Allgemeine Berichte | 12.04.2018

Markanteste Bäume leben in „Jungen Riesen“ weiter

Projekt zur Nachzucht im Landkreis Mayen-Koblenz gestartet

Patrick Lemmen von der Forschungsanstalt für Waldökologieund Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz schneidet die Stecklinge zur Nachzucht.

KREIS MYK. Seit diesem Jahr ist der Landkreis Mayen-Koblenz Partner im Projekt „Junge Riesen“ der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz. Das Projekt dient dem nachhaltigen Bestand besonders alter und prägnanter Bäume. Dazu werden im Laufe des Jahres von Bäumen im Landkreis, die sich durch besondere Merkmale wie Alter, Größe, Eigenart oder Schönheit auszeichnen, Pflanzen über Samen oder Stecklinge als Nachkommen der alten Riesen herangezogen. Einer dieser „Alten Riesen“ ist eine Ölweide, die in Andernach in den Rheinanlagen steht. Der große, mehrstämmige Baum ist rund 100 Jahre alt und 17 Meter hoch, bei einem Kronendurchmesser von rund 30 Metern. Hier fiel der Startschuss für das Projekt.

„Junge Riesen“ werden herangezogen

Patrick Lemmen von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz (FAWF) schnitt Stecklinge von der Andernacher Ölweide. Nach der Ansaat und Aufzucht durch die FAWF übernimmt eine Baumschule im Landkreis das weitere Heranziehen der jungen Bäume. Wenn die Pflanzen eine bestimmte Größe erreicht haben, können die „Jungen Riesen“ mit Abstammungsnachweis erworben werden. „So könnte zum Beispiel eine Gemeinde Nachkommen des eigenen, alten Riesen kaufen und so die Nachfahren der alten markanten Bäume nachpflanzen. Dadurch bleibt auch die Genetik der alten Bäume erhalten. Gerne werden die Bäume auch als Geburtstags- oder Hochzeitsgeschenk von Privatpersonen verschenkt“, erzählt Patrick Lemmen.

„Alte Riesen“ erzählen Geschichten

Wie die Ölweide in Andernach, stehen viele Bäume, die dieses Jahr beprobt werden, als Naturdenkmale unter Schutz. Das Interesse gilt aber nicht nur dem Baum als Lebewesen. Das betont Landrat Dr. Alexander Saftig: „Die alten Bäume sind auch immer mit besonderen Geschichten und Anekdoten verbunden. Durch das Projekt lassen wir diese Geschichten wieder aufleben und bewahren sie für die Zukunft.“ Warum steht der Baum genau an diesem Ort? Ist es ein geschichtsträchtiger Ort? Was bedeutet der Baum der Bevölkerung? Diese Geschichten und deren ökologische Bedeutung sollen auch im Rahmen der Umweltbildung aufgegriffen und gerade Kindern und Jugendlichen näher gebracht werden.

„Alte Riesen“ brauchen Unterstützung bei der Vermehrung

Viele „Alte Riesen“ produzieren zwar regelmäßig eine große Zahl an Früchten, allerdings entstehen aus diesen Früchten fast nie Bäume. Daher sucht man nach den Nachkommen eines alten Riesen meist vergeblich. Eine Vielzahl von Tieren frisst die Früchte. Gerade im Herbst sind die Tiere auf diese energiereiche Nahrung angewiesen. Im Wald bekommen die wenigen überlebenden Pflanzen wenig Licht und verlieren den dauerhaften Konkurrenzkampf. In der Agrarlandschaft haben die keimenden Samen in einer intensiven Landwirtschaft kaum eine Chance zu wachsen. In Städten und Dörfern wird eine natürliche Vermehrung durch die Pflege der Flächen verhindert.

Weitere Informationen zu dem Projekt „Junge Riesen“ gibt es bei der Kreisverwaltung bei Rüdiger Kape, Tel. 0261 /108-420, Ruediger.kape@kvmyk.de oder Joachim Hoffmann, Tel. 0261/108-319, joachim.hoffmann@kvmyk.de, oder im Internet unter https://snu.rlp.de/de/projekte/junge-riesen/.

Die frisch gesetzten Stecklinge sollenin den nächsten Jahren zu „Jungen Riesen“ heranwachsen.

Die frisch gesetzten Stecklinge sollen in den nächsten Jahren zu „Jungen Riesen“ heranwachsen.

Die Ölweide in den Andernacher Rheinanlagen sticht heraus.Sie ist rund 100 Jahre alt, 17 Meter hoch und hat einen Kronendurchmesser von rund 30 Metern.

Die Ölweide in den Andernacher Rheinanlagen sticht heraus. Sie ist rund 100 Jahre alt, 17 Meter hoch und hat einen Kronendurchmesser von rund 30 Metern.

Patrick Lemmen von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz schneidet die Stecklinge zur Nachzucht.

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