Allgemeine Berichte | 30.03.2023, 08:53 Uhr

Rotwildring Ahrweiler mit neuer Führung: Christian Möllers folgt auf Ralf Mocken

Die Landrätin antwortet nicht

Blick in die Hauptversammlung des Rotwildringes Ahrweiler in der Kempenicher Leyberghalle.  Fotos: GS
598

Kreis Ahrweiler. „Es ist eine wesentliche Aufgabe der Jagd, einen unserer Landeskultur angepassten, artenreichen und gesunden Wildbestand zu erhalten. Das sagte Kreisbeigeordneter Horst Gies vor den Mitgliedern des Rotwildringes Ahrweiler in der Kempenicher Leyberghalle. Der Rotwildring ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts unter Vorsitz von Rolf Mocken der Zusammenschluss der Rotwildhegegemeinschaften im Kreis Ahrweiler mit den Vertretern aus rund 140 Revieren. Gerade die Rotwildbejagung im Kreis Ahrweiler, der zu mehr als 50 Prozent aus Wald besteht, sei für die Erhaltung des ökologischen Gleichgewichts von besonderer Bedeutung. Wobei die Jäger vielfach den Spagat zwischen den Interessen der Land- und Forstwirtschaft und ihrem Verständnis für den Erhalt der Natur, in welcher gerade auch das Rotwild seinen Platz haben müsse, zu bewältigen hätten.

Abschusszahlen

Die Abschusszahlen seien seit dem Rekordergebnis des Jagdjahres 2017(2018 mit 1725 Stücken Rotwild stetig gesunken. Aktuell seien für das Jagdjahr 2022/2023 insgesamt 1347 Abschüsse gemeldet worden. Parallel dazu habe sich die Anzahl der Reviere, in denen ein behördlicher Abschussplan aufgrund einer erheblichen Gefährdung der waldbaulichen Betriebsziele durch Rotwild notwendig sei, reduziert: In den vergangenen fünf Jahren von 26 auf nur noch neun.

Das sei auf die Anstrengungen der Jäger zurückzuführen, die hohe Rotwilddichte in Teilen des Kreises Ahrweiler zu reduzieren, sagte Gies, der auch Vize der Kreisgruppe im Deutschen Jagdverband ist. „Es wird aber auch in Zukunft in einigen Revieren erforderlich sein, Mindestabschusspläne anzuordnen, um den Rotwildbestand weiter abzusenken“, so der Landtagsabgeordnete aus Ahrweiler.

Zur Kontrolle der Abschüsse dient aktuell der sogenannte körperliche Nachweis, heißt: Das erlegte Wild muss von offizieller Seite in Augenschein genommen werden. Das sei Aufgabe von ehrenamtlichen Vertrauenspersonen, was mit viel Einsatz und Aufwand sowie oft weiten Fahrstrecken zu den Revieren verbunden sei. Zu Entlastung der Vertrauenspersonen habe daher die Untere Jagdbehörde im Ahrweiler Kreishaus empfohlen, die Kontrollen in den von Mindestabschussplänen betroffenen Revieren auf 30 Prozent des jeweils festgesetzten Abschusses zu beschränken.

Ein Umstand, der Mocken als Chef des Rotwildringes auf den Plan bringt. Denn die Reduzierung der Kontrollen durch den Kreis sei ohne Abstimmung mit Kreisjagdmeister Stephan Schuck oder den Hegegemeinschaften erfolgt. Mocken: „Die Hegegemeinschaften halten einen hundertprozentigen Nachweis für äußerst sinnvoll und wollen diesen auch beibehalten.“ Gerade in den Revieren mit Mindestabschussplänen sei doch die waldbauliche Situation nicht zufriedenstellend. Und dort solle nun der Nachweis so aufgeweicht werden, dass man ihn auch ganz abschaffen könne.

Zweifel an Kreishausplänen

Mocken bezweifelte vor der Hauptversammlung des Rotwildrings deutlich die Sinnhaftigkeit der Pläne aus dem Kreishaus, hätten sich die Jäger doch gerade durch den vollständigen Nachweis viel Vertrauen erarbeitet. Reaktion aus dem Kreishaus: null. Entsprechende Schreiben an Landrätin Cornelia Weigand seien „völlig ohne jede Reaktion“ geblieben. Daher galt Mockens Bitte in Richtung des Kreisbeigeordneten Gies, „bei der Landrätin noch einmal vorzusprechen und unser Anliegen zu überbringen“.

Mocken sieht die Mitglieder des Rotwildringes in der Pflicht, „auch weiterhin für einen angepassten Wildbestand zu sorgen“. Doch bei allen Bemühungen müsse aber auch festgehalten werden, dass die durch Trockenheit und Borkenkäfer abgestorbenen und abgeholzten Flächen eine massive Veränderung in vielen Revieren eingetreten sei, die die Jagdausübung teilweise extrem erschwerten. „Wir alle leider wissen, dass dieser Prozess noch lange nicht vorbei ist“, ging der Vorsitzende auf den Klimawandel ein.

Anwalt und Autor

Dem Wandel der Jagd von Ötzis Bogen bis zum heutigen Nachtsichtgerät widmete sich der Gastvortrag von Dr. Florian Asche unter dem Thema „Jagd und Technik“. Seine klare Position: Ethik und Eigenverantwortung seien durch nichts zu ersetzen, erst recht nicht durch Hightech und Künstliche Intelligenz. Asche ist Anwalt, Autor und gehört der Stiftung Wald und Wild im Mecklenburg-Vorpommern an.

Apropos ersetzen: Zum Finale der Hauptversammlung des Rotwildringes gab Ralf Mocken nach zehn erfolgreichen Jahren dessen Führung ab. Sein Nachfolger ist der 45-jährige Kölner Christian Möllers. Unterstützt wird er im Vorstand auf forstlicher Seite von Winand Schmitz vom Forstamt Adenau sowie den Beisitzerinnen Dr. Gitta Werner und Verena Jansen. Die Interessen der Eigenjagden vertritt Henrik Cloppenburg. GS

Wachwechsel: Vorsitzender Ralf Mocken (links) mit Nachfolger Christian Möllers.

Wachwechsel: Vorsitzender Ralf Mocken (links) mit Nachfolger Christian Möllers.

Dr. Florian Asche bei seinem Gastvortrag.

Dr. Florian Asche bei seinem Gastvortrag.

Jagdhornsignale umrahmten die Versammlung in Kempenich.

Jagdhornsignale umrahmten die Versammlung in Kempenich.

Blick in die Hauptversammlung des Rotwildringes Ahrweiler in der Kempenicher Leyberghalle. Fotos: GS

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Die neue Brücke in der Beckenkampstraße, die über die darunterliegende Bahnstrecke führt, ist seit wenigen Tagen für den Fuß- und Radverkehr freigegeben.
30

Die Fuß- und Radwegebrücke in der Beckenkampstraße im Koblenzer Stadtteil Horchheim wurde kürzlich nach einem umfangreichen Neubauprojekt wiedereröffnet. Die ursprüngliche Bogenbrücke aus dem Jahr 1914 war im Herbst 2022 abgerissen worden, um Platz für den modernen Ersatzbau zu schaffen. Während der Bauphase mussten technische Anpassungen vorgenommen werden, die den Zeitplan beeinflussten und die Nutzung der Bahnsperrpausen veränderten.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Monatliche Anzeige
Imageanzeige
Martinsmarkt Adendorf
Sessionseröffnung der KG Ringener Wendböggele, 14.11.26
Imageanzeige
Anzeige Jubiläumsaktionen
Weitere Artikel
Links: Straßenschild Rheinstraße, Mitte: Nostalgisches Bild der Rheinstraße/Vater Rhein (vom Stadtmuseum Andernach), Rechts: Frau Grafen heute
856

Andernach. Wenn Christina Grafen von ihrer Zeit in der Andernacher Rheinstraße erzählt, klingt es fast so, als würde man für einen Moment die Musik von damals wieder hören. Tanzflächen voller Menschen, mehrere Theken, an denen die Getränke ausgeschenkt wurden, ausgelassene Stimmung und mittendrin sie – meistens hinter dem Tresen, wo es selten ruhig zuging.

Von Dilara Köksal aus Andernach

Weiterlesen

v.l.n.r.: Daniel Phiesel, Christel Engeland, Stefan Raetz, Marcel Richter, Martin Warkentin
313

Rheinbach. Die Bürgerstiftung „Wir für Rheinbach“ hat auch für 2027 wieder einen Rheinbach-Kalender herausgebracht. Die Vorstände Bürgermeister Dr. Daniel Phiesel und Marcel Richter: „Der Bildkalender erfreut sich auch in der 13. Auflage großer Beliebtheit und zeigt wieder interessante Rheinbacher Motive.“ Mit Martin Warkentin hat die Bürgerstiftung erneut einen jungen Fotografen aus Rheinbach gefunden, der mit einem eigenen Blick auf die Rheinbacher Motive schaut.

Von Stefan Raetz aus Rheinbach

Weiterlesen

Karate Dojo Kitai Dieblich
198

Dieblich. Am 25. Oktober 2026 stand beim Karate Dojo Kitai aus Dieblich nicht nur der Sport im Mittelpunkt, sondern vor allem der gute Zweck. Unter dem Motto „100 Kata“ stellten sich rund 50 bis 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene einer besonderen sportlichen Herausforderung. Gleichzeitig wurden Spenden für einen guten Zweck gesammelt.

Von Jens Mentges aus Koblenz

Weiterlesen