Allgemeine Berichte | 07.07.2025

Internationale Experten setzen zum Jahrestag der Ahrtal-Flut auf den gegenseitigen Austausch

Zusammenhalt in der Region ist der entscheidende Faktor

An der Baustelle Heppinger Brücke informierte Maximilian Kranich von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft die Teilnehmer der Exkursion. Fotos: GS

Kreis Ahrweiler. Hochwasserkatastrophen sind lokal, das Problem ist international. Da tut Austausch Not. Zum vierten Jahrestag der Flutkatastrophe im Ahrtal hat die frühere Mainzer Wirtschaftsministerin und stellvertretende MInisterpräsidentin Eveline Lemke von Thinking Circular an der Umweltlernschule des AWB Niederzissen und am Campus Remagen Wissenschaftler, Ingenieure sowie Vertreter von Wirtschaft und Betroffenenverbänden aus Deutschland, den Niederlanden, Italien und Spanien zusammengebracht. Das Ziel: Gemeinsam die eigenen Situationen vergleichen und reflektieren. Unterstützt wurde Lemke dabei von einem Netzwerk von Unternehmen, das den Ansatz des intensiven europäischen Austausches schätzt.

Exkursion ins Ahrtal

Dabei gaben die offensichtlichen Analogien zwischen den Überschwemmungen, die Deutschland 2021 heimsuchten und das Hochwasser in Valencias 2024, Anlass zum Nachdenken, insbesondere nach einer Exkursion ins Ahrtal und Workshops sowie den Untersuchungsergebnissen der Wissenschaftler. Fachkundige Erläuterungen gab es im Ahrtal von Markus Becker an der Sinziger Kläranlage, von Robert Füllmann an den Lohrsdorfer Auen, über einen neuen Ansatz für Brücken informierte an der Heppinger Brücke Maximilian Kranich von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft der Kreisstadt und Maximilian Schell von der Zukunft Mittelahr widmete sich dem Thema „Dernau: Ein Dorf erfindet sich neu“. Fazit der Teilnehmerinnen Rosa Álvarez und Carmen Gil, Präsidentin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Todesopfer von „Dana 29O“, selbst vom Hochwasser in Valencia betroffen: „Wenn man sieht, wie es Deutschland vier Jahre später geht, stehen wir in Valencia gar nicht so schlecht da.“

Starke Ähnlichkeiten

Es gibt Unterschiede und starke Ähnlichkeiten zwischen den beiden Katastrophen, die die Teilnehmer des Programms immer wieder hervorheben. Ein ähnliches Gebiet, wenn auch mit unterschiedlichem Erscheinungsbild, eine ebenso ähnliche Zahl an Todesopfern und ein gemeinsames Element: „Die bewundernswerte Reaktion der Stadt Valencia nach der Katastrophe“, ein Schlüsselfaktor, der nach Meinung von Rosa Álvarez und Carmen Gil erklärt, warum die Situation in Spanien, nach der Betrachtung des Wiederaufbaus im Ahrtal, einen positiven Ausblick zulässt. „Hoffnung ist es, die uns weitermachen lässt“, betonen sie.

„Hoffnung und Gerechtigkeit“

„Hoffnung, Widerstandsfähigkeit, Wiedergutmachung … und Gerechtigkeit – das dürfen wir nicht vergessen, denn es ist sehr wichtig.“ Sowohl Álvarez als auch Gil konnten mit Menschen sprechen, die wie sie von den grausamen Auswirkungen der Tragödie in einer Region Deutschlands betroffen waren, die in gewisser Weise noch immer in den Ereignissen des Jahres 2021 verankert ist. Menschen wie der Heimersheimer Architekt Udo Heimermann, mit dem sie sprachen, um zu erfahren, wie sie diese dramatischen Stunden erlebten und wie sie zur allmählichen Rückkehr zur Normalität beigetragen haben. Die Lehre daraus: „Der Zusammenhalt innerhalb der Region ist der entscheidende Faktor, wie im Ahrtal, so auch in Valencia nach den Schäden, die die Dana angerichtet hat.“ Und noch eine weitere Lehre: Die umgesetzten Sicherheitsmaßnahmen müssen vom Prinzip der Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen geleitet werden – eine Variable, die bei keiner der beiden Katastrophenmaßnahmen vollständig funktioniert hat.

Austausch tut Not

Das große Fazit der Veranstaltung der rund 100 Fachleute, die auch mit Staatssekretär Michael Hauer vom Umweltministerium und der Europaabgeordneten Jutta Paulus (Grüne) zusammentrafen, ist „die Notwendigkeit den direkten Austausch der Betroffenen, der Manager des Wiederaufbaus in den Kommunen mit der Wissenschaft und den Behörden zu führen“. Gegenseitiger Erkenntnisgewinn helfe bei Einordnung der eigenen Herausforderungen und ermögliche Lernen durch Betrachten von außen. „Dafür wollen sich sie Beteiligten weiter einsetzen“, sagt Eveline Lemke. „Das schließt auch ein, dass ein derartiger Erkenntnisaustausch wie jetzt im Kreis Ahrweiler, der ein Element von Klimaresilienz ist, ebenfalls mit der Politik zu führen ist. Unterstützung ist dabei natürlich willkommen.“ Wobei Klimaresilienz nach der Definition die Fähigkeit von Gesellschaften oder Ökosystemen beschreibt, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen und sich davon zu erholen, während sie gleichzeitig ihre Strukturen und Funktionsweisen an langfristige Veränderungen anpassen. Es geht also nicht nur um die Bewältigung kurzfristiger Schocks wie Überschwemmungen, sondern auch um die langfristige Anpassung an veränderte Bedingungen und Unsicherheiten. GS

Diplom Ingenieur Markus Becker (Mitte) informierte über die Flutauswirkungen am Sinziger Klärwerk.

Diplom Ingenieur Markus Becker (Mitte) informierte über die Flutauswirkungen am Sinziger Klärwerk.

Martin Schell berichtete auf der neuen Ahrbrücke über „Dernau: Ein Dorf erfindet sich neu“.

Martin Schell berichtete auf der neuen Ahrbrücke über „Dernau: Ein Dorf erfindet sich neu“.

Überblick: Eveline Lemke mit Teilnehmern auf einem Weinbergsweg oberhalb von Heppingen und Heimersheim.

Überblick: Eveline Lemke mit Teilnehmern auf einem Weinbergsweg oberhalb von Heppingen und Heimersheim.

An der Baustelle Heppinger Brücke informierte Maximilian Kranich von der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft die Teilnehmer der Exkursion. Fotos: GS

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Schmitz, P: Die illegale Abfallentsorgung nimmt leider Überhand. Habe schon mehrere Male Firmenmitarbeiter von ausländische klingenden Firmen bei mir am Glas Container in der Straße aufgefordert ihren Müll wieder au zu laden.

Immer mehr Vandalismus in Bad Neuenahr-Ahrweiler

  • Schmitz, P: Leider gibt es in Deutschland viel zu wenige Kameras zur Videoüberwachung von öffentlichen Einrichtungen. Überall sonst in Europa ist das kein Problem.
  • Jürgen Stark : Diejenige, die es betrifft lesen den Artikel eh nicht und es ist ihnen egal.
  • MädchenMom: Aus pädagogischer, gesellschaftlicher und gleichstellungsbezogener Perspektive halte ich eine geschlechtsbezogene Ausgrenzung in der Kinder- und Jugendarbeit für problematisch. In einer modernen Gesellschaft,...
Dauerauftrag 2026
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Innovatives rund um Andernach
Kirmes in Weißenthurm
Hafenkonzert Brohl
Empfohlene Artikel
Freude in Heppingen und Gimmigen: mit dem offiziellen Spatenstich konnte der Bau des neuen Feuerwehrhauses begonnen werden. Foto: DU
76

Bad Neuenahr-Ahrweiler/Heppingen/Gimmigen. Freude bei den Menschen in Heppingen und Gimmigen und ganz besonders bei den Feuerwehrfrauen- und Männern beider Orte: mit dem kürzlich erfolgten Spatenstich wurde offiziell mit dem Bau des dringend benötigten neuen Feuerwehrhauses an der Landskroner Straße am westlichen Ortsausgang von Heppingen begonnen. Die zuvor als jeweils eigenständige Einheiten aktiven...

Weiterlesen

Der betroffene Abschnitt in der Polcher Straße. Grafik: Michael Guthart
662

Mayen. Im Zuge des Glasfaserausbaus in Mayen führt die Deutsche Telekom Technik im Auftrag der GlasfaserPlus Tiefbauarbeiten durch. Die ausführende Baufirma ist die R-SPACE GmbH. Im Bereich der Polcher Straße kommt es daher im Zeitraum vom 26. Mai bis 19. Juni, jeweils nachts in der Zeit von 19 Uhr bis 6 Uhr abschnittsweise zu Änderungen der Verkehrsführung, Umleitungsverkehr und nächtlichen Bauarbeiten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Foto: Kaikoro – Adobe Stock
400

Köln. Auf der A4 in Richtung Heerlen/Aachen zwischen Köln-Klettenberg und dem Kreuz Köln-West ist die Fahrbahn zurzeit auf zwei Fahrstreifen verengt. Wie der ADAC meldet, ist ein Feuerwehreinsatz ursächlich für die Sperrung eines der Fahrstreifen. BA

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
47

45-Jähriger wehrte sich gegen polizeiliche Maßnahmen und Behandlung durch Rettungsdienst

23.05.: Neuwied: E-Scooterfahrer stürzt und zieht sich schwere Kopfverletzungen zu

Neuwied. Am Samstagmittag, 23.05.2026, wurde der Polizei Neuwied ein Verkehrsunfall mit einem alleinbeteiligten E-Scooter-Fahrer im Bereich Neuwied-Niederbieber gemeldet. Vor Ort stellte sich heraus, dass der 45-jährige Neuwieder ohne Fremdbeteiligung zu Fall gekommen und auf den Kopf gestürzt sein dürfte.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
34

Mechernich. Am Freitagnachmittag (22. Mai) fiel ein 25-jähriger mechernicher Fahrzeugführer auf, nachdem er von Zülpich kommend in Richtung Kall in Schlangenlinien fahrend angehalten und kontrolliert werden konnte. Hierbei stellte die kontrollierende Streifenwagenbesatzung fest, dass der junge Mann nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war und unter Drogeneinfluss stand.

Weiterlesen

"Harald Schweiss"
Gesundheitsmagazin
Gesundheitsmagazin
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Gesundheitsmagazin
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Anzeige Show Alive
Rigomagvs-Fest
Bauschutt-Container Anzeige
Kirmes in Weißenthurm
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Mitarbeiter/in Patientenanmeldung
JGV-Fest Ringen-Bölingen
JGV-Fest Ringen-Bölingen
JGV-Fest Ringen-Bölingen
Anzeige KW 21