Allgemeine Berichte | 29.06.2021

Signalkrebse werden in der Ahr immer häufiger

Mit Reusen gegen die Krebsinvasion

Johannes Gitzen, Albert Dresen und Bernd Schmitz ziehen die Signalkrebse in Massen aus der Ahr.

Kreis Ahrweiler. Auf den knapp 85 Kilometern, die sich die Ahr von Blankenheim nach Sinzig schlängelt, findet sich eine vielfältige Flora und Fauna. Gerade letztere blühte in den letzten Jahrzehnten geradezu auf: Der Maifisch wurde wieder angesiedelt, Regenbogenforellen und Lachse sind ebenfalls heimisch. Generell ist eine hohe Artenvielfalt wünschenswert, gilt als Zeichen einer funktionierenden Natur und nachhaltiger Bewirtschaftung. Aber nicht jeder Neuankömmling ist in und an der Ahr gerne gesehen. Und als besonders lästig gilt der Signalkrebs. Der stammt eigentlich aus Nordamerika und fühlt sich in ganz Mitteleuropa pudelwohl. Die Population steigt stetig. Gerade jetzt im Sommer, wenn es warm ist, vermehren sich die Tiere an manchen Ecken der Ahr explosionsartig. Dies ist auch in Fuchshofen der Fall. Ortsbürgermeister Bernd Schmitz hat sich der Sache angenommen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Franz Nolden, Johannes Gitzen und Albert Dresen zieht Schmitz regelmäßig los, um der Plage Herr zu werden. Die Bezeichnung „Plage“ trifft die Ausmaße recht genau. An manchen Morgen ziehen die freiwilligen Krebsfischer hunderte Exemplare in ihren 40 Reusen aus der Ahr. Der Grund des Gewässers wimmelt geradezu von den Krebsen. Das schadet dem einheimischen Fischbestand. Junge Krebse fressen Fischlarven, die größeren Krebse greifen auch adulte Fische an. Letztendlich sinkt der Fischbestand und das macht den invasiven Krebs zum Schädling.

Menschgemachtes Problem

Dass der Signalkrebs vor einigen Jahren in der Ahr angekommen ist, ist ein menschgemachtes Problem. Eigentlich stammt er aus Flüssen Nordamerikas und wurde in der 1960er Jahren in Schweden ausgesetzt, mit dem Ziel, die dortige Krebsfischerei wieder anzukurbeln. Seither macht er sich in ganz Europa breit und eben auch in der Ahr. Eigentlich war der Neuankömmling zunächst gar nicht so unwillkommen. Doch im Laufe der Jahre zeigte sich, dass die Tiere eher schaden als nützen.

Krebsfischen ist durchaus eine harte Arbeit, wie Franz Nolden beschreibt. Denn freiwillig krabbeln die Krustentiere nicht in die Reusen. Mit Ködern, Forellenfutter nämlich, werden die Krebse in die Unterwasserkörbe gelockt, die schließlich an Land gebracht werden und dort ganze Kisten füllen. Dass die Population steigt, zeigt die Fangstatistik im Juni. Grundsätzlich gilt: Je wärmer das Wasser, desto mehr Krebse. Am 13. Juni waren 72 Krebse in den Reuse der Fuchshofener Freiwilligen. Am 16. Juni stieg die Zahl auf 113 Stück, am 20. Juni waren es schon 275, davon 259 Jungtiere und 16 Krebse mit einer Körpergröße von über elf Zentimentern. Innerhalb dieses Zeitrahmen stieg die Wassertemperatur von 13 auf 16 Grad Celsius.

Krebse landen in der Suppe

Um eine Ausrottung des Signalkrebses geht es den Schmitz, Nolden, Gitzen und Dresen nicht. Vielmehr wolle man den Bestand reduzieren um die heimische Fischfauna zu schützen. Völlig dezimieren könne man den Krebs sowieso nicht, sind sich die vier Männer sicher. Denn der Signalkrebs nutzt ökologische Nischen geschickt aus, Fressfeinde gibt es kaum. Aber man wolle vermeiden, dass in einigen Jahren nur noch Krebse und „sonst nichts mehr“ in der Ahr leben. Und letztendlich bringen die Krebse doch einen Nutzen. Denn Flusskrebse werden in den heimischen Restaurants im beliebter. Ab und zu kommt ein Koch vorbei und kauft Schmitz und seinen Kollegen ein paar Kilo ab. Die großen Exemplare landen dabei als Vorspeise auf dem Teller, mit Knoblauch, Mayonnaise und etwas Baguette. Auch für die Kleineren gibt’s eine Verwendung: Sie machen sich hervorragend als Einlage im Süppchen. Das bringt sogar der Allgemeinheit etwas: Das, was die vier Naturschützer mit dem Verkauf von Krebsen an die Gastronomen einnehmen, wird umgehend in gemeinnützige Projekt vor Ort investiert.

ROB

Körpergrößen von über elf Zentimetern sind keine Seltenheit.

Körpergrößen von über elf Zentimetern sind keine Seltenheit.

Mit Reusen soll die Krebsinvasion bekämpft werden.

Mit Reusen soll die Krebsinvasion bekämpft werden.

Die Krebse sind zahlreich und füllen ganze Kisten. Fotos: CF

Die Krebse sind zahlreich und füllen ganze Kisten. Fotos: CF

Johannes Gitzen, Albert Dresen und Bernd Schmitz ziehen die Signalkrebse in Massen aus der Ahr.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Holz Loth-Entsorgung
Titelanzeige
Rund ums Haus
Dauerauftrag
2+1 Aktion
Kirmes in Oberzissen
Anzeige Tag der offenen Tür 29. - 30.08.26
Empfohlene Artikel
Das Aufstellen des Kirmesbaumes ist Tradition
42

Nickenich. Vier Tage lang stand Nickenich ganz im Zeichen seiner traditionellen Kirmes. Am vergangenen Wochenende wurde auf dem Dorfplatz gefeiert, gelacht und gemeinsam Zeit verbracht. Die Ortsgemeinde Nickenich und der Kultur- und Gesellschaftsverein hatten ein abwechslungsreiches Programm auf die Beine gestellt, das zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Nickenich und der Umgebung anlockte.

Weiterlesen

 VG-Bürgermeister Jörg Lempertz und Erster Kreisbeigeordneter Pascal Badziong beim Fassanstich.
30

Thür. Im Urlaub verblüfft der Sohn die Eltern mit der Ankündigung: „Ich gründe eine Band.“ Um sie zwei Stunden später ähnlich wortkarg noch mehr zu verblüffen: „Die Band steht.“ Und kein Jahr später feierte diese, Donnerwerk, ihr öffentliches Debüt beim Rock am Sumpf 2026 in Thür. Als Schirmherrn der Veranstaltung versprachen VG-Bürgermeister Jörg Lempertz und für den Kreis Pascal Badziong nicht zu...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
2234

Wer hat Beobachtungen gemacht und kann die Polizei unterstützen?

24.08.: Bad Neuenahr: Zeugenaufruf: Hund beißt Kind

Bad Neuenahr. Am 28.07.2026 gegen 16:30 Uhr gingen zwei 12-jährige Kinder zu Fuß die Mittelstraße in Bad Neuenahr-Ahrweiler entlang. Auf Höhe der Hausnummer 70 kam den beiden Kindern eine Hundehalterin mit zwei kleinen Hunden entgegen. Einer der Hunde biss einem Kind unvermittelt ins linke Bein. Die Hundehalterin erkundigte sich bei den Kindern, ob alles gut sei und entfernte sich anschließend mit den Hunden.

Weiterlesen

Genuss, Wohnen, Garten, Mode und Kunst: Bei der Herbstpartie kommen die Besucher auf ihre Kosten.  Foto: Reno Müller
137

Namedy. Den Spätsommer bewusst genießen und besondere Tage erleben: Vom 4. bis 6. September 2026 lädt die Herbstpartie Burg Namedy zu einem stimmungsvollen Lifestyle-Markt in einzigartiger historischer Umgebung ein. Auf dem weitläufigen Gelände der Burg Namedy präsentieren rund 160 sorgfältig ausgewählte Ausstellerinnen und Aussteller ihre hochwertigen Angebote – eingebettet in Burgmauern, Parklandschaft und spätsommerliches Licht.

Weiterlesen