Allgemeine Berichte | 26.08.2021, 16:38 Uhr

Helferfest in Ahrbrück: Großer Zusammenhalt und eine Möglichkeit zum Verschnaufen

Nach der Flut: Karnevalisten unterstützen kleine Vereine

Höhepunkt des Tages: Auf der Bühne wurden Requisiten des Kölner Rosenmontagszuges versteigert. Foto: ROB

Höhepunkt des Tages: Auf der Bühne wurden Requisiten des Kölner Rosenmontagszuges versteigert. Foto: ROB

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Ahrbrück. David Monreal und Udo Bläser sind bei der Flut mit einem blauen Auge davongekommen. Zwar stand auch bei den beiden Kesselingern das Wasser im Keller. Aber: „Der trocknet jetzt und gut ist“, sagt Udo Bläser pragmatisch. Ein bisschen Arbeit war das schon, das geben sie zu. Aber die Schock- und Aufräumphase war relativ zügig überwunden. Erst wurde bei Freunden und Bekannten gemeinschaftlich Schlamm geschippt. Als diese Aufgaben abgearbeitet waren, besannen die beiden sich und kamen zu einer Erkenntnis. „Viele Vereine werden unterstützt und die Hilfsbereitschaft ist einfach gigantisch,“ so Bläser. „Dafür sind wir auch wirklich dankbar.“ Insbesondere große Vereine, die auch überregional bekannt sind, profitieren davon. Die Befürchtung: Kleine Vereine in kleinen Orten an der Ahr könnten vergessen werden und leer ausgehen. Doch gerade die sind vom Hochwasser arg gebeutelt. Überall wurden Vereinsheime geflutet und Sportplätze weggeschwemmt. Kurzum: Es fehlt derzeit an allen Ecken und Kanten. „Wir mussten also etwas tun“, zeigten sich die beiden entschlossen. Denn gerade die kleinen Vereine sind eine echte Bereicherung für die Dorfgemeinschaften, wie Bläser und Monreal aus Erfahrung wissen. Und somit absolut erhaltenswert.

Kleine Vereine müssen erhalten werden

Die beiden sind Karnevalisten durch und durch und lieben das Ahrtal. Erst 2018 haben Bläser, Monreal und andere Mitstreiter eine völlig neue Karnevalsgesellschaft in Kesseling gegründet. Das ist vergleichsweise selten, den meist haben die etablierten KGs mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel. Die neue Narrentruppe kommt im kleinen Ort zwischen Staffel und Ahrbrück gut an, es wurden viele tolle Veranstaltungen durchgeführt und Kesseling avancierte praktisch über Nacht zur geheimen Karnevalshochburg. Gemeinsam mit ihren Vereinskollegen stampften die beiden nun erneut eine Party aus dem Boden: Ein Helferfest für den guten Zweck. Der Sinn der Sache: Bier, Eis, Steak, Zuckerwatte kosten nichts, aber um eine Spende wurde gebeten. Die kommen anschließend „kleinen Vereinen aus den Orten drumherum zu Gute“, sagen die beiden. Konkret werden sie dabei nicht. Alle sollen ein bisschen von dem Engagement der Kesselinger Karnevalisten profitieren.

Außerdem bot sich die Möglichkeit, einmal so richtig Pause zu machen. Das war auch bitter nötig. „Hier geht eigentlich jeder auf dem Zahnfleisch“, sagte die Thekenkraft im Bierbrunnen auf dem ziemlich kultigen Festplatz und blickt auf Anwohner, private Helfer von irgendwoher und auch ein paar Bundeswehrsoldaten. Der Festort könnte kaum besser gewählt sein: Dort, genau zwischen dem Sportplatz des ABK und der Gaststätte „Zum Denntal“, die hier jeder nur unter der Bezeichnung „Leuers“ kennt, wird ihn Ahrbück schon seit Jahrzehnten gefeiert. Das Heimatfeeling war also perfekt. Passend dazu spielte die Blaskapelle Kesseling auf der Bühne und auch Josh Hallfell, Frontmann der Cover-Band Sidewalk, die im Ahrtal echten Kultstatus genießen, zeigte ein sein Programm. Dazu genehmigten sich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ein Kaltgetränk. Absolut verdient, wie alle Festbesucher meinen. Denn die Wehr des Ortes war seit der Stunde Null am 14. Juli praktisch im Dauereinsatz. Da kommt eine kleine Party mitten im Heimatort goldrichtig um „den Kopf mal freizukriegen“, wie einer der Feuerwehrleute sagt.

Am späten Nachmittag lehnten sich Udo Bläser und David Monreal mit einem Bier in der Hand an einen Tanklaster, der am Rande des Festplatzes parkte. Beide sind zufrieden. Die Besucher sahen glücklich aus und das Festmotto „Schalt mal ab!“ wurde angenommen und umgesetzt – man freute sich über ein bisschen Normalität in den schwierigen Zeiten im Ahrtal.

Reliquien aus Kölle

Und die Spendenbox war auch schon prall gefüllt. Dabei hatte der Höhepunkt des Programms noch gar nicht stattgefunden. Denn es gab auch eine Versteigerung. Die Gegenstände wurden allesamt vom Festkomitee Kölner Karneval gespendet. Unter den Hammer kamen echt kölsche Reliquien wie eine gigantische Papp-Flönz oder der DFB-Pokal des FC Kölle im Riesenformat – alles Originalteile aus dem Rosenmontagszug in Kölle. Die Karnevalisten aus Köln fackelten nicht lange, als es darum ging, den Flutbetroffenen zu helfen. „Nehmt euch raus was ihr braucht“, bekamen Bläser und Monreal als Antwort. Und so bedienten sich die beiden im Lager in Köln und transportierten die Schätze ab ins Ahrtal. „Das war einfach klasse. Unter Jecken hält man einfach zusammen“. Einige exklusive kölsche Kultgegenstände wechselten an diesem Nachmittag den Besitzer. Das Resultat: 2900 Euro für die Spendenbüchse. 1700 Euro kamen dabei vom JGV Ahrbrück. Die Mitglieder hatten sich spontan in die Requisiten mit Bezug zum FC Köln verliebt und brachten ordentlich Geld mit und somit eine kräftige Finanzspritze für die kleinen Vereine in den kleinen Dörfern. .ROB

Höhepunkt des Tages: Auf der Bühne wurden Requisiten des Kölner Rosenmontagszuges versteigert. Foto: ROB

Höhepunkt des Tages: Auf der Bühne wurden Requisiten des Kölner Rosenmontagszuges versteigert. Foto: ROB

Verdiente Auszeit: Die Mitglieder der Feuerwehr Ahrbrück. Foto: ROB

Verdiente Auszeit: Die Mitglieder der Feuerwehr Ahrbrück. Foto: ROB

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