Allgemeine Berichte | 03.08.2021

Drei Wochen nach der Katstrophe an der Ahr in Dernau

Überwältigende Hilfe durch Freiwillige und Institutionen macht Mut

Dutzende Helfer, insbesondere Jugendliche, sind nach Dernau gekommen. Fotos: WITE

Dernau. Nach dem schlimmen Ahrhochwasser von Mitte Juli laufen in den betroffenen Orten an der Ahr die Aufräumarbeiten unvermindert weiter. Etwa in Dernau. Dutzende von Baggern, Raupen und Transport-LKW bringen im Dauerbetrieb Müll, Schutt und Sperrmüll aus dem Tal. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Parallel laufen in vielen Gebäuden bereits die ersten Sanierungs-Vorarbeiten. Und Nachbarschaftshilfe wird großgeschrieben. Aber dies würde bei weitem nicht reichen. So sind es Dutzende kleiner Kolonnen von Menschen jeden Alters aus allen Teilen der Republik, die sich durch die schlimmen Zustände kämpfen. Vor allem Jugendliche, darunter zahlreiche Flüchtlinge. Auch am vergangenen Sonntag machte sich eine schier riesige Helferschar auf den Weg in die zerstörten Bereiche. Viele Menschen sind sich sicher, dass es ohne den Einsatz dieser „Ersthelfer“ sowie Landwirten mit ihrem schweren Gerät zum Ausbruch von Krankheitskeimen gekommen wäre. Und zahlreiche Betriebe aus ganz Deutschland haben Mitarbeiter unter Lohnfortzahlung freigestellt, um in dieser Situation helfen zu können. So hat ein Unternehmen aus Wipperfürth rund 40 Leute eingesetzt, um den demolierten Friedhof wieder würdig zu gestalten. Völlig zerstört ist hingegen die gesamte Infrastruktur der Ahrtalbahn ab Ahrweiler. Die Schienen sind heraus gerissen, und die meisten Brücken zerstört. Hier setzen sich unter anderem SPNV-Nord Verbandsdirektor Thorsten Müller, der Fahrgastverband Pro Bahn, Ahrtalbahnfreunde, der NRW-CDU Landtagsabgeordnete (und Sprecher für Europa für Verkehr) sowie verschiedene weitere Organisationen bereits frühzeitig und nachhaltig für einen Wiederaufbau dieses wichtigen Verkehrsträgers im Ahrtal ein. Möglichst soll dann die Weiterührung bis Adenau wieder reaktiviert werden. Für viele Menschen folgt aber jetzt der zweite Schock: Ihre Häuser sind durch das Hochwasser nicht mehr bewohnbar, und müssen abgerissen werden. Und von vielen Fachwerkhäusern steht nur noch das Balkengerüst. Für die Instandsetzung dieser historischen Bauten hat sich eine Initiative gegründet.

Frisches Essen

An verschiedenen Stellen gibt es täglich frisches Essen, so etwa in der Dagernova-Eventhalle vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Bonn. Und oftmals werden spontan andere Speisen angeboten, etwa eine frisch zubereitete Curry-Wurst, ebenso wie Obst. Aktiv im Ort sind neben dem DRK auch beispielsweise die Malteser, das THW, Feuerwehren aus der ganzen Republik sowie die Bundeswehr im Einsatz. Die Bundeswehr installierte am vergangenen Sonntag - direkt unterhalb der zerstörten Brücke am Weinbrunnenplatz - mit einem Spezial-Kettenfahrzeug einen neuen, mobilen Übergang über die Ahr. Diese dient der Entlastung der immerhin noch stehenden historischen Brücke an der „Steinbergsmühle“. Benutzt werden darf diese aber nur zu bestimmen Zeiten und nach Einweisung vor allem jedoch durch Hilfskräfte. Zuvor hatte die Bundeswehr dort im Kies einen Aufleger planiert. Die Bundeswehr hat sich auch um das mutmaßlich zerstörte Sportplatzgelände gekümmert. Ob der Sportverein Blau-Gelb Dernau wieder Mannschaften zum Spielbetrieb melden kann, ist derzeit noch ungewiss. Die Anlagen auf dem erst kürzlich umgestalteten Weinbrunnenplatz sind vollständig von den Ahrfluten weggeschwemmt worden. Ebenso der Serviceraum der ED-Tankstelle. Diese soll jedoch wieder in Betrieb genommen werden, erklärte Stefan Dewald gegenüber BLICK aktuell. In der ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Grundschule gibt es ein großes Angebot von Lebensmitteln, Getränken und Hygieneartikeln sowie Gebrauchsgegenständen jeder Art. Die Bundeswehr und ein Polizei-Wasserwerfer beteiligen sich an der Verteilung von Wasser. Dies bedingt in den engen Gassen mit den großen Fahrzeugen oftmals fahrerische Höchstleistungen. Vielfach funktioniert auch die Wasser- und Stromversorgung wieder. Telefon und WLAN hingegen können wegen der großen Schäden bislang noch nicht genutzt werden. Sehr gut funktionieren die von Ingrid Näkel-Surges und Heinz-Wilhelm Schauten sowie etlichen Helferinnen und Helfern organsierte „Bürgerinfo“ sowie das Bürgerbüro im überdachten „Hofgarten.“ Und auch Bürgermeister Fred Sebastian und dessen Stellvertreter, David Fuhrmann, sowie der Dernauer Krisenstab sind ständig im Ort unterwegs - und damit nah bei den Menschen. Mittlerweile stehen im Ort auch stationäre Duschen zur Verfügung, ebenso wie Waschmaschinen und Trockner an der Grundschule. Hier hatte zunächst auch eine Privatinitiative den Menschen geholfen. Und die Ärztin Astrid Näkel kümmert sich in ihrem Privathaus - unterstützt von vielen ebenfalls ehrenamtlich arbeitenden Ärzte-Kollegen - kostenlos für die Menschen. Viele, ältere Personen ebenso wie Kinder, sind nach dieser Katastrophe traumatisiert. Kurt Josten hat in seinem Haus einen Raum zur Verfügung gestellt, damit Kinder psychologisch betreut werden können. Und dass es weitergehen muss, zeigt eine weitere Privatinitiative, die in diesen Zeiten zumindest etwas Mut verbreitet: Als Grundstock für die Instandsetzung des ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogenen Kinderspielplatzes ruft eine Initiative dazu auf, pfandpflichtige Getränkeflaschen bei Caro und Marco Kriechel (direkt eingangs zur Bergstraße) abzugeben.

Die Bundeswehr installierte einen neuen, mobilen Übergang über die Ahr.

Die Bundeswehr installierte einen neuen, mobilen Übergang über die Ahr.

Völlig zerstört ist die gesamte Infrastruktur der Ahrtalbahn.

Völlig zerstört ist die gesamte Infrastruktur der Ahrtalbahn.

Dutzende Helfer, insbesondere Jugendliche, sind nach Dernau gekommen. Fotos: WITE

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Titelanzeige
Werbeplan 2026 / rund ums Haus
Image
Kirmes Moselweiß
2+1 Aktion
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Juli 2026
Empfohlene Artikel
So eine Standard-Kapelle ist bei den herkömmlichen Sightseeingtouren nicht unbedingt in den Top 10 mit dabei, schon gar nicht im Westerwald.
22

So eine Standard-Kapelle ist bei den herkömmlichen Sightseeingtouren nicht unbedingt in den Top 10 mit dabei, schon gar nicht im Westerwald. Aber wie gut, dass es die Kapelle am Heilborn gibt. Hier hat sich die Natur ihren Weg gebahnt und ein solider Baum wächst schnurstracks durchs Vordach. Offenbar hat dem Baum niemand erklärt, dass man normalerweise erst baut und dann pflanzt. Egal: Das Ergebnis ist jedenfalls spektakulär.

Weiterlesen

Weitere Artikel
(v.l.) Charlotte Jürgens (linke und rechte Hand) von Annette Bartsch (DSM-Direktorin)
906

Bad Neuenahr. Ein sportlich erfolgreicher Turniertag fand seinen krönenden Abschluss bei einer besonderen Abendveranstaltung im Steigenberger Hotel Bad Neuenahr. In stilvollem Ambiente kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Gäste sowie Organisatoren zusammen, um die besondere Atmosphäre des Turniers auch abseits der Tennisplätze zu genießen. Der Abend stand ganz im Zeichen regionaler Gastfreundschaft, langjähriger Verbundenheit und des gemeinsamen Blicks in eine erfolgreiche Zukunft des Turniers.

Von HTC Bad Neuenahr aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Weiterlesen

Symbolbild.
234

Tragische Unfälle in Köln: Zwei Menschen erliegen Verletzungen

Seniorin und Mann sterben nach schweren Unfällen in Köln

Köln. Die Staatsanwaltschaft und Polizei Köln haben mitgeteilt, dass die 89-jährige Fußgängerin, die am 8. Juli in Köln-Westhoven von einer Stadtbahn erfasst wurde, am Freitagmorgen, dem 24. Juli, im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen erlegen ist.

Weiterlesen

Mitglieder und Freunde des VdK Ortsverbandes Mayen.Tagesausflug nach Luxemburg.
175

Mayen. Der Sozialverband VdK zählt in der Stadt Mayen mittlerweile über 1.000 Mitglieder und ist damit einer der größten Sozialverbände vor Ort. Die kompetente Beratung und Unterstützung der Mitglieder durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der VdK-Geschäftsstelle sowie eine engagierte Mitgliederbetreuung durch den Vorstand gehören zu den zentralen Aufgaben des Ortsverbandes.

Von Stefan Müller aus Mayen

Weiterlesen