Politik | 21.06.2022

Kreis- und Umweltausschuss will das Projekt nicht weiter verfolgen

„Ich bin froh, dass der Geist der Seilbahn endlich aus den Köpfen verschwindet“

Bei der näheren Untersuchung stellte sich heraus, dass die Seilbahn gegenüber der Ahrtalbahn nicht konkurrenzfähig wäre und zudem Klagen von Anwohnern zu befürchten seien

Ahrtal. Endgültig gestorben ist die Idee aus der Zukunftskonferenz, eine Seilbahn als Alternative zum schienengebundenen ÖPNV entlang des Ahrtals zu errichten. Einstimmig votierte der Kreis- und Umweltausschuss jetzt dafür, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen. Eine Seilbahn sei keine echte Alternative zur Ahrtal-Bahn, denn sie sei zu langsam, berücksichtige den Schülerverkehr überhaupt nicht, steuere anstatt acht nur zwei Haltestellen an und werfe darüber hinaus rechtliche Probleme auf, weil sie über weite Strecken hinweg über Wohngebiete schweben müsste. Landrätin Cornelia Weigand (parteilos) befürchtet Klagen von Anwohnern, die sich nicht tagein, tagaus von den Fahrgästen auf die Terrasse, den Balkon oder gar ins Badezimmer schauen lassen wollten. Aber auch wirtschaftlich sei eine Seilbahn nicht tragfähig.

„Ich bin froh, dass der Geist der Seilbahn endlich aus den Köpfen verschwindet“, sagte das Dernauer Ausschussmitglied Ingrid Nägel-Surges (CDU). Bei vielen Bürgern und Gastronomen der Mittelahr sei von vornherein klar gewesen, dass man die notwendige Mobilität nicht mit einer Seilbahn hinbekommen könne. Vor allem die Anforderung des Schülerverkehrs und der enormen Fahrgastzahlen anlässlich der diversen Weinfeste seien von einer Seilbahn nicht zu schaffen, befürchtete sie. „Und das Ahrtal würde ab Walporzheim zur Besichtigung von oben freigegeben.“ Mathias Heeb (Grüne) fand die Idee zwar interessant, doch wenn die Ahrtalbahn wie geplant elektrifiziert werde, sei diese schneller und ökologischer unterwegs. Hans-Josef Marx (FWG) fand es löblich, dass es keine Denkverbote gebe, sah aber ebenfalls keine Zukunft für die Seilbahn.

Die Idee entstand auf der Zukunftskonferenz

Die Idee war auf der Zukunftskonferenz entstanden, weil durch die Flutkatastrophe auch die Infrastruktur der Ahrtalbahn stark beschädigt worden war. Nach Angaben der DB Netze AG dauere der Wiederaufbau und die Inbetriebnahme der kompletten Bahnstrecke bis mindestens Ende 2025.

Die Befürworter der Seilbahn sehen hierin eine zukunftsfähige Technologie, deren Effizienz bereits in größeren Städten unter Beweis gestellt worden sei. Als weitere Vorteile werden der schnelle und kostengünstige Bau angeführt. Außerdem nutze sie den Luftraum als Verkehrsweg und bilde daher kein Hindernis bei Hochwasser. Die Seilbahntechnik sei überschaubar und bekannt sowie die Wartung preiswert. Für den Betrieb werde wenig Personal benötigt.

Bei näherer Prüfung gemeinsam mit dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord sowie einem der führenden Seilbahnhersteller Europas und einer Betreiberin eines städtischen Seilbahnnetzes hätten sich jedoch zahlreiche Probleme ergeben, so Weigand. Die Geschwindigkeit der Seilbahn betrage maximal 30 Stundenkilometer, was für die Strecke von Ahrweiler nach Dernau eine Fahrzeit von 14 Minuten bedeuten würde. Zum Vergleich: die Ahrtalbahn brauchte vor der Flut vom Bahnhof Ahrweiler nach Dernau nur 8 bis 9 Minuten, fuhr dabei auch noch die Haltestellen Ahrweiler Markt und Bahnhof Walporzheim an. Die Kosten für eine Seilbahn beliefen sich auf mehr als 32 Millionen Euro, sie könnte frühestens 2024 betriebsbereit sein. Von einer Weiterführung auf dem 1983 stillgelegten Streckenabschnitt zwischen Ahrbrück und Adenau hielten die Experten nichts, weil wegen der meist geradlinig verlaufenden Bundesstraße 257 eine Seilbahn gegenüber dem Bus hinsichtlich der Fahrtdauer nicht konkurrenzfähig sei.

Seilbahn kann kein Ersatz für die Ahrtalbahn sein

Weigands Fazit: „Der Bau und Betrieb einer Seilbahn kann keinen Ersatz für die Ahrtalbahn zur Personenbeförderung im Rahmen des ÖPNV darstellen.“ Die geplante Elektrifizierung der Ahrtalbahn ermögliche künftig zudem zwischen Remagen und Ahrbrück wesentlich schnellere Zugverbindungen als dieselbetriebene Triebwagen. Auch dürfte der Zeitraum für die Realisierung der Seilbahn keinen zeitlichen Vorteil gegenüber dem Wiederaufbau der Ahrtalbahn bringen. Diese könne bis Ende 2025 voraussichtlich wieder auf voller Länge fahren, für den Bau einer Seilbahn müssten erst noch die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, was bei der Größe des Plangebiets allein schon mehrere Jahre dauern könnte. Dazu komme das Risiko von Klagen von Privatleuten oder von Umweltverbänden gegen das Vorhaben. Schließlich müssten auch noch eigentumsrechtliche Fragen geklärt werden. Nicht zuletzt lasse sich die Beförderung der Schüler sowie die Berufspendler der Mittelahr durch einen schienen- und straßengebundenen Personennahverkehr effizienter bewerkstelligen als mit einer Seilbahn.

Hiervon unberührt seien jedoch mögliche Überlegungen zum Bau und Betrieb einer Seilbahn für touristische Zwecke. So sei eine Seilbahn vom Tal aus zur Saffenburg, zur Burg Are oder zum Krausbergkopf bei Dernau zur touristischen Erschließung durchaus vorstellbar, doch das sei zunächst einmal Sache der Kommunen und nicht des Kreises. JOST

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