Die Heizungs- und Warmwasserhilfe Aht sucht weitere Bedürftige und Förderer

Ahrtal: Initiative hat bereits 50 Gasheizungen eingebaut

Ahrtal: Initiative hat bereits 50 Gasheizungen eingebaut

Ralf Kirchner (l.) und Klaus Murmann, zwei Mitglieder der Heizungs- und Warmwasserhilfe Ahr, schließen in Bad Bodendorf eine Gasheizung an, die in einen Container eingebaut wurde. Foto: privat

28.01.2022 - 13:43

Kreis Ahrweiler. Im normalen Leben, also von Montag bis Donnerstag, kümmert sich Klaus Murmann um Heizungen, Klima- und Sanitäranlagen in den Gebäuden der Stadt Euskirchen. Freitags und samstags hingegen leistet der Rheinbacher dann Fluthilfe im Ahrtal. Murmann wohnt dort zwar nicht im Tal der Trauben, aber er verbindet seit Jahrzehnten Positives mit ihm. Früher war der Vater von zwei erwachsenen Söhnen sowie einer schulpflichtigen Tochter im Sommer häufig mit seiner Familie an der Ahr und auf den Höhen unterwegs. Klaus Murmanns Lieblingswanderstrecke führt von Altenburg zum Steinerberghaus. „Der Blick von dort oben ersetzt fast einen Urlaub in den österreichischen Alpen“, sagt er und lächelt. Nach der Flut vom Juli 2021 war deshalb für ihn klar, dass er im Ahrtal mit anpackt. Murmann sagt: „Wichtig ist, Menschen, die helfen wollen, mit ihren Stärken an den richtigen Stellen einzusetzen“. Deshalb fragte er bei Thomas Lüdemann nach, wie er seine Berufserfahrungen am besten einbringen kann, um nicht-versicherten Flutbetroffenen ehrenamtlich zu helfen. Der gelernte Gas- und Wasser-Installateur und Ingenieur aus Remagen hatte nämlich kurz zuvor die Heizungs- und Warmwasserhilfe Ahr ins Leben gerufen. Von einer Bonner Wohnungsbaugesellschaft konnte er ein größeres Kontingent ausgedienter, aber noch voll funktionstüchtiger Heizungen übernehmen. Inzwischen haben Murmann und Lüdemann zusammen mit den fast zwei Dutzend weiteren Mitgliedern ihres Hilfenetzwerks ehrenamtlich 50 provisorische Heizungen in flutgeschädigte Häuser eingebaut oder sie auf Anhängern oder in Containern neben Häusern aufgestellt, ans Erdgasnetz oder an Flüssiggastanks und an das Rohrleitungsnetz in den Häusern angeschlossen.


Der Ablauf einer solchen Hilfsaktion ist immer der gleiche. Es beginnt damit, dass Murmann und Lüdemann Kontakt zu Eigentümern oder Bewohnern von flutgeschädigten Häusern aufnehmen, bevor sie sich vor Ort die Verhältnisse anschauen, eine geeignete Heizung auswählen, den Bedarf an Kupferrohr, Schläuchen, Kabeln und Kleinteilen ermitteln und die Arbeitseinsätze der meist aus zwei Heizungsmonteuren bestehenden Trupps koordinieren. Matthias Sterz aus Meschede und auch Michael Nüsser kommen immer wieder ins Ahrtal. Beide sind erfahrene Heizungs-Kundendienstler. Sie setzen die gebrauchten Heizkessel wieder in Stand, sodass sie den Vorschriften entsprechen und sicher betrieben werden können. Sie hauchen Oldies also wieder neues Leben ein. Viele Aktivitäten dokumentiert Matthias Sterz über Facebook. Sterz sucht dort auch nach Menschen, die noch Hilfe benötigen. Außer ihm engagieren sich bei der Heizungs- und Warmwasserhilfe auch Ralf Kirchner, Inhaber eines Ingenieurbüros in Westum, die in der Nähe von Gummersbach wohnenden Brüder Joseph und Elija Reucker, Dirk Dolff aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, Mitglied der Initiative „Handwerker helfen Hochwasserbetroffenen“, und Kurt Lange, ein Heizungsbauer im Ruhestand aus Langwedel bei Bremen. Er besorgt sich am Hamburger Hafen ausgediente Container, in die er gebrauchte Heizkessel mit Warmwasserbereitung eingebaut, bevor er dafür sorgt, dass sie ins Ahrtal gebracht werden. Vor wenigen Tagen erst ließ er zwei Anlagen mit einem Traktor an die Ahr fahren und in privaten Wohnhäusern in Ahrbrück und Bad Bodendorf anschließen.

Was die Mitglieder des Hilfenetzwerks eint, ist „der Wunsch, Menschen im Flutgebiet zu helfen, die immer noch im Kalten sitzen, insbesondere Familien mit kleinen Kindern, Ältere und Kranke“, sagt Murmann. Wichtig sei aber auch, dass die entkernten Gebäude trocknen. Um weitere Schäden zu vermeiden, müssten sie vor und während des Wiederaufbaus geheizt werden, bevor sie dann bezogen werden können. Jeder, der noch eine Heizung mit Warmwasserbereitung, gegebenenfalls als Übergangslösung, benötigt, kann sich bei der Initiative melden. Sehr erwünscht sind auch gebrauchte Heizkessel und Gasthermen sowie Spendengelder für den Kauf von Material. Denn um eine Heizung anzuschließen, ist Material im Wert von 400 bis 500 Euro nötig.

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