Politik | 08.07.2026, 14:57 Uhr

Bedrohliche Reformpläne: Krankenhäuser fürchten finanzielle Engpässe

Landräte im Widerstand: Einmütige Kritik an geplanter GKV-Reform

Mit Unverständnis, Empörung und Entsetzen haben die Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz im Rahmen ihrer jüngsten Landrätekonferenz Nord im Neuwieder Kreishaus die aktuell auf Bundesebene diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Kenntnis genommen und gemeinsamen Widerstand angekündigt.
152

Neuwied. Die jüngste Landrätekonferenz Nord in Neuwied bot einen Schauplatz für die einhellige Ablehnung der in Berlin diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Landrätinnen und Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz äußerten sich mit Unverständnis und Empörung über die Pläne, die sie als „Katastrophe“ bezeichneten. Achim Hallerbach, Vorsitzender der Landrätekonferenz Nord, fasste die Kritik der Kreise zusammen, indem er die Reform als potenziellen „Genickschlag“ für die bereits konsolidierten Krankenhäuser bezeichnete.

In Neuwied hatte Landrat Hallerbach in den vergangenen Tagen intensive Gespräche mit den Verantwortlichen der vier Krankenhäuser des Landkreises geführt. Gemeinsam mit Bürgermeister Jan Einig und Pierre Fischer, dem Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach, besuchte er das Marienhaus Klinikum Neuwied-Waldbreitbach, um sich mit Thorsten Kopp, dem Regionalgeschäftsführer der Marienhaus-Gruppe, über die drohenden Auswirkungen der Reform auszutauschen.

Julia Gieseking, 1. Stellvertreterin des Landkreistages Rheinland-Pfalz, warnte vor einer Negativspirale. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten könnten nicht mehr komplett refinanziert werden, was den finanziellen Spielraum für notwendige Investitionen erheblich einschränken würde. Zudem müssten die Krankenkassen versicherungsfremde Leistungen in Milliardenhöhe erbringen, die eigentlich der Bund tragen sollte.

Die Reformpläne könnten für die Krankenhäuser im Kreis Neuwied massive finanzielle Verluste bedeuten. Kleine Kliniken stünden vor jährlichen Defiziten zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro, während mittelgroße Kliniken 3,5 Millionen Euro pro Jahr verlieren könnten. Die Marienhaus-Gruppe müsste ein Minus von etwa 6 Millionen Euro jährlich verkraften. Da alle betroffenen Krankenhäuser in freier Trägerschaft sind, droht ihnen der Verlust der Liquidität, was die Landkreise dazu zwingen könnte, als Betreiber einzuspringen und die ohnehin belasteten kommunalen Haushalte weiter zu belasten.

Landrat Hallerbach kritisierte, dass die Bundesregierung auf eine kalte Strukturpolitik setze, die die medizinische Versorgung im ländlichen Raum gefährde. Die Reform zwinge Kreise und Städte dazu, Defizite oder ganze Krankenhäuser zu übernehmen, ohne dass eine notwendige Strukturreform in Rheinland-Pfalz vollzogen worden sei. Der Zeitpunkt der Diskussion, mitten in der Sommerpause, erschwere die Abstimmungsprozesse zusätzlich.

Die gestrige Videoschalte der Oberbürgermeister und Landräte mit Bundestagsabgeordneten aus CDU und SPD hinterließ den Eindruck, dass an den Einsparvorschlägen kaum noch etwas zu ändern sei. Der Dachverband der deutschen Krankenhausträger (DKG) sprach ebenfalls von einem „drohenden Kahlschlag“ und legte 25 Maßnahmenvorschläge zur Deregulierung und Kostensenkung vor. Diese Vorschläge, die ein Entlastungspotenzial von 15 Milliarden Euro bieten könnten, fanden jedoch keine Berücksichtigung. BA

Mit Unverständnis, Empörung und Entsetzen haben die Landräte aus dem Norden von Rheinland-Pfalz im Rahmen ihrer jüngsten Landrätekonferenz Nord im Neuwieder Kreishaus die aktuell auf Bundesebene diskutierten Reformpläne zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zur Kenntnis genommen und gemeinsamen Widerstand angekündigt. Foto: Thomas Herschbach

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus Daueranzeige
Dauerauftrag
HWS-Syndrom
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Titelanzeige o. B. Vorauskasse
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Die neue Ahrufermauer in Mayschoß nimmt Gestalt an
724

In Mayschoß läuft der Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe 2021 schwer beschädigten Ahrufermauer auf Hochtouren. Zwischen dem Waagplatz und der Winzergenossenschaft entsteht eine neue, hochwasserangepasste Ufermauer auf tief gegründeten Bohrpfählen. Die Fertigstellung ist bis Sommer 2027 vorgesehen.

Von Nicolas Bäcker aus Dernau

Weiterlesen

Los gehts! Die Ehrenamtlichen des foodsharing-Bezirks Mayen machen sich auf, die übrigen Lebensmittel der Lukasmarktstände vor dem Wegwurf zu bewahren.
68

Mayen. Wenn die Lichter des traditionellen Lukasmarkts ausgehen und das Abschlussfeuerwerk verklungen ist, beginnt für ein ganz besonderes Team die wichtigste Schicht. Auch in diesem Jahr – und damit bereits im vierten Jahr in Folge – waren die Ehrenamtlichen von **foodsharing Mayen** am Sonntagabend im Einsatz, um übrig gebliebene Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren.

Von foodsharing Mayen Lebensmittelrettung aus Mayen

Weiterlesen

Kater Carlo
120

Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V.

Kater Carlo sucht Für-immer-Zuhause

Der stattliche Scottish Fold-Mix Kater Carlo (*ca. 1.6.2023 - Freigang oder Wohnungshaltung mit gesichertem Balkon) tauchte eines Tages im Garten einer katzenfreundlichen Dame auf, die ihn auch gerne aufgenommen hätte, aber die dort lebende Katze hatte erhebliche Einwände.

Von Katzenschutzfreunde Rhein-Ahr-Eifel e.V. aus Schalkenbach

Weiterlesen