Allgemeine Berichte | 30.10.2020, 15:15 Uhr

Musiker aus der Eifel produzieren Song über Schicksal von schwer erkranktem Freund

Eifeler Jungs halten zusammen

Mutter Rita Hellenthal zusammen mit Lukas Hellenthal und Dominic Sanz am Bett von Simon Hellenthal. Foto: CF

Freilingen/Ohlenhard. Zusammen haben Lukas Hellenthal und sein Cousin Simon aus Freilingen schon jede Menge erlebt. Die Freundschaft war immer das Wichtigste, obwohl Simon Hellenthal bereits in jungen Jahren ein schwerer Schicksalsschlag ereilte. Plötzlich konnte Simon nicht mehr wie die anderen Kinder die Treppen heraufkommen und auch die Arme ließen mit der Zeit immer mehr nach. Die Diagnose: Simon leidet an Duschenne-Muskeldystrohie (DMD), einer muskulären Erbkrankheit. Mittlerweile hat die Krankheit dazu geführt, dass der 28-Jährige beatmet und intensivpflegerisch betreut werden muss. Das alles ist für Simon kein Grund, den Lebenswillen aufzugeben und den Kopf sprichwörtlich in den Sand zu stecken. Simon Hellenthal ist im ganzen Ort bekannt, nimmt dort, wo es geht, aktiv am Dorfgeschehen teil und engagiert sich für die komplette Gemeinde so z.B. auf der Homepage „Wir in Freilingen“.

Dieser ungetrübte Lebensmut war für Lukas Hellenthal und seinen Freund Dominic Sanz Grund genug, diesem ein eigenes Lied zu widmen. Dominic Sanz, selbst Berufsmusiker und Sänger bei den Söhnen Mannheims, ist ein langjähriger Wegbegleiter und Freund von Simon. Aus einer Bierlaune heraus war die Idee eines Songs über Simons Schicksal entstanden.

„Quasi mit Katerstimmung haben wir angefangen an dem Lied zu arbeiten“, erklärt Dominic Sanz. Lukas verlor keine Zeit und setzte sich bereits einen Tag später an den Text. Am Wochenende darauf trafen sich die Beiden, um gemeinsam an Melodie und Text zu feilen.

„Das war ein sehr sehr gutes Zusammenspiel von uns“ erklärten die Liedermacher übereinstimmend. Angesprochen auf die Idee von Lukas zeigte sich Simon sichtlich überrascht: „Da war ich erstmal positiv erschlagen!“

Zunächst wurde eine kleine Demo zu Hause aufgenommen, ehe Lukas Hellenthal später den Kontakt zum Musikproduzenten Oliver deVille in Ohlenhard suchte. Auf das Projekt von Lukas und Dominic angesprochen, sicherte dieser auch seine Unterstützung zu. An einem Samstag wurde der Song mit dem Titel „24 Zoll“ in dem hochprofessionellen Studio am Rande der Verbandsgemeinde Adenau innerhalb weniger Stunden aufgenommen.

Das passende Musikvideo drehte man später in der Garage von Dominic Sanz, woran nicht nur Simon Hellenthal und die beiden Singer-Songwriter beteiligt waren, sondern auch Dominics Vater Alfredo Sanz, Lukas Freundin Alina Wassong und nicht zuletzt Kameramann und Filmemacher Jan Barthel. Die Hauptperson Simon Hellenthal erlebte den Dreh, wie er uns im Interview verriet, sehr professionell und ist schon gespannt auf das Endergebnis.

Um passendes Material für das Video zu sammeln, hat Lukas Hellenthal sich intensiv mit der Vergangenheit auseinandergesetzt: „Eine Woche lang habe ich zusammen mit meiner Freundin jeden Abend 6 Stunden VHS-Kassetten durchgeguckt, Szenen notiert und diese chronologisch erfasst. Da waren auch viele Videos dabei, die man selbst noch nie gesehen hat.“

Das Lied ist über dreieinhalb Minuten pure Emotion, obwohl durchaus auch eine politische Botschaft transportiert wird.

Der Song soll das Schicksal von Simon und die Krankheit bzw. das Thema Handicap allgemein mehr in die Öffentlichkeit rücken.

„Körperlich tut es mich sehr beeinträchtigen, aber geistig gar nicht. Ich glaube, viele können sich nicht vorstellen, was das heißt“, berichtet Simon im Interview.

„Mich motiviert sowas unglaublich, weil es mir immer wieder zeigt, dass man auch mit der Krankheit so viel schaffen kann. Aufgeben ist einfach nicht drin“, sagt Simon Hellenthal, der damit sicherlich auch ein Vorbild für viele andere Menschen sein kann.

Wenn es nach einem Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht, dann soll häusliche Intensivpflege zukünftig nur noch in Ausnahmefällen möglich sein. Überlegungen, die bei Simon Hellenthal und seiner Mutter Rita als Betroffene auf große Kritik stoßen.

„Ich hatte keine Lust ein politisches Lied daraus zu machen und deswegen war dieses einfach auf Simon gestrickt, um der Krankheit ein Gesicht zu geben und zu zeigen, wie Simon lebt im Alltag, was geht und was nicht geht und das dadurch zum Nachdenken angeregt wird“ erklärt Lukas Hellenthal.

Am 30. Oktober wird das Lied „24 Zoll“ von Lukas Hellenthal und Dominic Sanz offiziell veröffentlicht und ist dann über alle bekannten Streamingplattformen zu beziehen. Auf Youtube findet man das dazugehörige Musikvideo.

„Es ist für uns ein Geschenk für Simon, ein Geschenk für Menschen, die an dieser Krankheit leiden“, sagt Dominic Sanz.

Eine persönliche Geschichte als Grundlage für ein bewegendes Lied mit einer besonderen Message, mit der die beiden Musiker aus der Eifel möglichst viele Menschen erreichen möchten. CF

Die ganze Crew (v.l.): Dominic Sanz, Alfredo Sanz, Simon Hellenthal, Lukas Hellenthal, Alina Wassong und Kameramann Jan Barthel. Fotos: privat

Die ganze Crew (v.l.): Dominic Sanz, Alfredo Sanz, Simon Hellenthal, Lukas Hellenthal, Alina Wassong und Kameramann Jan Barthel. Fotos: privat

Dreharbeiten zum Musikvideo des Songs „24 Zoll“.

Dreharbeiten zum Musikvideo des Songs „24 Zoll“.

Lukas Hellenthal vor der Kamera.

Lukas Hellenthal vor der Kamera.

Mutter Rita Hellenthal zusammen mit Lukas Hellenthal und Dominic Sanz am Bett von Simon Hellenthal. Foto: CF

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // Motiv EDL
Dauerauftrag 2026
Jobmesse Nürburgring
Flowcraft
SozialarbeiterIn Kita St. Elisabeth
Empfohlene Artikel
(von links) Pascal Rowald, Jan Ritter und Peter Diewald im großen Sitzungssaal des Rathauses.  Foto: GS
470

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler bekommt einen neuen Ersten Beigeordneten. Jan Ritter wird Peter Diewald ablösen, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Ritter wurde vor großem Publikum unter Sitzungsleitung von Bürgermeister Pascal Rowald in dessen erster Sitzung als Stadtchef im zweiten Wahlgang zum Stadt-Vize gewählt. 21 von 36 Ratsmitglieder haben für den 46-Jährigen gestimmt, der für die CDU im Kreistag von Ahrweiler sitzt.

Weiterlesen

Die Junggesellen freuen sich auf unvergessliche fünf Tage. Foto: privat
199

Bad Bodendorf. Der Sinziger Stadtteil Bad Bodendorf steht wieder ganz im Zeichen der traditionellen Kirmes. Der Junggesellenverein (JGV) Bad Bodendorf lädt von Freitag, 4. September, bis Dienstag, 8. September 2026, zu fünf abwechslungsreichen Festtagen ein. Rund um den Kirmesplatz erwartet die Besucher ein buntes Programm für Jung und Alt, musikalische Unterhaltung und zahlreiche traditionelle Höhepunkte.

Weiterlesen

11

Unkel. Offenes Mitmach-Singen veranstaltet vom Kirchenchor des Seelsorgebereichs Unkel von 19 bis 20 Uhr auf dem Gelände des Christinenstifts in Unkel – bei schlechtem Wetter in der Kapelle - als Mitgestalter eines bundesweit von hunderten Chören gemeinsam ausgerichteten Liederabends anlässlich des Einheitsfestes. Liedrepertoire von altem Volksliedgut bis zu bekannten Liedern neuerer Interpreten, die für Freiheit und Frieden stehen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Baustelle der neuen Kurparkrandbebauung im Bad Neuenahr im Juli.
342

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Im Kurpark Bad Neuenahr, dem grünen Herzen und Veranstaltungszentrum der Kurstadt, finden derzeit äußerst umfangreiche Baumaßnahmen statt. Zum einen werden der flutgeschädigte Park selbst sowie das Kurparkterrassengebäude mit der Kleinen Bühne wiederhergestellt, zum anderen entsteht die neue Kurparkrandbebauung, die bereits vor der Flut im Sommer 2021 in Planung war. Sie umfasst...

Von Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

04.09.: Nickenich: Schwerer Verkehrsunfall: Motorradfahrer kollidiert mit Anhänger
1110

Nickenich. Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich auf der L 118 zwischen Andernach und Kruft. Der Fahrer eines Wohnmobils, das mit einem Anhänger unterwegs war, befuhr die Strecke von Nickenich in Richtung Mendig. In der Nähe eines Schotterparkplatzes entschied er sich, das Gespann über die Gegenfahrbahn zu wenden. Genau in diesem Moment kam ein Motorradfahrer entgegen und kollidierte mit dem Anhänger.

Weiterlesen