„Prinzessin oder ´Prinzin´: Diskussion im Kölner Dreigestirn“ erhitzt auch im BLICK aktuell-Land die Gemüter

Kann es eine „Prinzin“ geben?

03.05.2021 - 08:48

Region. Karneval ist manchmal eine ernste Sache. Und bei einigen Themen hört bei den Jecken der sprichwörtliche Spaß auf. Diese Erfahrung machte man nun auch im Köln, der Hauptstadt des deutschen Karnevals. Was war passiert? Der Chef des Kölner Festkomitees Christoph Kuckelkorn erwähnte in einem Interview, dass das Amt des Prinzen auch für Frauen offenstehe. Gibt es demnächst eine Frau als „Prinzin“ im Kölner Dreigestirn?


In den sozialen Medien entbrannte hierüber eine heftige Diskussion. Manch einer vermutete, der Chef des traditionsreichen Festkomitees habe sich zu dessen 200. Vereinsjubiläum einen verspäteten Aprilscherz erlaubt. Ein Ende der Männerdomäne im Dreigestirn stelle eine Revolution dar. In den „traditionszerstörenden Zeiten“ sei offenbar alles denkbar. Ein entsetzter Kölner meinte gar: „Dann künnt ihr och bei dä Nubbelverbrennung en Frauepopp nemme“, was ins Hochdeutsche übersetzt folgendes heißt: „Dann könnt ihr bei der Verbrennung des Nubbels auch eine Frauenpuppe nehmen“. Die mannsgroße Strohpuppe Nubbel gilt als Figur des Sündenbocks und wird symbolisch in der letzten Karnevalsnacht verbrannt.

Aber es gibt auch befürwortende Meinungen: Eine weibliche Akteurin im Dreigestirn sorge für mehr Grazie und Eleganz. Konsequenterweise solle man daher mit einer weiblichen Darstellerin der „Jungfrau“ im Dreigestirn beginnen. Neu ist diese Idee übrigens nicht: Bereits in den Jahren 1938 und 1939 musste die Rolle auf Anweisung der machthabenden Partei von einer Frau dargestellt werden. Wenngleich Einmischungen der Politik im Karneval nicht gewünscht sind, so solle sich das Brauchtum dennoch weiterentwickeln. Früher seien auch die Tanzmariechen männlich gewesen. Das sei als Zugeständnis an die Nationalsozialisten geändert worden. „Hätten sich damals die „Last alles so, wie es ist“-Anhänger durchgesetzt, würden heute noch Männer als Tanzmariechen agieren“, so ein Diskussionsteilnehmer.


RKK „Wir freuen uns über die Vielfalt im Karneval“


Doch wie stehen die obersten Repräsentanten des Karnevals in der Region zum Streit in Köln?

Hans Mayer ist Präsident der Rheinischen Karnevals-Korporationen mit Sitz in Koblenz. Dem bundesweit tätigen Dachverband gehören rund 1.400 Mitgliedsvereine an. Mayer betont: „Das ist eine Entscheidung, die man in Köln treffen muss. Für mich steht fest: Frauen können genauso gut Karneval feiern, wie Männer. Weshalb sollten sie dann nicht auch die obersten Repräsentantinnen ihrer Vereine sein?“. Der RKK-Präsident weist auch darauf, dass weibliche Dreigestirne nichts Neuartiges sind, wenngleich sie noch selten sind. „Wir freuen uns über die Vielfalt im Karneval. Das Brauchtum und die Traditionen sind für uns zwar wichtig, doch sie sind nichts Starres. Sie müssen sich auch entwickeln können. Wir alle kennen doch das bekannte Zitat: Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“, so Hans Mayer.


AKG Ahrweiler: „Warum nicht!“


Die 1863 gegründete Ahrweiler Karnevalsgesellschaft (AKG) nicht nur eine der ältesten ihrer Art in der Region, sondern auch die größte Karnevalsgesellschaft im Kreis Ahrweiler. Deren Vorsitzender Dieter Zimmermann betont, dass Frauen an der Spitze der AKG keine Neuheit seien: „In den letzten Jahren haben mehrfach Prinzessinnen die AKG in der Session repräsentiert. Daneben waren Damen auch als Teil eines Prinzenpaares, so zuletzt Prinzessin Marlene. Neu wäre eine Frau als Prinz(essin) in einem Dreigestirn, jedenfalls nach meiner Erinnerung. Oder gar ein reines Frauendreigestirn. Ich bin mir aber sicher, dass unsere Statuten das Hergeben. Also warum nicht!“, so Dieter Zimmermann.


Möhnenverein Mülheim-Kärlich: „Ob Mann oder Frau ist völlig egal“


Mit Frauen als närrischen Herrscherinnen hat man in Deutschlands größten Möhnenverein in Mülheim-Kärlich bereits beste Erfahrungen gemacht. Seit rund 70 Jahren proklamiert man dort im zweijährigen Rhythmus eine Obermöhn und einen Möhnerich, welcher weiblich ist. Doch wie beurteilt Martina Niepagen, ihres Zeichens Präsident des Mülheimer Möhnen-Clubs die aktuelle Diskussion in Köln zum Dreigestirn? „Selbstverständlich meistern Ladys mit Herz, Verstand und ´ner Menge Humor das komplette Dreigestirn. Und dann sägen wir mit Schmackes am Papststuhl!“, so die Möhnen-Präsidentin mit einem Augenzwinkern und ergänzt: „Mir persönlich wurde im Elternhaus die Gleichheit aller auf den Weg gegeben. Unterm Strich sind wir alle Menschen. Ob Helau oder Alaaf, ob Mann oder Frau, völlig egal“. Doch wie würde die Präsidentin reagieren, wenn sich für das traditionell weiblich besetzte Möhnenpaar ihres Vereins plötzlich zwei Männer bewerben würden? Martina Niepagen hierzu: „Neue Wege sind nötig, aber nicht weniger kompliziert. Um einen Mann zur Obermöhn proklamieren zu können, müsste unser Möhnen-Gesetz, also die Satzung, angepasst werden. Wenn dann alles passt, begrüßen denjenigen 850 Möhnen mit einem dreifach ´Obermöhn der besonderen Art´ Helau, Helau, Helau“, so die Karnevalistin.


Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval: „Ein tolles Zeichen an unsere Gesellschaft“


Möhnen gibt es auch in der Mülheim-Kärlicher Nachbarstadt Koblenz. Im Oberzentrum steht traditionell ein Paar an der Spitze des Karnevals, welches sich aus einem Prinzen und einer sogenannten Confluentia (Prinzessin) zusammensetzt. Christian Johann ist Präsident der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval (AKK). Zur Diskussion in Köln meint er: „Der Karneval in seiner Urform lebt doch von der Verkleidung und dem Einnehmen verschiedenster Rollen. So war das Funkenmariechen in früherer Zeit auch stets männlich besetzt. Die Jungfrau im Kölner Dreigestirn ist es bis auf eine kurze Unterbrechung in den 30er Jahren bis heute. Und da wir alle unter der Narrenkappe gleich sind und davon lebt unsere schöne Faasenacht, wäre eine „Prinzin“ im Kölner Dreigestirn doch ein tolles Zeichen an unsere Gesellschaft. Wir leben in einer bunten Welt und das ist gut so.“, so AKK-Präsident Christian Johann.


Närrische Buben Sinzig: „Bereits gute Erfahrungen gemacht“


Auch in Sinzig am Rhein gibt man sich offen für neue Ideen. Dort wird der Sitzungs- und Straßenkarneval von der KG Närrische Buben von 1967 e.V. organisiert. „Grundsätzlich sind wir nicht darauf festgelegt, ob uns ein Prinzenpaar, ein Solo-Prinz, eine Solo-Prinzessin oder gar ein Dreigestirn regiert“, erklärt der 1. Vorsitzende Michael Kappl. Entsprechende Erfahrungen habe man bereits gemacht. Schon dreimal stand eine „Sentiaca“, also Sinzigs oberste Närrin, an der Spitze der Karnevalisten in der Barbarossastadt. Denkbar sei auch eine Konstellation eines Dreigestirns mit einer Prinzessin an dessen Spitze. Kappl weist darauf hin, dass die Strukturen im Kölschen Karneval ohnehin ein wenig anders wären als in Sinzig.


Festausschuss Andernacher Karneval: „Frage stellt sich nicht“


Eine Absage in Richtung „Prinzin“ erteilt jedoch Jürgen Senft vom Festausschuss des Andernacher Karnevals e.V. „Da es in Andernach seit vielen Jahren ein Tollitätenpaar gibt und die Prinzessin dem Prinzen annähernd gleichgestellt ist, stellt sich für uns diese Frage wohl eher nicht“, sagt Renft. „Ich bin zwar immer für Neuerungen offen, hiermit würden wir aber eine uralte Tradition zerstören“, fügt der Karnevalist aus der Bäckerjungenstadt hinzu.


Alte Große Mayen: „Wir sind positiv und offen“


In Mayen gibt es aufgrund der traditionellen Strukturen kein Dreigestirn, sondern traditionell eine Tolltät (Männlich oder Weiblich) mit einem Hofstaat.

Dieser besteht neben einem Prinzen oder einer Prinzessin oder Prinzenpaar, aus zwei Pagen, einem Hofnarren und einem Mundschenk. Diese Zusammenstellung ist über Jahrzehnte gelebte Tradition in Mayen.

„Wie man aus der Vergangenen Session, aber auch bereits in der Session 2015/2016 sehen kann, gab und gibt es in Mayen bereits weibliche Tollitäten“, sagt Uli Walsdorf von der Alten Große Mayener Karnevalsgesellschaft e.V. Prinzessin Heike I. und Prinzessin Tina I. haben in Ihren Sessionen die Mayener Närrinnen und Narren alleine mit Ihrem Hofstaat regiert. „Wir als Alte Große Mayener Karnevalsgesellschaft sind weiblichen Funktionsträgerinnen im Rahmen unserer Tradition positiv eingestellt und offen,“ fügt Walsdorf hinzu,

Das Fazit der BLICK -aktuell-Umfrage: Die Karnevalisten der Region sehen die Diskussion in Köln überwiegend gelassen. Prinzessinnen, Möhnenpaare und sogar weiblichen Dreigestirnen sind außerhalb von Köln nichts Neuartiges. Die Emanzipation im Karneval wird dort schon lange in den unterschiedlichsten Facetten gelebt. Und die Kölner? Das dortige Festkomitee erklärte, es werde stets das Dreigestirn mit dem besten Konzept gewählt. Ob und wann es ein komplett weibliches oder nur teilweise weibliches Dreigestirn gibt, bleibt daher abzuwarten.KH/ROB

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