Allgemeine Berichte | 07.07.2020, 08:28 Uhr

Zahl der Arbeitslosen steigt im Ahrkreis im Juni nicht weiter an

Zaghafte Entspannung am Arbeitsmarkt

Kreis Ahrweiler. Der regionale Arbeitsmarkt zeigte im Juni erste zaghafte Anzeichen von Entspannung. Zumindest gab es keinen nennenswerten Anstieg der Arbeitslosenzahlen mehr. So weist die Statistik für den Landkreis Ahrweiler zum Monatsende 3.174 arbeitslose Menschen aus, das sind lediglich vier mehr als im Mai. Auch wenn dies nach der Entwicklung in den Vormonaten erfreulich ist, sind dies immer noch 838 Arbeitslose mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stagniert bei 4,5 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 3,3 Prozent.

Bei der Betrachtung der beiden Rechtskreise des Sozialgesetzbuches (SGB), die sich mit Arbeitslosigkeit befassen, gibt es geringfügige Unterschiede in der aktuellen Entwicklung. So ging die Arbeitslosigkeit im SGB III (Arbeitsagentur) seit April um 18 auf 1.662 zurück, während sie im SBG II (Jobcenter) um 22 auf nun 1.512 anstieg. Vor einem Jahr waren im SGB III 577 und im SGB II 261 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.

Auch beim Stellenmarkt scheint der größte Einbruch zumindest vorläufig überwunden. So wurden dem Arbeitgeberservice im Juni 145 neue Stellen gemeldet – 52 mehr als im Mai. Insgesamt registrieren die Statistiker der Arbeitsagentur damit derzeit im Ahrkreis 444 offene Arbeitsstellen. Das sind 308 weniger als vor einem Jahr.

Nach wie vor spielt die Kurzarbeit in der Corona-Krise am Arbeitsmarkt eine herausragende Rolle. In den letzten vier Wochen zeigten 22 Betriebe für 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an – im Mai waren es noch 88 Betriebe und 1.308 Personen. Insgesamt gab es seit Anfang April 1.464 Anzeigen für 12.773 Beschäftigte aus der Region.

Da mit einer solchen Anzeige lediglich die Möglichkeit geschaffen wird, Kurzarbeit zu nutzen, ist dies jedoch nur ein Indiz dafür, wie viele Betriebe und ihre Mitarbeiter(innen) diese Unterstützung tatsächlich nutzen. Klarheit wird es erst mit Verzögerung geben, da die Abrechnung im Nachhinein erfolgt und die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur einzureichen.

„Es ist zu früh, um von einer echten Entspannung zu sprechen“, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Aber wir sind froh, dass der Abwärtstrend zumindest vorläufig gestoppt ist und auch der Stellenmarkt sich langsam wiederbelebt.“ Gerade Letzteres stehe in deutlichem Zusammenhang mit der beginnenden Feriensaison und den gelockerten Reiseauflagen, von denen vor allem gastronomische Betriebe nach wochenlanger Durststrecke profitierten.

Wie nachhaltig der derzeitige Trend ist, wagt Schmidt allerdings nicht vorherzusagen. „Das hängt eng mit dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie zusammen. Sollte es in unserer Region zu Entwicklungen kommen wie derzeit in bestimmten Regionen Nordrhein-Westfalens, könnten die Zahlen sehr schnell wieder schlechter werden. Bleibt es zumindest im Sommer ruhiger, beruhigt sich in den nächsten Wochen vielleicht auch der Arbeitsmarkt weiter. Dass wir sehr schnell dort weitermachen können, wo Corona uns gestoppt hat, ist aber auch bei günstigstem Verlauf mehr als unwahrscheinlich. Dafür haben Virus und Lockdown bei vielen Unternehmen zu tiefe Wunden hinterlassen.“

Wunden, die auch den regionalen Ausbildungsmarkt beeinflussen – allerdings nicht so sehr, dass die Ausbildung 2020 grundsätzlich gefährdet ist. Zwar wurden seit Oktober vergangenen Jahres rund 100 Lehrstellen weniger gemeldet als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, während rund 30 Jugendliche mehr um Unterstützung bei der Ausbildungssuche nachfragten. Trotzdem gibt es Ende Juni mehr unbesetzte Lehrstellen (305) als unversorgte Bewerber (229). Statistisch betrachtet kommen damit 1,3 Stellen auf einen Bewerber.

Dennoch sei dies kein leichtes Jahr für junge Menschen, die den Übergang von der Schule ins Berufsleben schaffen wollen, betont Frank Schmidt. „Viele langgehegte Träume – wie zum Beispiel Auslandsaufenthalte - lassen sich wegen Corona nicht umsetzen und müssen kurzfristig durch möglichst attraktive Alternativen ersetzt werden. Das verlangt den Jugendlichen viel Flexibilität ab. Erschwerend kommt hinzu, dass auch unsere Berufsberatung lange Zeit nur telefonisch erreichbar war.“ Zwar reagiere man mit neuen Formaten wie „Walk & Talk“ oder den „Azubispots“ auf die Krise, um den Kontakt so persönlich wie möglich zu gestalten. „Aber auch hier sind wir noch ziemlich weit vom Normalbetrieb entfernt.“

Dass die Aussichten der jungen Leute dennoch relativ günstig seien, liege denn auch vor allem an dem grundsätzlichen Nachwuchsmangel, der ja trotz Corona bestehen bleibe. Ohne die aktuelle Krise gäbe es zweifellos noch viel mehr Lehrstellen, die nicht besetzt werden könnten. „Wir appellieren deshalb an die Unternehmen, nicht leichtfertig auf einen ganzen Ausbildungsjahrgang zu verzichten. Spätestens nach Corona wird es wieder darum gehen, genügend Fachkräfte an sich zu binden, um für die Zukunft gerüstet zu sein.“

Pressemitteilung

Agentur für Arbeit

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