Allgemeine Berichte | 15.11.2023

Reichspogromnacht in Cochem

Gedenken. Erinnern. Mahnen

Cochem. Die Stadt Cochem mit Bürgermeister Walter Schmitz stellte sich ihrer Geschichte und rief auf zum Gedenken und Erinnern, um dem Antisemitismus heute etwas entgegenzusetzen. Das stille Gedenken an den Gedenktafeln in der Bernstraße galt der jüdischen Bevölkerung der ehemaligen jüdischen Gemeinde Kochem, die in der Reichspogromnacht vor 85 Jahren am 9/10. November 1938 verfolgt, vertrieben und im Holocaust unvorstellbar gequält und grausam ermordet wurden. Sechs Millionen Juden kamen in fabrikmäßigen organisierten Vernichtungslagern der Nationalsozialisten ums Leben. Zu einem Innehalten bei einem ökumenischen Gebet luden Pfarrer Markus Arndt, Prädikant Rüdiger Lancelle und Gemeindereferent Bernd Berenz in den Chorraum der Kirche St. Martin ein.

Man gedachte der Juden, deren Menschenwürde von Nazis unfassbar missachtet, mit Füßen getreten, geschlagen, bespuckt wurde, deren Leben in einer menschenverachtenden Vernichtungsmaschinerie ausgelöscht wurde. Eine Figur des „kleinen Königs“ des Bildhauers und Diakons Ralf Knoblauch, Bonn brachte vielleicht am stärksten die Verstörung über das Böse, was der Mensch in der Lage ist seinen Mitmenschen anzutun, zum Ausdruck. Was ist der Mensch, dass er seine Macht missbraucht zum Erniedrigen, Quälen und Morden? In Verbundenheit mit allen Menschen guten Willens erklärt man sich solidarisch mit Juden, denen in Deutschland im Jahr 2023 Hass und Hetze entgegenschlägt und daher angsterfüllt die Öffentlichkeit meiden müssen.

Die Würde eines jeden Menschen, die von Gott her jedem Einzelnen zugesagt wird, gilt es zu respektieren und zu achten, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Nation, einer Religion, einer Weltanschauung, unabhängig von sexueller Orientierung und Geschlecht. Die Figur des „kleinen Königs“ steht für die Würde des Menschen. Aber dieser „kleine König“ legt die Krone ab. Als wolle er sagen: der Mensch ist nicht würdig, als Krone der Schöpfung bezeichnet zu werden. In den großen Erzählungen der Hochkulturen des Altertums, im Zweistromland und am Nil, galt ein König als gottgleich und daher mit entsprechender Würde ausgestattet, die ihm Anerkennung und Respekt verlieh. Allein dem König galt die Würde. Ausgerechnet das kleinste Volk ist widerständig, die Israeliten, und das kleine Volk überlieferte der Menschheit eine neue Erzählung: jeder Mensch, ob Mann, ob Frau, ist als Ebenbild, Abbild Gottes mit einer Würde ausgestattet, die Anerkennung und Respekt bedeutet.

Wenn in diesem Jahr 75 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen gewürdigt werden, die als Antwort der Völkergemeinschaft auf die Verbrechen der Nazi-Herrschaft gilt, würdigt man damit die Wurzeln der Kultur Israels, die uns in der Schöpfungsgeschichte überliefert ist: jeder Mensch ist ein Ebenbild, Abbild Gottes. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ heißt es im Grundgesetz GG 1 der Bundesrepublik Deutschland. Die Figur des „kleinen Königs“ wie sie vor uns steht, signalisiert uns vielleicht: „Nehmt ihr die Würde an, die euch von Gott her geschenkt ist! Nie wieder soll eine Menschenfeindlichkeit unter uns Menschen herrschen, die bestimmte Menschen ausschließt, diskriminiert, verachtet, zu Tode quält, tötet. Respektieren wir die Würde eines jeden Menschen, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Volk, einer Nation, einer Religion oder Weltanschauung!“ Der eigenen Angst angesichts der multiplen Krisen in der Welt etwas entgegensetzen kann ein Gebet. Mit einem Psalmengeber, dem jüdischen Totengebet Kaddisch und Liedern aus Israel die von Gero-Michael Meyer an der Orgel begleitet wurde, richtete man sich aus auf Gott, dessen guter Segen durch Pfarrer Markus Arndt herabgerufen wurde mit der Aufforderung, den Segen weiterzugeben.Pressemitteilung der

Stadt Cochem

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