Gordon Schnieder im BLICK
„Es ist höchste Zeit, etwas zu verändern“
Am 22. März 2026 wählen die Bürgerinnen und Bürger in Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Für die CDU geht mit Gordon Schnieder ein Kandidat ins Rennen, der den festen Plan hat, nach 35 Jahren SPD-geführter Landesregierung den politischen Wechsel herbeizuführen. Aktuelle Umfragen sehen die Christdemokraten als stärkste Kraft im Land. Doch was würde sich konkret ändern, sollte die CDU künftig den Ministerpräsidenten stellen? Genau das wollte Susanne Tack, Chefredakteurin von BLICK aktuell und Geschäftsführerin des Krupp Verlags in Sinzig, wissen. Gordon Schnieder folgte der Einladung zum Redaktionsgespräch gerne und stellte sich im Verlagshaus der Heimatzeitung einem ausführlichen Interview. Auf der Agenda standen die Themen, die die Menschen in Rheinland-Pfalz derzeit besonders bewegen: die Defizite im Bildungssystem, eine vielerorts marode Infrastruktur, die angespannte Finanzlage der Kommunen sowie der stockende Wiederaufbau des Ahrtals nach der Flutkatastrophe.
„Junge vom Land“ mit fachlicher Kompetenz
Zu Beginn des Gesprächs stellte sich der CDU-Spitzenkandidat vor. Gordon Schnieder ist 50 Jahre alt und lebt in Birresborn in der Verbandsgemeinde Gerolstein im Landkreis Vulkaneifel. Der diplomierte Finanzwirt (FH) ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seine politische Laufbahn ist eng mit dem Engagement für unsere Heimat verbunden: Seit 1991 ist er Mitglied der CDU, von 2014 bis 2019 war er Ortsbürgermeister von Birresborn. Seit 2010 steht er als Kreisvorsitzender an der Spitze der CDU Vulkaneifel, im September 2024 übernahm er zusätzlich den Landesvorsitz der CDU Rheinland-Pfalz. Für die Landtagswahl 2026 ist er Spitzenkandidat seiner Partei.
Beruflich bringt Schnieder langjährige Verwaltungserfahrung mit. Nach seinem Studium des Steuerrechts und der Finanzwirtschaft an der Fachhochschule für Finanzen in Nordkirchen arbeitete er zunächst in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalens beim Finanzamt Köln-Altstadt. Von 2002 bis 2016 war er in der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm tätig, bevor er als Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis 20 die Landespolitik prägte. Schnieder bezeichnet sich selbst als „Junge vom Dorf“, als bodenständig, heimatverbunden und engagierten Vereinsmenschen. Diese Verwurzelung, so machte er im Gespräch deutlich, prägt auch seinen politischen Anspruch: Politik solle nah bei den Menschen sein und ihre alltäglichen Sorgen ernst nehmen.
Bildung ist Schwachstelle von Rheinland-Pfalz
Die Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz steht seit Jahren in der Kritik. Dass das Land beim Thema Bildung schlecht dasteht, weiß auch Susanne Tack. „Wie kann das verbessert werden?“, möchte die BLICK aktuell-Chefredakteurin wissen. CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder findet darauf klare Antworten und spart nicht mit deutlichen Worten. Denn Rheinland-Pfalz war einmal Nummer eins als Bildungsland. Heute sei davon wenig übrig: Im Bildungsmonitor der Bundesrepublik landet das Land nur noch auf Platz 12. Diese Zahlen spiegeln sich im Alltag wider. Immer mehr Schülerinnen und Schüler bleiben sitzen, nicht wenige verlassen die Schule ohne ausreichende Grundlagen und beginnen in der Folge keine Ausbildung. Das seien keine Einzelfälle mehr, sondern flächendeckende, große Probleme, die dringend angegangen werden müssen.
Für Schnieder ist klar, wo angesetzt werden muss: bei der frühen Sprachförderung, und zwar von der Kita an. Sprache sei der Schlüssel zu allem weiteren Lernen. Darauf aufbauend müsse sich die Schule wieder konsequent auf die Kernfähigkeiten konzentrieren, wie Schnieder fordert: Lesen, Schreiben und Rechnen. Genau hier habe das System in den vergangenen Jahren stark nachgelassen. Konkret fordert Schnieder eine verlässliche Schulstruktur: Unterricht von Montag bis Freitag, jeweils von 8 bis 14 Uhr, ergänzt durch kostenlose Mittagsverpflegung und Hausaufgabenbetreuung in der Schule. Schule müsse wieder ein Ort sein, der allen Kindern gleiche Chancen bietet. „Es muss endlich wieder Bildungspolitik aus Sicht des Kindes gemacht werden“, betont der CDU-Spitzenkandidat. Dazu gehörten auch landeseinheitliche Standards und Schulstrukturen im ganzen Land. Dass Rheinland-Pfalz seit 35 Jahren von der SPD im Bildungsressort geführt wird, ist für Schnieder ursächlich für die Misere. Denn in dieser Zeit sei sehr vieles versäumt worden. Sein Fazit fällt klar aus: „Es ist höchste Zeit, etwas zu verändern!“ Wenn Rheinland-Pfalz nicht weiter absteigen will, brauche es einen echten Kurswechsel in der Bildungspolitik.
„SPD-Regierung misstraut den Kommunen“
Susanne Tack bringt die Lage auf den Punkt: Die Kommunen sind chronisch klamm und die Frage, was man dagegen tun kann, wird immer lauter. Gordon Schnieder formuliert es noch schärfer: „Die Kommunen sind vollkommen pleite.“ Zusätzlich zur angespannten Haushaltslage habe sich über Jahre ein massiver Investitionsstau aufgebaut. Ob Brücken in kommunaler oder landeseigener Trägerschaft, Sportstätten oder Universitäten: Überall bestehe ein Sanierungs- und Erneuerungsbedarf in Milliardenhöhe. Besonders problematisch ist die kommunale Infrastruktur: Brücken werden zwar gebaut, müssen aber von den Kommunen unterhalten werden. Und das ist eine Aufgabe, die viele Kommunen finanziell schlicht nicht mehr stemmen können. Zwar leiste der Landesbetrieb Mobilität (LBM), was möglich ist, doch auch dort fehlen rund 300 Planstellen. Ein zentrales Hindernis sei die unattraktive Bezahlung, die es schwer macht, qualifiziertes Personal zu gewinnen. Dabei geht es dem Land Rheinland-Pfalz insgesamt keineswegs schlecht. Es gibt kein grundsätzliches Einnahmeproblem. Neun Milliarden Euro Überschüsse wurden in den letzten Jahrenerwirtschaftet. „Warum wird dieses Geld gehortet, statt gezielt in Bildung, Polizei und Infrastruktur zu investieren?“, fragt Schnieder.
Schnieder wirft der SPD vor, jetzt kurz vor der Wahl taktische „Geschenke“ in Form von Fördermitteln zu verteilen. Derzeit existieren ganze 330 spezielle Programme für Kommunen. Daraus erwachsen häufig Anträge für Dinge, die eine Gemeinde eigentlich gar nicht gebraucht hätte – aber es gab ja Fördermittel. Schnieder betont: Die Kommunen sollten ganz grundsätzlich endlich finanziell besser und ausreichend ausgestattet werden, um ihre Aufgaben erfüllen zu können. Denn dort wüssten die gewählten Räte am besten, was ihre Heimat wirklich brauche.
Stattdessen wachse bei vielen Menschen das Gefühl, abgehängt zu sein, und Bürgermeister und Räte könnten kaum noch eigenständig handeln. Hier müsse dringend gegengesteuert werden, so Schnieder, denn dieses strukturelle Misstrauen gegenüber der kommunalen Ebene treibe Menschen in die Arme extremer politischer Kräfte. Auch der kommunale Finanzausgleich wird von ihm scharf kritisiert: Der Ausgleich könne nicht funktionieren, bringe keine echte Entlastung und sei ein „totgerittenes Pferd“. Der Plan sei bereits in anderen Bundesländern gescheitert.
Medizinische Versorgung muss verbessert werden
Auch die Gesundheitsversorgung nimmt Chefredakteurin Susanne Tack kritisch in den Blick. Sie verweist auf eine Entwicklung, die viele Menschen im Land verunsichert: „In Adenau, Remagen und Boppard werden Krankenhäuser geschlossen, das Krankenhaus in Cochem arbeitet defizitär. Wie kann die medizinische Versorgung überhaupt noch verbessert werden?“ Gordon Schnieder macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Krankenhäuser durch das Land seit Jahren chronisch unterfinanziert seien.Eine schleichende Entwicklung mit gravierenden Folgen. Zur Verdeutlichung nennt Schnieder ein Rechenbeispiel: Ein Krankenhaus benötige jährlich rund 350 Millionen Euro, um die Investitionskosten zu schultern, erhalte vom Land jedoch nur etwa 120 bis 150 Millionen Euro. Die Konsequenz sei zwangsläufig, dass Abteilungen geschlossen werden, weil sie sich nicht mehr tragen. Besonders hart treffe das kleinere Häuser: Rund 80 Prozent von ihnen schreiben inzwischen rote Zahlen. Vor diesem Hintergrund wachse bei vielen Bürgerinnen und Bürgern die Sorge, ob die medizinische Versorgung mittlerweile vom Wohnort, ja sogar von der Postleitzahl abhänge. Eine Frage, die das Vertrauen in den Staat und seine Daseinsvorsorge massiv belaste. Hinzu komme die notärztliche Versorgung, die aus Schnieders Sicht von entscheidender Bedeutung sei. „Ein Notarzt muss 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche verfügbar sein – egal wie“, betont der CDU-Spitzenkandidat. Zusätzlich verschärft werde die Lage durch den akuten Mangel an Fachpersonal im medizinischen Bereich. In Rheinland-Pfalz fehlten Studienplätze für angehende Ärztinnen und Ärzte. Es könne nicht sein, dass gut ausgebildete junge Menschen aus dem eigenen Land abwandern müssten, weil ihnen hier keine Perspektive geboten werde. Bereits seit 2016 fordere die CDU Verbesserungen im medizinischen Bereich. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, diese Forderungen endlich umzusetzen, so Schnieder: „Die CDU wird das endlich angehen!“
Bürokratie als große Hürde
Als Unternehmerin interessieren Susanne Tack vor allem zwei eng miteinander verknüpfte Themen: Wirtschaft und Bürokratie. Dabei entstehe zunehmend der Eindruck, dass die Bürokratie zu einem echten Hemmschuh für wirtschaftliches Handeln geworden ist. Diese Einschätzung teilt auch der CDU-Spitzenkandidat Gordon Schnieder. „Die Bürokratie im Land muss abgebaut werden“, betont er. Die Vielzahl an Verordnungen und Auflagen vermittle häufig ein grundlegendes Misstrauen gegenüber Unternehmen und Bürgern. Verwaltungen würden oft nicht als Dienstleister wahrgenommen, sondern als Instanzen, die gängeln oder verhindern. Dabei müssten sie für die Bürger arbeiten – nicht gegen sie. „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel im Staat. Weg vom Misstrauen, hin zu Verantwortung, Tempo und Vertrauen. Tatsächlich blockiere übermäßige Bürokratie die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Beispiel sei die Ausweisung neuer Gewerbegebiete, die sich über lange Zeiträume hinziehe. Zeit, die Unternehmen schlicht nicht hätten. Auch auf europäischer Ebene würden zusätzliche Fallstricke entstehen. Viele Menschen blickten kaum noch durch, welche Regeln sie eigentlich einhalten müssten. Der Bürokratieabbau sei deshalb eines der zentralen Anliegen der CDU.
Das Ahrtal ist keine Modellregion geworden
Ein weiteres großes Thema ist der Wiederaufbau des Ahrtals nach der Flutkatastrophe. Ursprünglich sollte die Region als Modellprojekt dienen. Auf die Frage, ob das gelungen sei, antwortet Schnieder klar: „Nein, das hat nicht funktioniert.“ Während in Nordrhein-Westfalen der Wiederaufbau deutlich besser vorangekommen sei, hapere es in Rheinland-Pfalz erheblich. Besonders deutlich werde dies im Bereich der Schulen: Von 17 betroffenen Schulen seien lediglich zwei wieder aufgebaut worden, der Großteil der Schülerinnen und Schüler lerne noch immer in Containern. Zusätzlich sei das Wiederaufbau-Büro des Landes geschlossen worden. Dies sei ein Fehler, wie Schnieder betont. Viele Bürger hätten inzwischen den Eindruck, dass sich niemand mehr kümmere, obwohl es weiterhin großen Handlungsbedarf gebe, insbesondere im psychosozialen Bereich.
Auch Schnieder bezeichnet den Umgang mit der Flutkatastrophe als „Staatsversagen“. Eine Entschuldigung der Verantwortlichen sei bis heute ausgeblieben, obwohl sie dringend notwendig wäre. Dies schließe auch den ehemaligen Landrat Dr. Jürgen Pföhler mit ein. Darüber hinaus müsse der Hochwasserschutz im Ahrtal deutlich vorangetrieben werden. Bislang sei zu wenig geschehen. „Das muss endlich gemacht werden“, fordert Schnieder. Ohne einen sinnvollen und konsequenten Hochwasserschutz drohe die nächste Katastrophe. Und diese werde nicht erst in hundert Jahren kommen.
Mit „Herzensthemen“ in die Wahl
Zum Abschluss sprach Schnieder zwei persönliche „Herzensthemen“ an. Zum einen den Eigenheimzuschuss: Wohneigentum müsse wieder bezahlbar werden, insbesondere für Familien. Die CDU plane daher eine gezielte Förderung: Pro Elternteil solle es einen Zuschuss von 10.000 Euro geben, für jedes Kind zusätzlich 5.000 Euro. „Wir unterstützen Familien dabei, sich ein Zuhause zu schaffen.“
Zum anderen möchte Schnieder die Freiwilligen Feuerwehren stärken. Geplant ist eine Dankesprämie für langjährige Mitglieder: Wer etwa 25 Jahre ehrenamtlich bei der Feuerwehr aktiv ist, soll 250 Euro erhalten. „Die, die für uns durchs Feuer gehen, haben diese Unterstützung verdient.“ Für die Zukunft hat Gordon Schnieder weitere klare Ziele. Die Partei solle wieder an die Spitze zurückkehren. Er wolle sich einsetzen für einen starken Mittelstand ohne bürokratische Hürden und für eine starke Bildung im Land. Oder um es nach dem Wahlkampfmotto der CDU auf den Punkt zu bringen: für ein Land, das funktioniert.
Text/Fotos: ROB
Wie kann die Situation in Rheinland-Pfalz verbessert werden?“, möchte Chefredakteurin SusanneTack wissen.
