Allgemeine Berichte | 31.03.2021

Bernadette Speicher koordiniert die Geschwisterkinder-Angebote beim Bunten Kreis Rheinland

„Jede Ferienfreizeit ist ganz besonders“

Die Ferienfreizeiten versprechen viel Abwechslung. Foto: privat

Region. Es gibt Kinder mit Behinderung, es gibt Eltern von Kindern mit Behinderung und es gibt Geschwister von Kindern mit Behinderung: „Diesen Satz habe ich einmal gelesen und er ist die Grundlage meine Arbeit“, sagt Bernadette Speicher, die beim Bunten Kreis Rheinland seit 2019 die Geschwisterkinder-Angebote koordiniert. Im Interviews erzählt sie, was sie an ihrem Beruf liebt und was sie zukünftig gerne umsetzen würde.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Die Konstellation von Geschwistern ist an sich schon besonders. Aber einen Bruder oder eine Schwester mit Beeinträchtigung zu haben, ist noch einmal etwas ganz anderes. Ich wehre mich gegen den Begriff „Schattenkinder“, weil er defizitär ist und das Kind, bzw. Geschwisterkind reduziert. Dennoch haben diese Kinder besondere Bedürfnisse. Wir, als Organisation, haben es uns zum Ziel gesetzt, diesen Bedürfnissen gerecht zu werden und bieten spezielle Aktionstage und Ferienfreizeiten für Geschwisterkinder an.

Wie unterscheiden sich diese Ferienfreizeiten von anderen?

Auf den ersten Blick erst einmal gar nicht, denn der kranke Bruder oder die kranke Schwester werden bei uns nicht ständig thematisiert. Der Austausch findet meist ganz nebenbei statt. Da hört man dann Sätze wie: „Meine Schwester kann das auch nicht“, oder „Mein Bruder nervt mich manchmal.“ Bei uns liegt der Fokus eher auf einer unbeschwerten Zeit. Wir bieten den Kindern Dinge, die sie zu Hause nicht machen können. Sie sollen mit uns eine tolle, ungewöhnliche, unbeschwerte Zeit haben und einmal nur Kind sein dürfen, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen.

Welches war Ihr schönstes Ferienerlebnis?

Jede Ferienfreizeit ist ganz individuell und besonders. Aus dem vergangenen Jahr ist mir die Inklusive Zirkusfreizeit noch sehr positiv im Gedächtnis. Eine Woche lang haben wir mit beeinträchtigten und nicht beeinträchtigten Kindern eine Zirkusvorführung einstudiert. Diese Woche hat mir wieder einmal vor Augen geführt, was Inklusion bedeutet. Anfangs war alles noch ein wenig holprig, es gab Berührungsängste und Vorurteile, aber nach fünf Tagen waren wir eine Einheit. Das zu sehen, hat mich sehr stolz und auch sehr glücklich gemacht, weil es zeigt, wie toll Dinge werden können, wenn man sich auf das „anders sein“ einlässt.

Wie sehen Ihre Angebote aufgrund der derzeitigen Corona-Situation aus?

Im letzten Jahr konnten wir unter strengen Corona-Auflagen einige Ferienfreizeiten anbieten, dennoch ist die Situation leider sehr ungewiss und schwer planbar. Ein paar junge Kolleginnen von mir hatten daher eine fantastische Idee. Sie haben einen Zugang zu einer virtuellen Plattform erstellt, auf der sich die Kinder nach wie vor online, in einem geschützten Raum, treffen können. Das Konferenztool „gather.town“ ermöglicht eine realitätsgetreue Interaktion und wird sehr gut angenommen. Die Kinder können sich austauschen, Spaß haben oder bei Bedarf auch Gespräche mit Sozialarbeiter*innen führen.

Gibt es Projekte, die Sie gerne noch umsetzen würden?

Ich mache derzeit eine Zusatzausbildung zur Geschwister-Fachkraft und würde in Zukunft gerne Kurse, Geschwistertage und Ferienfreizeiten anbieten, bei denen es explizit um die Thematik emotionale Stärkung von Kompetenzen und Selbstwertgefühl der Geschwister geht. Darüber hinaus möchten wir auch gezielt Arbeit mit den Eltern anbieten und evaluieren derzeit, wo die Bedürfnisse liegen.

Es liegt mir aber auch sehr am Herzen, die Thematik „Geschwister von Kindern mit Beeinträchtigung“ bekannter zu machen. Ich denke, es ist sehr wichtig, Eltern, aber vor allem auch Erzieher und Lehrer dafür zu sensibilisieren. Es geht nicht immer ausschließlich um schwere Beeinträchtigungen, auch Kinder, deren Bruder oder Schwester z.B. an Rheuma erkrankt ist, eine psychische Beeinträchtigung hat, oder an Magersucht leidet, erleben zu Hause einen anderen Alltag und brauchen Menschen, die in der Lage sind, Signale wahrzunehmen und sich den Ängsten und Sorgen der Kinder anzunehmen.

Tipp zum Weiterlesen:

Auf der Seite der Stiftung Familienbande (https://www.stiftung-familienbande.de) gibt es viele Angebote und Ansprechpartner, zum Beispiel Adressen von Selbsthilfegruppen, Buch-Tipps, etc.:

https://www.stiftung-familienbande.de/fileadmin/2014_09_Fachbuecher.pdf

Die Ferienfreizeiten versprechen viel Abwechslung. Foto: privat

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