Allgemeine Berichte | 04.03.2021

Albert Dietz, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler, zur Rückkehr des Wolfes in den Kreis Ahrweiler

„Wölfe scheuen die Nähe des Menschen“

Albert Dietz. Foto: privat

Albert Dietz. Foto: privat

Kreis Ahrweiler. Mitte Februar wurde im Kreis Ahrweiler eine bedeutende Entdeckung gemacht. Der Wolf ist in die Region zurückgekehrt. Gesichtet wurde ein Wolf noch nicht. Aber die zurückgelassenen Spuren sprechen eine deutliche Sprache. Bei Adenau und Remagen rissen ein oder mehrere Tiere über ein Dutzend Schafe. Dies ergab eine Genanalyse.

BLICK aktuell sprach nun mit Albert Dietz, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Ahrweiler über den neuen Waldbewohner.

BLICK aktuell: Der Wolf ist wieder im Kreis Ahrweiler angekommen. Ist das ein Zeichen für eine funktionierende Natur?

Albert Dietz: Dass Wölfe in Mitteleuropa wieder ihre ehemaligen Lebensräume suchen, ist in erster Linie darauf zurück zu führen, dass ihre Bejagung erschwert wurde und das Nahrungsangebot durch Wild- und auch Weidetiere hier sehr gut ist. Damit hat der Mensch indirekt dafür gesorgt, dass diese Lebensräume wieder attraktiv geworden sind. Ein ausbalanciertes Ökosystem entsteht jedoch erst durch sehr langfristige Prozesse und kann sich erst einstellen, wenn der Mensch nur behutsam in diese Prozesse eingreift.

BLICK aktuell: Welche Bedeutung hat der Wolf für den Mensch sowie Nutz- und Haustiere?

Dietz: Der Wolf besetzt eine ökologische Nische und kann in dieser Funktion dafür sorgen, dass Wildbestände gesund bleiben, da er insbesondere schwache und kranke Tiere jagt. Nutztiere sind durch Wölfe gefährdet, da sie in der Regel vor dem Wolf nicht fliehen können. Hier müssen die Nutztierhaltenden durch geeignete Maßnahmen für die Sicherheit der Tiere sorgen. Es ist ein gesellschaftliches Anliegen, die Nutztierhaltenden dabei durch Beratung und Förderung zu unterstützen. Hinweise hierzu unter https://snu.rlp.de/de/foerderungen/foerderung-herdenschutz/.

Der Wolf konzentriert sich auf einfach zu erlegende Beute. Er scheut daher die Nähe des Menschen. Sofern sich Haustiere in der unmittelbaren Nähe von Menschen befinden, besteht für sie deshalb keine Gefahr.

BLICK aktuell: Wie würden Sie das weitere Verhalten einschätzen? Zieht der Wolf weiter oder bleibt er hier?

Dietz: Es hängt von vielen Bedingungen ab, ob sich Wölfe hier etablieren. So stehen beispielsweise Nahrungsangebot und Rudelanzahl in direktem Verhältnis zueinander. Wie jede Lebensform wird auch der Wolf alle Nischen besetzen, die sich ihm bieten und daher so weit ziehen, wie es ihm die Umstände erlauben.

BLICK aktuell: Ist der Wolf eine Bereicherung für die heimische Fauna oder eher eine Bedrohung?

Dietz: Für die heimische Fauna ist der Wolf keine Bedrohung. In einem ausbalancierten Ökosystem hat jede Lebensform ihren Platz - auch wenn sich für uns ihre Bedeutung nicht auf Anhieb erschließt. Wölfe können dabei unterstützen, die Wildtierbestände zu regulieren, sie hätten einen positiven Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht im Wald.

BLICK aktuell: Was sind die weiteren Schritte? Wie geht man nun mit der Situation um?

Dietz: Das Land Rheinland-Pfalz hat den Handlungsbedarf bereits seit langem erkannt und einen Managementplan für den Umgang mit Wölfen entwickelt. Wir sind zuversichtlich, dass diese Maßnahmen dazu beitragen, dass sich die Nutztierhaltung den veränderten Randbedingungen anpassen kann. https://snu.rlp.de/de/projekte/woelfe/managementeplan/.

ROB

Albert Dietz. Foto: privat

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