Allgemeine Berichte | 01.02.2022

Bäckerfamilie aus Ahrweiler öffnet nach dem verheerenden Hochwasser erstmals wieder ihre Filialen

Mit Optimismus, Mut und Humor in die Zukunft nach der Flut

Hingucker im Keller: Der alte Ofen im Souterrain ist Jürgen Schmitz ganzer Stolz.

Hingucker im Keller: Der alte Ofen im Souterrain ist Jürgen Schmitz ganzer Stolz.

Ahrweiler. Die Familie Schmitz sitzt gut gelaunt bei einer Tasse Kaffee am Esstisch in ihrer Küche. Seit dem die Flut ihre Bäckerei in der Niederhutstraße verwüstete, hat sich viel geändert. Und das, so leitet das einhellige Fazit der Handwerksfamilie, zum Positiven. Zwar werkeln noch überall Handwerker in ihren vier Wänden und der Bedienraum im kleinen Café ist immer noch ein Rohbau, doch die ersten, ganz großen Herausforderungen sind gemeistert. Die Filialen in Ramersbach und Bachem öffneten wieder am 1. Februar ihre Pforten für die Kundschaft. Somit gibt es viel zu tun und wenig Zeit, um Trübsal zu blasen. Dass die Familie Schmitz weiter machen wollte, war schon kurz nach der Flut klar. Auch, weil Sohn Jan Philipp die Traditionsbäckerei im Herzen Ahrweilers weiter führen wollte. Und seither beschreitet die Familie den durchaus beschwerlichen Weg in die Zukunft mit drei wesentlichen Eigenschaften: Optimismus, Mut und einer guten Prise Humor.

Dennoch: Praktisch alles hatte die Flut zerstört, nur ein Kühlschrank überlebte die Flut, da die Kühlung einige Zentimeter über dem Wasser stand. Der Rest war plattgemacht und musste neu geordert werden. Mal als Neuware, mal als fitgemachte Gebrauchtgeräte, schafften sie sich zwei Teigkneter, eine Brötchenpresse, eine Ausrollmaschine und einen neuen Backofen an. Bei der Anschaffung der Geräte dachte man an die Zukunftsfähigkeit des Betriebes. Sohn Jan-Philipp setzte sich durch und „verlangte“ nach einem moderneren und leistungsstarken Stikkenofen. Nun können in der Bäckerei noch mehr Brötchen als vor der Flut gebacken werden. „Wir haben gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagt Chef Jürgen Schmitz. Somit wurde aus der sprichwörtlichen Not eine Tugend. Um die neuen Geräte zu finanzieren, sprang vor allem die Versicherung ein. Das hat im „Großen und Ganzen gut geklappt“, blickt die Familie zurück. Auch die Soforthilfe des Kreises kam prompt. Die Hilfen der ISB habe man gar nicht erst beantragt. „Das sollen die Menschen bekommen, die es dringender nötig haben als wir,“ sind sich Jürgen, Petra und Jan-Philipp Schmitz einig.

Nun wird also in Ahrweiler wieder gebacken. Nur verkauft werden Laugenbrötchen, Croissants und Bretzeln dort noch nicht, sondern nur in den erwähnten Filialen in den Stadtteilen. Ein konkretes Ziel für den Hauptsitz hat man aber schon. „Wenn alles gut geht, können wir auch in der Ahrhut im März oder April wieder starten“, vermutet Jürgen Schmitz. Dies hänge davon ab, wie schnell die Handwerker vorankommen. Eines ist der Familie aber wichtig: „Bloß keinen Druck!“, hebt Schmitz beschwichtigend die Hände. Auch, wenn viele Menschen aus Ahrweiler schon sehnlichst auf die handgemachten Backwaren warten. „Wir warten jetzt erst einmal ab, wie es weitergeht“, so Schmitz. Schließlich könne man nichts erzwingen, sagt er.

Trotzdem können sich die Kunden auf einiges Neues freuen. „Was das ist, verraten wir aber noch nicht“, lacht Petra Schmitz. „Ein bisschen Überraschung muss ja auch sein.“

Eine Überraschung wartete auch im Keller des alten Ahrweiler Hauses. Dort steht ein fast antiker Backofen, gebaut um 1907 in Königswinter. Der Vorgänger von Jürgen Schmitz hat damit noch gebacken, heute dient der nostalgische Ofen ausschließlich als Hingucker. Und Schmitz hat damit etwas vor: Er könne sich super vorstellen, dort künftig kleine Events zu veranstalten. ROB

Hingucker im Keller: Der alte Ofen im Souterrain ist Jürgen Schmitz ganzer Stolz.

Hingucker im Keller: Der alte Ofen im Souterrain ist Jürgen Schmitz ganzer Stolz.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
02.02.202207:42 Uhr
Gabriele Friedrich

Das sind ja mal tolle Leute ! Ich mag Menschen, die nicht jammern und zetern wenn etwas verloren gegangen ist. Neu anfangen, das ist das Ziel. Der alte Ofen ist wirklich ein Prachtstück, schön das er so erhalten blieb.
Ich wünsche der Familie Schmitz einen baldigen Neustart und viel Glück und Gesundheit- und Grüße ans schöne Ahrweiler.
Es ist doch sowieo ein kleines Wunder, das es noch wirklich traditionelle Bäcker gibt.
[ Zitat] Sohn Jan-Philipp setzte sich durch und „verlangte“ nach einem moderneren und leistungsstarken Stikkenofen.[ Zitat Ende] Es ist gar nicht so einfach sich zu behaupten, aber die Zukunft gibt dem Sohn recht und der Vater kann stolz sein, das der Sohn einmal übernimmt. Alles Gute hierfür.

Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 1

  • Rüdiger Knieps: Kesseling im Kreis Ahrweiler
  • Michael Kroeger: Bestätigung Wahlergebnis am 13.4.2026. Mark Geimer wird Stadtbürgermeister. Unterschrift Nutzungsvertrag Windkraft am 17.4.2026 durch den 1. Beigeordneten Werner Lahme. Die Vereidigung Mark Geimer als...
Dauerauftrag
Handwerker im Außendienst
Werksverkauf Anhausen
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Kirmes Löhndorf
Kirmes in Löhndorf
Werbeplan 2026
Stellenanzeige Auszubildung zum/zur Umwelttechnologen/in
Anzeige KW 16
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Empfohlene Artikel
Bildunterschrift: v.l.n.r. Achim Juchem, Winfried Manheller, Elisabeth Prange und Nadine Kreuser.
7

Lantershofen/Grafschaft. Eine Veranstaltung, die nachwirkt: Im Februar sammelte der in der Grafschaft lebende Autor Wilfried Manheller bei seinem Auftritt im Saal des Winzervereins Lantershofen 800 Euro für den Hospiz-Verein Rhein-Ahr e.V. Jetzt wurde die Spende offiziell von Bürgermeister Achim Juchem, Elisabeth Prange sowie dem Autor übergeben.

Weiterlesen

Weitere Artikel
8

Kostenlose Beratung und Unterstützung

Beratungsleistungen der Gemeindeschwesterplus

Kreis Neuwied. Die Gemeindeschwesterplus bietet kostenlose Beratung und Informationen zu gesundheitlichen Themen wie Sturzprävention, Ernährung, Bewegung und vielen weiteren Aspekten - auch bei Hausbesuchen.

Weiterlesen

Symbolbild.
18

Astrologische Vorschau für die KW 18: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 27. April bis 3. Mai 2026

Mit dem Übergang vom April in den Mai beginnt eine Woche, die von Aufbruch, Begegnungen und kleinen Wendepunkten geprägt ist. Rund um den 1. Mai rücken Feste, Traditionen und zwischenmenschliche Beziehungen in den Mittelpunkt. Das Feiern in den Mai hinein sorgt für Leichtigkeit, während alte Bräuche wie das Aufstellen des Maibaums für romantische Zeichen und neue Impulse stehen. Gleichzeitig fordert die Woche dazu auf, auf die eigene Balance zu achten und Chancen bewusst zu nutzen.

Weiterlesen

8

Jiddische Musik und Märchen

Klezmer märchenhaft

Koblenz. Klezmer märchenhaft - Jiddische Musik und Märchen am Samstag, 2. Mai 2026, 18 Uhr in der Christuskirche Koblenz, Friedrich-Ebert-Ring / Hohenzollernstraße.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Holz Loth-Entsorgung
Rund ums Haus "Baustellen / Wertstoffhöfe"
Kirmes in Polch
neue Heizung?
Rund ums Haus Daueranzeige
Suchen Auslieferungsfahrer
Kirmes Polch
Lava Grill Buffet
Floristik Meyer
Blumen Meyer Neueröffnung
Kirmes in Löhndorf
Löhndorfer Kirmes
Anzeige Reinigungskraft
Ausverkauf
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim
Maibaumstellen Heimersheim