Allgemeine Berichte | 25.04.2022

Das Reha-Zentrum „Neurologische Therapie RheinAhr“ in Ahrweiler wurde von der Flut verwüstet

Neustart nach der Flut: „Alle haben alles gegeben“

Nun steht die Wiedereröffnung in Bad Neuenahr an.
Ohne das engagierte Team, Helfern und Spendern wäre das nicht möglich gewesen

Stefan Möller und Dr. Elke Vespo an einem neuen und modernen Laufband für neurologische Rehabilitation.  Foto: ROB

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Stefan Möller und Dr. Elke Vespo sitzen am Fenster eines neuen Büros auf dem Sprengnetter-Campus in Bad Neuenahr und sind glücklich. Überall stehen neue Möbel, Handwerker schrauben und hämmern, der Boden ist frisch versiegelt. Es herrscht Betrieb wie in einem Bienenstock. Auch einige junge Menschen des Helfer-Shuttles schleppen Schreibtische und Kisten hinein. Der Grund, warum das Team der „Neurologischen Therapie RheinAhr“, einem Zentrum für Rehabilitation, Eingliederung und Nachsorge, das einst in Ahrweiler seinen Sitz hatte, so glücklich ist, liegt auf der Hand: Es geht wieder los. Möller ist der Geschäftsführer des Zentrums und Vespo ist ärztliche Leiterin. Die beiden kümmern sich mit ihrem Team um Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall-Patientin, Menschen nach Schädel-Hirn-Trauma, entzündlichen und degenerativen Erkrankungen des Gehirns, Rückenmarks und der Nerven .

Eine waghalsige Idee

Der Weg bis hier hin war lang, wissen beide. Und eigentlich erschien die Idee weiterzumachen, zunächst ziemlich waghalsig, blicken Möller und Vespo zurück. Denn das alte Reha-Zentrum in der Schülzchenstraße stand bei der Flutkatastrophe des 14. und 15. Juli 2021 hoch unter Wasser und tief im Schlamm. „Alles war zerstört“, so Vespo. Das war keine Übertreibung. „Praktisch jedes elektrische Gerät, alle Therapiegeräte sowie das gesamte Inventar waren kaputt. Das gilt auch für alle Dokumente,“ fügt sie hinzu. Wie fast überall in Ahrweiler war die Zerstörung grenzenlos. Das Team des Reha-Zentrum stand zu diesem Zeitpunkt vor zwei Herausforderungen. Zum einen warteten erhebliche Aufräumarbeiten. Aber dann waren dann noch Patienten, die wie erwähnt oft mit schweren motorischen Einschränkungen zu kämpfen haben. „Viele Menschen, die von uns betreut werden, waren bereits vor der Flut nur eingeschränkt in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen,“ sagt Stefan Möller. „Und dann kam noch der Verlust der Infrastruktur dazu.“

Das Team der neurologischen Praxis half unmittelbar nach der Flut, wo es konnte. Dank Hausbesuchen konnten wichtig e Therapien zügig wieder aufgenommen werden. Denn zum Glück waren die Patientendaten in einer Cloud hinterlegt. Große Unterstützung, unter den veränderten Bedingungen weiterarbeiten zu können, gab es hierbei auch von den Krankenkassen. Räumlichkeiten für die Behandlung wurden in der ZNS Hannelore-Kohl Stiftung in Bonn zur Verfügung gestellt.

Gigantische Solidarität

Gleichzeitig lief der Wiederaufbau in der Schülzchenstraße. Vespo und Möller sind außerordentlich dankbar und stolz auf ihr Team. „Der Zusammenhalt und die Motivation wieder durchzustarten, war riesig“, so Vespo. Auch Helfer von außerhalb packten tatkräftig mit an. Möller erinnert sich in diesem Zusammenhang besonders an eine Einheit der Feuerwehr aus dem schleswig-holsteinischen Ritzerau und viele freiwillige Helfer, Freunde und Verwandte. „Alle gaben alles“, blicken beide dankbar zurück . Die Solidarität war also gigantisch. Dabei war es Möller und Vespo wichtig, dass auch die Helfer nicht zu kurz kommen. Das Team erhielt in regelmäßigem Abstand Supervision um die traumatischen Erlebnisse.

Mit High-Tech in die Zukunft

Am 2. Mai besteht das Zentrum sein 25. Jubiläum, es wurde 1997 von Dr. Paul Reuther gegründet. Und trotz der Flut kann dieser besondere Tag gefeiert werden. Denn wie erwähnt steht der Neubeginn in Bad Neuenahr in den Startlöchern. Die Räumlichkeiten waren einst ein Bundeswehrstandort und einiges renoviert werden. Bereits seit September liefen die Vorbereitungen. Türen mussten verbreitet werden und vieles musste erst barrierefrei umgebaut werden. Doch nun soll es wieder ganz um die Patienten gehen. Auch die notwendigen Geräten wurden anschafft, so auch ein modernes Laufband für neurologische Rehabilitation. Der Stand der Technik stimmt also. Dennoch mangelt es auch in der Gesundheitsbranche an Fachkräften. So wünschen sich Vespo und Möller noch Ergotherapeuten und Physiotherapeuten , die ihr Team nach dem Neustart tatkräftig unterstützen möchten. ROB

Das alte Zentrum in der Schülzchenstraße. Nach der Flut herrschte auch hier Zerstörung pur.  Foto: privat

Das alte Zentrum in der Schülzchenstraße. Nach der Flut herrschte auch hier Zerstörung pur. Foto: privat

Stefan Möller und Dr. Elke Vespo an einem neuen und modernen Laufband für neurologische Rehabilitation. Foto: ROB

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