Allgemeine Berichte | 21.05.2025, 08:37 Uhr

Zwischen Aufklärung und Einflussnahme – Kultur im Spannungsfeld der Gegenwart

Mahnung aus den USA: Wie Kunst und Bildung Nationalismus begegnen können

Sorgten bei aller Einigkeit für einen differenzierten Blick auf ein schwieriges Thema. (v. li.): Markus Graf, Prof. Ingeborg Henzler, Ingo Schneider, Leon Botstein und Benedict Kloeckner.  Fotos: Martin Düpper
81

Koblenz. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „80 Jahre Kriegsende und Befreiung“ fand im Koblenzer Rathaus eine Podiumsdiskussion statt, organisiert von der Stadtverwaltung Koblenz und Kultur- und Bildungsdezernent Ingo Schneider. Einen Tag vor ihrem Konzert in der Rhein-Mosel-Halle im Rahmen von IMUKO diskutierten der in den USA lebende Dirigent Leon Botstein und der international renommierte Cellist Benedict Kloeckner über die Rolle von Kunst, Kultur und Bildung bei der Prävention nationalistischer Strömungen. Ergänzt wurde das Podium durch Prof. Ingeborg Henzler und Markus Graf, zwei bekannte Persönlichkeiten aus der regionalen Kulturszene. Die Moderation übernahm Ingo Schneider.

Schneider begründete die Veranstaltung mit dem Hinweis, dass die gesellschaftspolitische Verantwortung von Kunst und Kultur angesichts autoritärer und nationalistischer Entwicklungen in vielen Ländern wieder verstärkt in den Fokus rücke. Die vier Podiumsteilnehmer bereicherten die Diskussion mit persönlichen und praktischen Erfahrungen. Von Beginn an war das Gespräch geprägt von Ernsthaftigkeit sowie einem Wechselspiel zwischen Zuversicht und Sorge. Einige Fragen, so Schneider, wären noch vor wenigen Jahren für ihn unvorstellbar gewesen.

Im Austausch mit Dirigent Leon Botstein rückte die aktuelle Lage in den USA in den Mittelpunkt. Botstein beschrieb eine zunehmend angespannte Atmosphäre, stellte jedoch auch differenzierte Beobachtungen zum Zustand der dortigen Kultur- und Bildungseinrichtungen an. Während Universitäten stark unter Druck stünden, sei die Kultur, die weitgehend ohne staatliche Förderung auskomme, bislang weniger betroffen. Zwar gebe es Versuche politischer Einflussnahme, doch die Kunst bleibe vielerorts frei.

Die Gesprächsrunde griff den Vergleich der Kulturförderung in den USA und Deutschland auf. Markus Graf, geschäftsführender Vorstand von pop rlp, einer Einrichtung zur Förderung populärer Musik in Rheinland-Pfalz, verwies auf wachsende Tendenzen auch hierzulande, die Kulturarbeit politisch zu beeinflussen.

Ingeborg Henzler, ehemalige Präsidentin der Hochschule Koblenz und Vorstandsmitglied der Dr. Hans Riegel Stiftung, hob die Bedeutung von Stiftungen für die deutsche Kulturlandschaft hervor. Sie rief dazu auf, künftige Akzente in der Stiftungsarbeit sorgfältig und im Einklang mit den jeweiligen Satzungszielen zu setzen. Dabei gelte es, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die Stifter heute denken würden.

Benedict Kloeckner schilderte Beobachtungen aus dem internationalen Konzertbetrieb. In vielen Ländern sei eine zunehmende Tendenz zu autoritären Regimen spürbar. Die Frage, wo Künstlerinnen und Künstler noch auftreten könnten oder wollten, gewinne an Bedeutung. Botstein wies darauf hin, dass Kultur in solchen Kontexten sowohl Teil der Lösung als auch des Problems sein könne. Diktatoren hätten sich schon immer Kunst und Musik zunutze gemacht.

Vor diesem Hintergrund betonten Henzler und Graf die wachsende Bedeutung kultureller Bildung und Aufklärung in Deutschland. Graf warnte, dass Deutschland in dieser Entwicklung womöglich nur zehn Jahre hinterherhinke. Jetzt sei der Moment, entschlossen zu handeln, um nicht in einer Dekade in vergleichbarer Lage zu sein wie andere Länder, auf die heute fassungslos geblickt werde.

Die unterschiedliche Einschätzung der Situation in Deutschland und den USA prägte den Verlauf der Diskussion. Die deutschen Teilnehmer blickten spürbar optimistischer auf ihre Rolle als der Gast aus den USA. Daraus leitete sich ein zentrales Fazit der Runde ab: Der Auftrag für Stadt, Verwaltung und Zivilgesellschaft bestehe darin, den Optimismus aufzugreifen – und die Entwicklungen in den USA sowie Botsteins Skepsis als deutliche Mahnung zu verstehen, wie Schneider im Anschluss zusammenfasste. BA

Umrahmt wurde die Gesprächsrunde durch musikalische Einlagen von Kloeckner selbst.

Umrahmt wurde die Gesprächsrunde durch musikalische Einlagen von Kloeckner selbst.

Sorgten bei aller Einigkeit für einen differenzierten Blick auf ein schwieriges Thema. (v. li.): Markus Graf, Prof. Ingeborg Henzler, Ingo Schneider, Leon Botstein und Benedict Kloeckner. Fotos: Martin Düpper

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Mit Unterstützung der BUGA-Freunde Koblenz haben die Stadtgärtner drei Beete in Lützel und Stolzenfels mit den Staudenmischungen der Bundesgartenschau 2026 bepflanzt.
15

Die bevorstehende Bundesgartenschau 2029 wirft bereits ihre Schatten voraus, und in Koblenz zeigt sich der eigens für das Obere Mittelrheintal entwickelte BUGA-Staudenmix in ersten Pflanzungen. Der Eigenbetrieb Grünflächen- und Bestattungswesen hat in den Stadtteilen Lützel und Stolzenfels drei Flächen neu gestaltet und dabei wertvolle Unterstützung vom Staudenteam der Freunde der Bundesgartenschau Koblenz e.

Weiterlesen

Koblenz modernisiert sein Tourismusangebot: Gästebeitrag als Schlüssel.
123

Der Stadtrat von Koblenz hat am 29. Oktober 2026 die Einführung eines Gästebeitrags beschlossen, der ab dem 1. Januar 2027 gilt. Mit dieser Maßnahme soll die Grundlage geschaffen werden, um den Tourismus in Koblenz zu stärken, bestehende Angebote zu sichern und neue Projekte zu entwickeln. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region, da jährlich Millionen von Tages- und Übernachtungsgästen...

Weiterlesen

Etwa 15 Jahre alte Linden der Sorte „Glenleven“ werden derzeit an der Südallee im Bereich des Evangelischen Stifts gepflanzt. Insgesamt kommen 22 neue Bäume in den Boden.
223

In Koblenz wird die Südallee weiter ausgebaut, wobei seit dem 29. Oktober 22 neue Linden gepflanzt werden. Diese Maßnahme ist Teil eines umfassenden Begrünungsprojekts, das auch die Anpflanzung von Blumenzwiebeln im kommenden Frühjahr umfasst, um die Allee mit bunten Farbtupfern zu bereichern. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
06-Marktbericht 2026
Anzeige Aktionstage 03.11. - 10.11.26
Dauerauftrag 2026
Weitere Artikel
Die Mittelahr präsentierte sich an den fünf Veranstaltungswochenenden von ihrer besten Seite
2050

Mittelahr. Mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und bestem Herbstwetter ist der Weinherbst Mittelahr 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 26. September bis zum 25. Oktober fand das beliebte Wein- und Wanderevent an fünf Wochenenden auf dem Rotweinwanderweg und in den Weinorten Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr statt. Das bewährte Zusammenspiel aus Wein- und Gastronomieständen entlang der Strecke sowie ergänzenden Angeboten in den Orten sorgte erneut für großen Zuspruch.

Von Nicolas Bäcker aus Dernau

Weiterlesen

Kitten Leo & Tigger
1734

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.

Viele kleine Katzenkinder suchen ein Zuhause

Leo und Tigger (*ca. Mitte August 2026 – Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon oder Freigang nach Kastration) sind zwei bezaubernde Kätzchen, die auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause sind.

Von Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. aus Schalkenbach

Weiterlesen

Symbolbild
617

A61 ab November mit Einschränkungen

Ab dem 09.11.: Einspurige A61 - Fahrzeit einplanen

Sinzig. Die Niederlassung West der Autobahn GmbH des Bundes plant umfangreiche Gehölzpflegearbeiten auf der A61 zwischen dem Autobahndreieck Sinzig und der Anschlussstelle Niederzissen in Richtung Koblenz/Ludwigshafen.

Weiterlesen