Allgemeine Berichte | 18.09.2025

Abschied von einer Zoo-Persönlichkeit

Zoo Neuwied: Berberlöwe Schröder mit 19 Jahren gestorben

Berberlöwe Schröder ist mit 19 Jahren gestorben.Foto: Marc Siepenkötter

Neuwied. Er war einer der bekanntesten Bewohner des Zoo Neuwied, auf vielen Plakaten zu sehen und äußerst beliebt bei den Besuchern: Berberlöwenkater ‚Schröder‘. Drei Jahre nach der Ankunft der ersten Berberlöwen aus Marokko war Schröder im Mai 2006 nach mehreren Würfen mit weiblichen Jungtieren der erste männliche Berberlöwennachwuchs in der Deichstadt. „Alle Jungtiere vor und nach ihm haben afrikanische Namen bekommen, aber da kurz vor seiner Geburt unser langjähriger Raubtierpfleger gestorben war, haben wir ihm zu Ehren den kleinen Kater etwas unkonventionell ‚Schröder‘ genannt“, erinnert sich Zoodirektor Mirko Thiel.

2010 übernahm Schröder die Rolle des Zuchtkaters im Zoo Neuwied und zeugte zwischen 2011 und 2021 dreizehn gesunde Jungtiere, die mittlerweile in Zoos und Tierparks in ganz Europa leben und selbst vielfach schon Nachwuchs hatten. „Der Berberlöwe, die nordafrikanische Unterart des Löwen, ist in ihrem natürlichen Lebensraum im Atlasgebirge bereits vor ziemlich genau 100 Jahren ausgerottet worden“, weiß der Zoodirektor. „Die heutige europäische Zoopopulation stammt von einigen wenigen Individuen ab, die in einem Privatreservat des marokkanischen Königshauses überdauert hatten, von wo wir 2003 drei Tiere importiert haben. Aktuell wird die Population der Berberlöwen in Europa vom Zuchtbuch mit unter 50 Tieren angegeben – da kann man sich vorstellen, was für eine Bedeutung ein Individuum wie unser Schröder für den Erhalt der ganzen Art hatte.“

Seit letzter Woche muss Zoodirektor Thiel in der Vergangenheitsform von Schröder sprechen, denn gemeinsam mit seinem Team und externen Tierärzten musste er die schwere Entscheidung treffen, den 19 Jahre alten Löwenkater einzuschläfern. In der Natur werden Löwen etwa 12 bis 15 Jahre alt. In Zoos liegt die Lebenserwartung höher, da die Tiere medizinisch versorgt werden und auch dann noch ausreichend Futter bekommen, wenn sie in der Natur schon längst nicht mehr zum selbstständigen Beuteerwerb in der Lage wären. „Schröder war daher noch bis ins hohe Alter ein stattlicher Kater, aber in den letzten Monaten hat er dann doch zusehends abgebaut. Als er dann Anfang September kaum noch aufstehen konnte und das Fressen einstellte, war für alle, die mit ihm gearbeitet haben, klar, dass der Zeitpunkt gekommen war, ihn einzuschläfern“, erklärt Thiel die Entscheidung.

„Unsere Zootierärztin hat die Euthanasie in Schröders vertrauter Umgebung durchgeführt und er ist schmerzlos eingeschlafen“, so der Zoodirektor weiter. Die Ergebnisse aus der Pathologie in Gießen bestätigen, dass der Schritt richtig war: Der Kater hatte diverse altersbedingte Probleme, darunter degenerative Veränderungen am Gehirn, an den Nieren und mehrere Bandscheibenvorfälle. Mirko Thiel fasst zusammen: „Seine Lebensqualität hatte sich rapide verschlechtert und im natürlichen Lebensraum wäre er schon lange nicht mehr überlebensfähig gewesen. Von daher war es richtig, ihm größeres Leiden zu ersparen.“

Aktuell ist die 14-jährige Löwin Zari allein in der Löwenanlage. Wie es mit ihr und der Berberlöwenhaltung im Zoo Neuwied weitergeht, wird in Absprache mit dem Ex-situ Programm des europäischen Zooverbands EAZA in den nächsten Wochen erörtert. Klar ist: Schröders Linie wird weiterleben – in seinen zahlreichen, über ganz Europa verteilten Nachkommen und in den Spermien, die nach seinem Tod entnommen und konserviert wurden, als ein weiteres Puzzleteil im Kampf gegen das endgültige Aussterben der Berberlöwen.

Pressemitteilung Zoo Neuwied

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