Allgemeine Berichte | 23.08.2021, 10:46 Uhr

Die Kultbäckerei Schmitz in Ahrweiler hat das Hochwasser übel erwischt – Weitermachen möchten sie trotzdem

Bäcker in Ahrweiler: „Wir bauen wieder auf!“

Gelebte Bäckertradition in Ahrweiler: Jan-Phlipp, Jürgen und Petra Schmitz. Foto: ROB
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Ahrweiler. Jürgen, Petra und Jan-Philipp sitzen an dem Esstisch ihres Wohnhauses in der Niederhutstraße und machen etwas, das angesichts dessen Zustandes manchem Betrachter durchaus seltsam vorkommen mag. Sie schmunzeln. Und lachen über kleine Anekdötchen, zum Beispiel, wie gut ein Frankfurter Kranz schwimmen kann. Das Drumherum will nicht recht stimmen: Das Erdgeschoss gleichteinem Trümmerfeld „Aber,“ bringt es Jürgen Schmitz auf den Punkt, „was bleibt einem auch anderes übrig, als ab und zu auch mal lachen?“

Schwere Schäden in der Backstube

Das Hochwasser des 15. Juli traf auch die Bäckerei im gleichen Gebäude mit voller Wucht. Die Verkaufsräume: Rausgerissen. Die Backstube: Plattgemacht. Und dennoch herrscht dieser unfassbare Optimismus bei Schmitzens. Denn sie haben sich etwas vorgenommen: „Wir werden weitermachen!“ Das stand praktisch schon in der Flutnacht fest, trotz des verheerenden Flurschadens. Schnell wurde der Familie bewusst, dass vieles kaputt ist, aber nicht alles. „Der Ofen war natürlich hin,“ sagt der Bäckermeister Jürgen Schmitz. „Aber die Kühlmaschinen haben das Wasser überstanden.“ Generell wurde auch Jan-Philipp schnell klar, das es weitergehen wird und auch muss. Er möchte den Laden schließlich irgendwann schmeißen und in die Fußstapfen seines Papas treten. „Ganz das Zepter aus der Hand gehen werd´ ich aber nicht“, schiebt Jürgen Schmitz klärend, aber schmunzelnd, hinterher.

Anpacken statt Schockstarre

Natürlich gab es auch eine Schockstarre, wie überall. Eine Flut diesen Ausmaßes habe schließlich niemand für möglich gehalten. Doch die legte sich schnell, als fest stand, dass die Versicherung einspringt. Der entsprechende Fachmann wurde schon morgens kontaktiert und konnte die Handwerkerfamilie beruhigen. „Da fällt schon einiges an Anspannung ab,“ weiß Petra Schmitz. Und dann waren da noch die Massen von Helfern, die der Familie Schmitz unter die Arme griffen. Allen voran: Die Rheinveilchen aus Köln, eine der erfolgreichsten Tanzgruppen im kölschen Karneval. In der Truppe ist auch Tochter Irena aktiv. „Die haben so super gearbeitet, das gibt’s gar nicht“, blickt Jürgen Schmitz auf die Tage nach dem Unglück zurück. Das Haus war also vergleichsweise schnell entkernt, nun laufen die Bautrockner auf Hochbetrieb – so wie überall in Ahrweiler. Für ihre Mitbürger haben Schmitze nur nette Worte. „Toll, wie die Ahrweiler zusammenhalten.“

Neuanfang schon im November?

Aber wie geht’s weiter? Wenn alles wieder gut geht, sollen im November und Dezember die Türen der Bäckerei wieder öffnen. Und in Bachem und Ramersbach stehen zwei weitere Verkaufsläden, die nicht kaputt sind. Hier geht es weiter, sobald der Ofen kommt. Gebacken werden Brötchen, Brote und Croissants nämlich in Ahrweiler. Bis das neue Gerät geliefert wird, dauert es gut und gerne 20 Wochen. Genug Zeit also, um die Wiedereröffnung zu planen. Auch die anderen notwendigen Maschine wurden schon eingekauft. Außerdem wird darüber nachgedacht mit einem Verkaufswagen die Kunden zu bedienen. Kurzum: Die Zeichen bei Schmitz stehen gut. Dem Optimismus sei dank, betrachtet man die Zerstörung sogar als Chance. „Wir brauchten sowieso einen neuen Ofen“, sagt Jan-Philipp. Denn der alte wurde in den 1980ern installiert war technisch etwas überholt. Somit wurde aus der Not eine Tugend gemacht.

Wenn alles gut geht, kann die beliebte Bäckerei mit ihrem Angebot von Rotweinprinten bis hin zum Schützenbrot bald wieder das Geschäft öffnen. Ob es dann auch wieder Frankfurter Kranz geben wird? „Klar, nur schwimmen braucht er nicht noch mal!“, ist man sich einig. ROB

Gelebte Bäckertradition in Ahrweiler: Jan-Phlipp, Jürgen und Petra Schmitz. Foto: ROB

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