Allgemeine Berichte | 13.08.2021

Bewegende Dankesworte des Wehrführers der Freiwilligen Feuerwehr Schuld

„Einer für alle und alle für einen“

„Die Tatsache, mit einem Panzer über die Trümmer der geliebten Heimat fahren zu müssen, um unzählige Fahrzeuge zu bergen oder Zufahrtswege herzustellen, ist surreal und schrecklich zugleich“, sagt Lussi. Foto: privat

Schuld. Die Flutkatastrophe ist nun mehr als vier Wochen her. Hinter allen Helfern liegt eine herausfordernde Zeit und ein Ende ist nicht in Sicht. Tobias Lussi ist Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schuld und somit dort zu Hause und im Einsatz, wo die Fluten besonders massiv zuschlugen. Heute richtet sich Lussi an die Öffentlichkeit und dies mit einem ganz bestimmten Ziel: Danke sagen. Im Folgenden die Worte des Wehrführers an alle Helfer:

„Ich bitte euch, diesen Text aus Respekt vor den Leistungen eines Jeden, bis zum Ende zu lesen.

Was hier in unserer schönen Heimat Schuld, und in vielen Orten an der Ahr passiert ist, ist für mich nicht in Worte zu fassen. Es ist eine unbeschreibliche Katastrophe, für die es keine Worte gibt.

Was mich im positiven Sinn sprachlos macht, ist die schier grenzenlose Solidarität und Hilfsbereitschaft von allen Seiten. Egal ob mit Hilfsgütern, Spendengeldern, helfenden Händen, tröstenden Worten und noch so vielem mehr. Jeder hilft so gut er kann, mit dem was er hat.

Die Menschen stehen zusammen, helfen zusammen, rücken zusammen.

Ein ganz besonderer Dank richtet sich an die Landwirte, Forstwirte, Lohnunternehmer, Besitzer von Baumaschinen, welche eine unvorstellbare Arbeit geleistet haben und noch immer leisten. Ihr wart einfach direkt und ungefragt zur Stelle und habt geholfen, Unmengen von Treibgut zu beseitigen und unsere Ortschaft überhaupt befahrbar zu machen. Ihr seid der Wahnsinn!

Ebenso ein ganz herzliches Dankeschön an ALLE Blaulichtorganisationen, die geholfen haben, Schaden abzuwenden und Menschen zu helfen. Dankeschön an die First Responder Harscheid, die in der Ortslage Harscheid eine Anlaufstelle für Verletzte der Flutnacht eingerichtet haben. Besonderer Dank richtet sich an die Bundeswehr, die getreu dem Motto „Wir dienen Deutschland“ schnelle, hilfreiche und unbürokratische Unterstützung geleistet hat, und noch immer leistet.

Ihr seid als fremde Helfer gekommen und geht als Freunde!

Weiterhin richtet sich mein Dank an alle Feuerwehren die uns in unserer Tätigkeit unterstützt haben, und zudem für mehrere Tage den Grundschutz in unserem Zuständigkeitsbereich übernommen haben. Durch Eure Rückendeckung habt ihr uns die kostbare Möglichkeit gegeben, dass wir uns nach vielen Tagen, kurz unseren persönlichen Angelegenheit widmen konnten.

Ein ganz herzliches Dankeschön möchte ich an die Frauen richten, die unser Gerätehaus über Wochen als Anlaufstelle für Verpflegung und Beherbergung für Rettungskräfte und Mitbürger eingerichtet und betrieben haben und es noch immer betreiben. Ihr seid klasse!

Des Weiteren bedanke ich mich in aller Form für die hervorragende Zusammenarbeit im ELW-Feuerwehr. Was hier geleistet wurde ist Wahnsinn! Auch möchte ich einen ganz gewissen Baufachberater besonders erwähnen, der mit seiner Fachexpertise und seiner ruhigen und sehr professionellen Art, schnelle und zuverlässige, der Situation angepasste Antworten liefern konnte.

Als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Schuld, möchte ich mich an dieser Stelle, auch im Namen meines Stellvertreters Sebastian, in ganz besonderer Form an unsere Mannschaft wenden.

An dieser Stelle möchte ich mich zu Beginn bei meinem Stellvertreter Sebastian aufrichtig bedanken, für all das, was wir durch gewohnt perfekte professionelle, freundschaftliche und zielführende Zusammenarbeit geschafft haben. Dich an der Seite zu haben, ist die beste und sicherste Stütze die man haben kann!

An die Mannschaft. Ihr macht uns stolz, die Führung einer so unglaublichen Truppe zu sein.

Was ein Jeder von euch in der Flutnacht und in den Tagen und Wochen darüber hinaus geleistet hat, und noch immer leistet, ist absolut gigantisch. Jeder Mann, jede Frau ist bei diesem Einsatz über sich hinaus gewachsen.

Zur Rettung von Menschenleben habt ihr, nicht selten unter Einsatz eures eigenen Lebens gehandelt.

Auf Anfahrt zur Menschenrettung sind Kameraden im Fahrzeug vom Wasser in bedrohlicher Höhe eingeschlossen worden, und konnten sich nur, wie durch ein Wunder mit diesem Fahrzeug in letzter Sekunde retten. Ganz besonders sei die DLRG Andernach erwähnt.

In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Schuld und der DLRG war es überhaupt erst möglich, in der Flutnacht in dem, für Rettungskräfte erreichbaren Teil, mittels Steckleiter, Boot und einer gemischten Mannschaft aus Feuerwehr und DLRG Andernach, 24 Menschenleben zu retten. Alleine 9 der geretteten Menschen, befanden sich in akuter Lebensgefahr. Ein Gebäude ist während der Rettungsmaßnahmen einfach in der Hälfte durchgebrochen und in sich zusammen gefallen.

Vor eurem Handeln, und der dort erbrachten Leistung möchte ich euch meinen allergrößten Respekt aussprechen. Ich verneige mich vor Euch, für euren beispiellosen Einsatz zur Rettung von Menschenleben und zum Schutz unserer Heimat.

Mit den Morgenstunden ging das Wasser allmählich zurück und das gesamte Ausmaß des Unglücks wurde sichtbar.

Der Anblick auf unsere Ortschaft und das Ausmaß der Zerstörung ließ einen Jeden erstarren.

Einige Kameradinnen und Kameraden haben vieles verloren. Manche sogar Alles.

Manche Kameraden haben nach der Flut nur noch das besessen, was sie am Körper tragen. Und selbst diese letzte Kleidung war die Einsatzkleidung der Feuerwehr.

Doch keine dieser Tatsachen hat euch davon abgehalten, einen mehrwöchigen Dauereinsatz durchzuführen, um weitere Gefahren abzuwenden und wieder ein Stück weit Ordnung in dieses Chaos zu bringen. Ihr habt eure persönliche Betroffenheit und eure persönlichen Belange hinten angestellt und euch weiterhin so gut es ging in den Dienst der Feuerwehr gestellt. Ihr habt das Wohl des Nächsten wie immer an vorderste Stelle gerückt. Ich darf mich auf die Aussage unseres Ortsbürgermeisters in der Pressekonferenz berufen, dass wir in der Ortslage Schuld keinen Toten zu beklagen haben. Diese Tatsache grenzt an ein Wunder, angesichts des Ausmaßes dieser unbeschreiblichen Katastrophe.

Und ihr, meine Mannschaft der Feuerwehr Schuld, und jeder einzelne unbekannte Retter dieser Flutkatastrophe, hat maßgeblich dazu beigetragen, dass dies möglich war.

Meine Hochachtung vor dieser Leistung. Die Bilder dieser unbeschreiblichen Zerstörung sind kaum zu ertragen. Die Tatsache, mit einem Panzer über die Trümmer der geliebten Heimat fahren zu müssen, um unzählige Fahrzeuge zu bergen oder Zufahrtswege herzustellen, ist surreal und schrecklich zugleich.

Das Erlebte eines Jeden wird noch lange in unserem Gedächtnis bleiben und uns wohl nie mehr loslassen. Doch seid versichert, zusammen schaffen wir alles, zusammen stehen wir füreinander ein. Zusammen ist niemand alleine. Einer für alle und alle für einen. Die Feuerwehr Schuld bedankt sich von Herzen, für jede Spende, die uns in unterschiedlichster Form erreicht hat. Dankeschön!

Dankeschön für Euren Einsatz! Dankeschön für den Einsatz eines Jeden! Im stillen Gedenken und aufrichtiger Anteilnahme aller Opfer der Flutkatastrophe.

Tobias Lussi, Wehrführer der

Freiwilligen Feuerwehr Schuld/Ahr

ROB

Ein Wort des Dankes im Staub auf einem Feuerwehrauto. Foto: privat

Ein Wort des Dankes im Staub auf einem Feuerwehrauto. Foto: privat

„Die Tatsache, mit einem Panzer über die Trümmer der geliebten Heimat fahren zu müssen, um unzählige Fahrzeuge zu bergen oder Zufahrtswege herzustellen, ist surreal und schrecklich zugleich“, sagt Lussi. Foto: privat

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Kommentare
15.08.202123:36 Uhr
juergen mueller

DANKE für diese offenen Worte.
DANKE, dass die Politik hier aussen vor gelassen, mit keinem Wort erwähnt wurde, weil für sie hier kein Platz ist.
DANKE, für den Einsatz derjenigen, die selbstvergessend sofort geholfen haben.
DANKE an all diejenigen, die Initiative wortwörtlich genommen haben u. nicht nur durch Reden u. vom Papier her kennen.

15.08.202113:27 Uhr
Armin Sondermann

Als Außenstehender kann ich nur meinen Hut ziehen vor dieser emensen Leistung nach so einer Katastrophe. Ich glaube und würde es mir auch wünschen das diese Katastrophe die
Menschen noch mehr zusammenschweißt. Denn was hier alles verloren ging , kann der Außenstehende nicht beurteilen. Ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern ganz viel Kraft und Zuversicht in den nächsten Wochen und Monaten.
Den Feuerwehrkameradinnen und Kameraden mit dem Wahlspruch ,,Gott zur Ehr dem nächsten zur Wehr ,, eine hoffnungsvolle und kameradschaftliche Zukunft.

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