Allgemeine Berichte | 29.06.2021, 09:15 Uhr

Signalkrebse werden in der Ahr immer häufiger

Mit Reusen gegen die Krebsinvasion

Johannes Gitzen, Albert Dresen und Bernd Schmitz ziehen die Signalkrebse in Massen aus der Ahr.
889

Kreis Ahrweiler. Auf den knapp 85 Kilometern, die sich die Ahr von Blankenheim nach Sinzig schlängelt, findet sich eine vielfältige Flora und Fauna. Gerade letztere blühte in den letzten Jahrzehnten geradezu auf: Der Maifisch wurde wieder angesiedelt, Regenbogenforellen und Lachse sind ebenfalls heimisch. Generell ist eine hohe Artenvielfalt wünschenswert, gilt als Zeichen einer funktionierenden Natur und nachhaltiger Bewirtschaftung. Aber nicht jeder Neuankömmling ist in und an der Ahr gerne gesehen. Und als besonders lästig gilt der Signalkrebs. Der stammt eigentlich aus Nordamerika und fühlt sich in ganz Mitteleuropa pudelwohl. Die Population steigt stetig. Gerade jetzt im Sommer, wenn es warm ist, vermehren sich die Tiere an manchen Ecken der Ahr explosionsartig. Dies ist auch in Fuchshofen der Fall. Ortsbürgermeister Bernd Schmitz hat sich der Sache angenommen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Franz Nolden, Johannes Gitzen und Albert Dresen zieht Schmitz regelmäßig los, um der Plage Herr zu werden. Die Bezeichnung „Plage“ trifft die Ausmaße recht genau. An manchen Morgen ziehen die freiwilligen Krebsfischer hunderte Exemplare in ihren 40 Reusen aus der Ahr. Der Grund des Gewässers wimmelt geradezu von den Krebsen. Das schadet dem einheimischen Fischbestand. Junge Krebse fressen Fischlarven, die größeren Krebse greifen auch adulte Fische an. Letztendlich sinkt der Fischbestand und das macht den invasiven Krebs zum Schädling.

Menschgemachtes Problem

Dass der Signalkrebs vor einigen Jahren in der Ahr angekommen ist, ist ein menschgemachtes Problem. Eigentlich stammt er aus Flüssen Nordamerikas und wurde in der 1960er Jahren in Schweden ausgesetzt, mit dem Ziel, die dortige Krebsfischerei wieder anzukurbeln. Seither macht er sich in ganz Europa breit und eben auch in der Ahr. Eigentlich war der Neuankömmling zunächst gar nicht so unwillkommen. Doch im Laufe der Jahre zeigte sich, dass die Tiere eher schaden als nützen.

Krebsfischen ist durchaus eine harte Arbeit, wie Franz Nolden beschreibt. Denn freiwillig krabbeln die Krustentiere nicht in die Reusen. Mit Ködern, Forellenfutter nämlich, werden die Krebse in die Unterwasserkörbe gelockt, die schließlich an Land gebracht werden und dort ganze Kisten füllen. Dass die Population steigt, zeigt die Fangstatistik im Juni. Grundsätzlich gilt: Je wärmer das Wasser, desto mehr Krebse. Am 13. Juni waren 72 Krebse in den Reuse der Fuchshofener Freiwilligen. Am 16. Juni stieg die Zahl auf 113 Stück, am 20. Juni waren es schon 275, davon 259 Jungtiere und 16 Krebse mit einer Körpergröße von über elf Zentimentern. Innerhalb dieses Zeitrahmen stieg die Wassertemperatur von 13 auf 16 Grad Celsius.

Krebse landen in der Suppe

Um eine Ausrottung des Signalkrebses geht es den Schmitz, Nolden, Gitzen und Dresen nicht. Vielmehr wolle man den Bestand reduzieren um die heimische Fischfauna zu schützen. Völlig dezimieren könne man den Krebs sowieso nicht, sind sich die vier Männer sicher. Denn der Signalkrebs nutzt ökologische Nischen geschickt aus, Fressfeinde gibt es kaum. Aber man wolle vermeiden, dass in einigen Jahren nur noch Krebse und „sonst nichts mehr“ in der Ahr leben. Und letztendlich bringen die Krebse doch einen Nutzen. Denn Flusskrebse werden in den heimischen Restaurants im beliebter. Ab und zu kommt ein Koch vorbei und kauft Schmitz und seinen Kollegen ein paar Kilo ab. Die großen Exemplare landen dabei als Vorspeise auf dem Teller, mit Knoblauch, Mayonnaise und etwas Baguette. Auch für die Kleineren gibt’s eine Verwendung: Sie machen sich hervorragend als Einlage im Süppchen. Das bringt sogar der Allgemeinheit etwas: Das, was die vier Naturschützer mit dem Verkauf von Krebsen an die Gastronomen einnehmen, wird umgehend in gemeinnützige Projekt vor Ort investiert.

ROB

Körpergrößen von über elf Zentimetern sind keine Seltenheit.

Körpergrößen von über elf Zentimetern sind keine Seltenheit.

Mit Reusen soll die Krebsinvasion bekämpft werden.

Mit Reusen soll die Krebsinvasion bekämpft werden.

Die Krebse sind zahlreich und füllen ganze Kisten. Fotos: CF

Die Krebse sind zahlreich und füllen ganze Kisten. Fotos: CF

Johannes Gitzen, Albert Dresen und Bernd Schmitz ziehen die Signalkrebse in Massen aus der Ahr.

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Empfohlene Artikel
Tag der Demokratie zog auch im Vorjahr viele Besucher an.
43

Der Tag der Demokratie wird auch in diesem Jahr vom Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie organisiert. Veranstalter ist in diesem Jahr Politischer Arbeitskreis Schulen e.V., gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ Bereits seit Anfang des Jahres treffen sich rund 20 Engagierte monatlich auf dem RheinAhrCampus, um die Großveranstaltung vorzubereiten. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Portrait Marcel Schäfer
20

Das Büttelborner Medienunternehmen spot it media ist mit dem DEUTSCHEN AGENTURPREIS® 2026 in der Sparte B2C, Kategorie Digitalisierungs-Plattform, ausgezeichnet worden. Prämiert wurde das Eigenprojekt „spot it Warnmeldungen - Community-Warnnetzwerk mit Live-Warnkarte“. Die Auszeichnung wurde dem Unternehmen am 29. Oktober 2026 bestätigt. Damit würdigt der Wettbewerb ein digitales Informationsangebot,...

Weiterlesen

Koblenz modernisiert sein Tourismusangebot: Gästebeitrag als Schlüssel.
74

Der Stadtrat von Koblenz hat am 29. Oktober 2026 die Einführung eines Gästebeitrags beschlossen, der ab dem 1. Januar 2027 gilt. Mit dieser Maßnahme soll die Grundlage geschaffen werden, um den Tourismus in Koblenz zu stärken, bestehende Angebote zu sichern und neue Projekte zu entwickeln. Der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region, da jährlich Millionen von Tages- und Übernachtungsgästen...

Weiterlesen

Bildergalerien
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Dauerauftrag
Holz Loth-Entsorgung
Dauerauftrag
Traueranzeige Bernd Lehnert
Anzeige Stadtwerke Andernach lt. Absprache mit Frau Jahnen-Kurtic
First Friday Anzeige für November
Bratapfelsonntag
Martinsmarkt Löhndorf
Weitere Artikel
Die Mittelahr präsentierte sich an den fünf Veranstaltungswochenenden von ihrer besten Seite
986

Mittelahr. Mit zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und bestem Herbstwetter ist der Weinherbst Mittelahr 2026 erfolgreich zu Ende gegangen. Vom 26. September bis zum 25. Oktober fand das beliebte Wein- und Wanderevent an fünf Wochenenden auf dem Rotweinwanderweg und in den Weinorten Dernau, Rech, Mayschoß und Altenahr statt. Das bewährte Zusammenspiel aus Wein- und Gastronomieständen entlang der Strecke sowie ergänzenden Angeboten in den Orten sorgte erneut für großen Zuspruch.

Von Nicolas Bäcker aus Dernau

Weiterlesen