Erstes Lagebild des Ahrtal-Tourismus nach der Flutkatastrophe

Gastronomie im Ahrtal: Ohne staatliche Hilfe geht es nicht

60 Prozent der Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sind betroffen

Gastronomie im Ahrtal: Ohne staatliche Hilfe geht es nicht

Das Hochwasser hat schwere Schäden an der Gastronomie hinterlassen. Foto: ROB

20.09.2021 - 10:43

Bad Neuenahr-Ahrweiler Eines der bedeutendsten wirtschaftlichen Standbeine des Ahrtals wurde durch die Flutkatastrophe am 14./15. Juli bis ins Mark getroffen: Der Tourismus im Ahrtal hat verheerende Verluste in einem nahezu unvorstellbaren Ausmaß zu beklagen. Der Ahrtal-Tourismus Bad Neuenahr-Ahrweiler e.V. hat nun ein erstes Lagebild zusammengestellt. Dazu haben die Mitarbeiter in den vergangenen Wochen mehr als 450 Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Privatunterkünfte im Ahrtal kontaktiert, darunter etwa 300 eigene Mitglieder. Erstes Fazit: Insgesamt rund 60 Prozent der Betriebe sind von der Flutkatastrophe betroffen. Das entspricht 280 Anbietern. „Auch wenn wir hier seit Wochen mittendrin sind im Katastrophengebiet und uns der Ernst der Lage schnell bewusst war, machen die nackten Zahlen doch erneut sprachlos“, fasst der Vorsitzende der Ahrtal-Tourismus, Hotelier Christian Lindner seine Eindrücke zusammen.



Hotel- und Gastronomiebetriebe am schwersten getroffen


Was die Betroffenheit angeht, stellt sich jedoch die Lage in den einzelnen Gewerbesparten als unterschiedlich dar. Während von über 220 Ferienwohnungen rund 50 Prozent von der Flut betroffen sind, hat es die Hotelbetriebe und Pensionen zu über 70 Prozent getroffen, die Gastronomiebetriebe sogar zu 80 Prozent. Elf von 13 Campinglätzen sind darüber hinaus zerstört. „Unfassbare Zahlen, hinter denen Eigentümer, ganze Familien und hunderte Mitarbeiter stehen, die zu einem Großteil unmittelbar in ihrer Existenz bedroht sind“, betont Christian Lindner.


Großes Ja zum Wiederaufbau


Doch es gibt in vielerlei Hinsicht große Hoffnung: Der Wille zum Wiederaufbau ist bei rund 80 Prozent der betroffenen Betriebe und Privatquartiere vorhanden. Auch im Bereich der Winzerschaft, die ein so wichtiger Faktor für den Tourismus im Ahrtal ist, wollen über 90 Prozent der betroffenen Weingüter, Genossenschaften und Selbstvermarkter weiter machen. „Dies ist ein klares Ja der Beteiligten dafür, dass Tourismus an der Ahr Zukunft hat. Das Ahrtal ist noch da und wir bauen wieder auf“, so Lindner.

Das Team des Ahrtal-Tourismus sei hoch motiviert, den Tourismus-Standort wieder nach vorne zu bringen, auch wenn hier ebenfalls große Schäden vorliegen. Die beiden Tourist-Informationen in Bad Neuenahr und Ahrweiler sind genauso zerstört wie die Büroräumlichkeiten im Blankartshof sowie im ehemaligen Kurpark-Café mitsamt dem kompletten Inventar. Die Mitarbeiter sind derzeit auf unterschiedliche Ausweichräume aufgeteilt oder arbeiten im Homeoffice. Laut Lindner gilt es jetzt in einem ersten Schritt, Strategien für die Kommunikation über die Website und die sozialen Medien zu entwickeln. Klar sei laut Lindner anhand der Anfragen, die bereits schon wieder eingehen, dass Gäste das Ahrtal wieder besuchen möchten – auch, um mit ihren Umsätzen zu unterstützen. Hierauf müsse man sich vorbereiten.


Ohne staatliche Hilfe geht es nicht


Vom Land Rheinland-Pfalz wünscht sich der Ahrtal-Tourismus nun vor allem, dass die zugesagten Gelder für die betroffenen Betriebe und Privatunterkünfte schnell und tatsächlich unbürokratisch fließen. Christian Lindner: „Um wieder wirtschaftsfähig zu werden, müssen die Betriebe jetzt so schnell wie möglich mit den nötigen Arbeiten starten können. Denn hiervon hängt wiederum die Erhaltung der Arbeitsplätze ab.“

In einem nächsten Schritt gelte es, gemeinsam mit allen vor Ort im Tal Beteiligten die gesamte touristische Infrastruktur zu analysieren und auch eventuell in Teilbereichen zu überdenken. „Aus Mainz benötigen wir neben den zugesagten Geldmitteln insbesondere vereinfachte Planungsverfahren für die erarbeiteten Ergebnisse. Ohne eine gut durchdachte Infrastruktur wie Rad- und Wanderwege, Parkplätze, öffentliche Verkehrsmittel, Eventflächen, Kultureinrichtungen etc. ist Tourismus langfristig kaum denkbar. Lange Verfahren, Bedenkenträgertum, Entscheidungen über die Köpfe der Beteiligten hinweg müssen jetzt zugunsten einer echten Zusammenarbeit, konkreten Ansprechpartnern, unbürokratischen Wegen und einem Umdenken von üblichen Verwaltungsstrukturen weichen. Nur dann hat das Ahrtal die Chance, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken“, erklärt Lindner.

Abschließend hält er fest: „Für die Umsetzung braucht das Ahrtal dann im letzten Schritt staatliche Unterstützung bei der Beschaffung der Unmengen an benötigtem Baumaterial und auch bei der Vermittlung von Fachunternehmen! Der Staat trägt Mitverantwortung für den gesamten Wiederaufbau von A bis Z, nicht nur für die entsprechenden Geldmittel!“Pressemitteilung

Ahrtal-Tourismus

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20.09.2021 13:04 Uhr
Dr. Karin Bomke

Liebe Tourismus-Treibenden, wir waren mit unserem WoMo gerade für einige Nächte dort, um Euch zu unterstützen. Ob der Besuch in der Gastronomie, im Helfer-Camp oder von verbliebenen Veranstaltungen. Was wir nicht verstehen können - aber das kann auch die berühmte Betriebsblindheit sein -, ist das ausgewiesene Übernachtungsverbot auf den ruhigen Parkplätzen oberhalb der Orte. Wohl ein Relikt aus dem Corona-Katalog.
Vorschlag: Ansprechpartner kommunizieren, Voranmeldung einfordern wg. der Kapazitäten und ggfs. eine Übernachtungsgebühr mit Sonderopfer Fluthilfe verlangen. Einmal an Tag - am Besten zwischen 18 und 19 Uhr zum Kassieren kommen mit Quittungszettel zum In-die-Scheibe-Kleben. Klappt regulär, z.B.an der Mosel, super.



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Kommentare
S. Schmidt:
Diskriminierung erleben heute in Deutschland wieder Menschen die nicht gegen eine Erkrankung an COVID-19 geimpft sind, ebenfalls wird ihnen das Leben schwer gemacht, bis hin zur Unmöglichkeit der Teilnahme am gesellschaftlichen Leben oder dem Einkauf, siehe Ausweitung der sogenannten 2G Regeln!...
juergen mueller:
Gute Nacht Politik Koblenz - schlaft gut und vor allem träumt weiter von einem Einstieg in die Elektromobilität, der eh nicht zu Ende gedacht wurde....
P. Van der Land :
Unfassbar, welches Gremium der Ahnungslosen hat diesen Unfug entschieden? ...
S. Schmidt:
"In Friedenszeiten ersetzt die Verwaltung den Feind", in diesem Spruch liegt viel Wahrheit!...
Gerda Nehls:
Da der Nabu strickt gegen das Aufräumen war und ist, sollte der Nabu jetzt mal einen Teil der verursachten Schäden/ Kosten übernehmen. Treibgut war in erster Linie eben altes liegengelassenes Gehölz/ Bäume, nicht gemähte Ufer usw. Jetzt unterschreiben lassen, dass sie für die Zukunft für die Schäden...
 
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