Allgemeine Berichte | 15.09.2021, 08:30 Uhr

Zerstörte Eisenbahnstrecken nach Hochwasser: SPNV-Nord richtet dringenden Appell an den Bund

Wiederaufbau der Ahrtalbahn: Elektrifizierung und zweigleisigen Ausbau ermöglichen

Eifel- und Ahrtalstrecke besser aufbauen

Unwetterschäden an der Bahninfrastruktur. Foto: DB Presse
2005

Kreis Ahrweiler. Auch nach über 8 Wochen kann noch kein Zug die durch das Hochwasser verwüsteten und zerstörten Eisenbahnstrecken im Ahrtal und entlang der Kyll fahren. Die betroffenen Mitglieder des SPNV-Nord richten einen dringenden Appell an den Bund als Eigentümer und Verantwortlichen der Schieneninfrastruktur.

Katrin Eder, Staatssekretärin im rheinland-pfälzischen Mobilitätsministerium: „Durch den Beschluss im Bundestag und Bundesrat wurden bereits einige begrüßenswerte Erleichterungen für einen raschen Wiederaufbau in die Wege geleitet. Die Planungsprozesse sind verkürzt und die Möglichkeiten etwa für neue Leit- und Sicherungstechnik geschaffen worden. Der Wiederaufbau sollte dazu genutzt werden, notwendige Optimierungen an der Strecke vorzunehmen, um die Schieneninfrastruktur zukunftsfähig aufzustellen. Hierbei soll die Elektrifizierung der Strecken und der zweigleisige Ausbau ermöglicht werden, um künftig klimaneutrale Mobilität und eine Fahrgastverdopplung auf der Schiene erreichen zu können.“

Der amtierende Verbandsvorsteher Andreas Ludwig, Beigeordneter der Stadt Trier, setzt sich stark für eine attraktive Verbindung zwischen Trier und Köln ein: „Wir brauchen unbedingt schnelle umsteigefreie Reisezeiten zwischen beiden Städten. Für den Trierer Raum und die Eifel sind die Fernverkehrsanbindungen in Köln sehr zentral und wir müssten auf der Relation Trier – Köln in die Nähe von 90 min Fahrzeit kommen. Der Wiederaufbau muss die Reisezeiten deutlich verbessern. Dafür ist die Beseitigung der vielen eingleisigen Streckenabschnitte und eine Erhöhung der Streckengeschwindigkeit erforderlich.“

Landrat Günther Schartz betont die Bedeutung elektrischer Züge: „Die Streckencharakteristik durch die Eifel spricht sehr für moderne elektrische Züge. Ohne die Elektrifizierung bleibt die Region Trier und die Eifel abgehängt. Elektrische Züge sind für die Klima- und Mobilitätswende zwingend erforderlich. Beim Wiederaufbau muss eine schnelle Umsetzung der Elektrifizierung berücksichtigt werden. Auch die vielen alten untergegangenen Stellwerke müssen jetzt durch moderne elektronische oder digitale Stellwerke ersetzt werden, die erst einen leichtgängigen Zugverkehr ermöglichen.“

Ein besserer Aufbau der Schiene ist Landrätin Julia Gieseking auch für die Wirtschaft in der Eifel wichtig: „In meinen Gesprächen mit der heimischen Wirtschaft im Landkreis Vulkaneifel hat insbesondere der Gerolsteiner Brunnen uns aufgefordert, bis spätestens 2030 durch eine Elektrifizierung der Strecke die Voraussetzungen für klimafreundliches Wirtschaften zu schaffen. Wir brauchen schnell und nicht erst in 10 Jahren diese Verbesserungen in der Eifel. Neben der Logistik profitiert davon auch der Arbeitsmarkt, weil Menschen schnell und klimafreundlich mit dem Zug zur Arbeit fahren können und nicht immer das Auto brauchen.“

Der Erste Kreisbeigeordnete des Eifelkreises Bitburg-Prüm, Michael Billen, der derzeit die Amtsgeschäfte führt, geht auf die Bauweise der Schiene ein: „Wir haben gesehen, wie schnell die offene Bauweise der Schiene dem vielen Wasser nicht mehr standhalten konnte. Der Bahnschotter ist weggeschwemmt, Dämme sind abgetragen, Brücken unterspült, eingestürzt und in den Fluten weggerissen worden. Insbesondere unsere Schüler sind die Leidtragenden, denn die sind besonders auf die schnellen Schienen-verbindungen angewiesen und leiden jetzt unter den langen Fahrzeiten auf der Straße. Wir müssen jetzt unsere Schiene wieder so resilient aufbauen, dass beim nächsten Hochwasser nicht wieder alles vorne anfängt.“

Immer noch fassungslos ob der sehr massiven Zerstörung auch bei der Schiene im Ahrtal geht der 1. Kreisbeigeordnete Horst Gies auf das Planungsrecht ein: „Wir können die Schiene nicht genau so aufbauen wie es war, dann hält es dem nächsten Hochwasser wieder nicht stand. Der Bund als Eigentümer muss dem Infrastrukturbetrieb der Deutschen Bahn sehr viel Planungserleichterung und beste Finanzierungsmöglichkeiten geben, dass die Schiene schnell und resilient aufgebaut werden kann. Wir brauchen für die Mobilität der Bürger zur Arbeit, zur Schule, in der Freizeit, für den Tourismus und für die vielen Ausflugsmöglichkeiten im Ahrtal schnell wieder den Schienenverkehr. Die Züge müssen aus Bonn schnellstmöglich mindestens bis Ahrbrück und gerne weiter bis Adenau wieder fahren können und bitte nicht erst in 5 Jahren.“

Alle Beteiligten werden aufgefordert, einen beschleunigten Wiederauf- und -ausbau der durch die Unwetterkatastrophe zerstörten bzw. beschädigten Schieneninfrastruktur voranzutreiben. Der SPNV-Nord hat zusammen mit dem Nahverkehr Rheinland (NVR) für das zukünftige Zugangebot und den sich daraus ergebenden Infrastrukturbedarf eine Fahrplanstudie beauftragt. Mit DB Netz ist abgestimmt, dass deren Aufbauplanungen und die Studie verknüpft werden. Die Ergebnisse werden schon im 4. Quartal 2021 erwartet.

Pressemitteilung SPNV-Nord

Unwetterschäden an der Bahninfrastruktur. Foto: DB Presse

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