschaft angepasst wieder aufgebaut werden? Darüber diskutierten jetzt auf Einladung des Kompetenznetzwerkes „Wissenschaft für den Wiederaufbau“ der Hochschule Koblenz rund 50 Bauingenieure, Architekten, Landschaftsplaner, Vertreter des Landes, des Kreises der Kommunen sowie Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachrichtungen am RheinAhrCampus Remagen der Koblenzer Universität. Das Ziel: Planungs- und Genehmigungsverfahren möglichst verkürzen sowie Bauzeiten beschleunigen. Debattiert wurde aber auch die Frage, wie neue Brücken dem identifizierenden Charakter für Straßen und Dörfer im Ahrtal gerecht werden können. Dabei wird das Ahrtal als Modellregion betrachtet, um künftig Themen wie Klimaanpassungen und Digitalisierung bei der Weiterentwicklung von Regionen mitzudenken. Und um vorbereitet zu sein auf vergleichbare Krisen.

„Der heutige Workshop zeigt, wie wichtig es ist, die komplexen Herausforderungen des Wiederaufbaus gemeinsam unter Einbindung der Wissenschaft anzugehen. Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der Krisenfolgen, sondern um neue Vorgehensweisen und innovative Konzepte für eine krisenresiliente Entwicklungsplanung“, stellte Wissenschafts- und Gesundheitsminister Clemens Hoch am Ende der Arbeitstagung fest. Er hatte einen Förderbescheid über 130 000 Euro für das Jahr 2022 dabei. Damit unterstützt das Land die Geschäftsstelle des Kompetenznetzwerks. Wir wollen unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen in den Wiederaufbauprozess einbinden“, so Hoch.

Expertisen gebündelt

Das Kompetenznetzwerk „Wissenschaft für den Wiederaufbau“ hat sich auf Initiative des Ministeriums und der Hochschule Koblenz konstituiert. Es bündelt die Expertise der Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen zur wissenschaftlichen Begleitung des Wiederaufbaus und der nachhaltigen Entwicklung der flutgeschädigten Regionen. Die Geschäftsstelle des Netzwerks ist am RheinMoselCampus der Hochschule Koblenz angesiedelt und verfügt über ein weiteres Büro am RheinAhrCampus Remagen, um auch direkt vor Ort im Ahrtal präsent zu sein. Das Land fördert das Projekt zunächst bis 2024 mit insgesamt 307 500 Euro.

Die Arbeit der Wissenschaftler geht weit über den Brückenbau hinaus. „Wir möchten die betroffenen Gemeinden nicht nur mit fachlichem KnowHow begleiten, sondern bei richtungsweisenden Fragestellungen Entscheidungshilfen geben“, so Prof. Ulrike Kirchner, Geschäftsführerin des Kompetenznetzwerks. Dazu gehöre etwa die Entwicklung zukunftsbezogener Leitbilder für die Orte und für die gesamte Region, welche neue Identitäten ermöglichen, aber auch an Altes anknüpfen. Auch stelle sich die Frage nach einem verträglichen und zukunftsfähigen Wiederaufbau: „Wie können beim Wiederaufbau Aspekte der Klimaanpassung, einer neuen Mobilität und eines respektvollen Umgangs mit dem Naturraum berücksichtigt werden? Wir bieten den Kommunen und Kreisen gerne an, sich mit entsprechenden Aufgaben- und Fragestellungen an die Geschäftsstellen zu wenden.“

Wichtiger Austausch

Für Prof. Dr. Lothar Kirschbauer, wissenschaftlicher Leiter des Kompetenznetzwerks, ist der Workshop, der einen wichtigen Austausch ermögliche, ein Baustein im Puzzle für eine Zukunftsregion Ahr: „Aus Terminen im Ahrtal nehme ich immer wieder mit, dass es viele einzelnen Ideen und Initiativen gibt, dass aber eine unabhängige Abstimmung untereinander oder ein Input oder eine Begleitung durch die Wissenschaft fehlt.“ Es gebe einzelne Bereiche, wo dies zwar gut funktioniere, aber es fehle ein Gesamtkonzept für eine mögliche Zukunftsregion Ahr: „In diesem Gesamtkonzept sollten sich dann alle Interessen wie etwa Nachhaltigkeit, Tourismus und Mobilität wiederfinden und gegenseitig stärken.“

Weitere Informationen zum Kompetenznetzwerk finden sich unter www.hs-koblenz.de/wfdw.

Pressemitteilung

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Wiederaufbau Ahr

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