Allgemeine Berichte | 25.11.2024

Autorin und Illustratorin Petra Liemersdorf schickt ihren Kinderbuch-Protagonisten und Kollegen samt Familie ins Ahrtal nach der Flut

Neue Herausforderungen für Tom, den THW-Helfer

Frontseite des neuen Buches. Foto: Petra Liemersdorf

Ahrtal. „Für all jene Menschen, die mit ihrer Hilfsbereitschaft, Tatkraft und Menschlichkeit den Betroffenen in den Flutgebieten zur Seite standen“. So lautet Petra Liemersdorfs Widmung in ihrem neuen Buch aus der Reihe „Tom, der THW-Helfer“. Es konnte nicht genug Hilfe geben in den Tagen, Wochen und Monaten des Elends nach der verheerenden Flut im Katastrophensommer 2021 an der Ahr. Die Flut hat nachhaltig tiefe Wunden geschlagen in die Landschaft und alle Lebensbereiche der getroffenen Anwohner.

Am liebsten haben wir die Welt hell, farbig und voller Impulse, die zu Entdeckungen einladen. Aber es gibt andere Zeiten und Zustände, die eigentlich niemandem, am wenigsten den schwächsten Gliedern der Gesellschaft, zuzumuten sind. Und doch existieren sie. Kinder sind stets mitbetroffen. Für diese Altersgruppe verfasst Petra Liemersdorf aus Oberdürenbach die Bücher der Reihe „Tom, der THW-Helfer“, um eine positive Perspektive für die Zeit nach dem Schrecken aufzuzeigen. Mit „Einsatz im Ahrtal“ ist nun der vierte Band erschienen.

Basierend auf dem tatsächlichen Geschehen erleben die jungen Leser sowie Zuhörer ab fünf Jahren, wie THW-Helfer Tom und seine THW-Kollegen den Menschen zu Hilfe kommen. Die Bedrohlichkeit während der Überflutung schildert Liemersdorf sehr kurz am Beispiel der Familie Blum, die sich oben im Haus in Sicherheit bringt. Dann nimmt Toms Familie die Eltern auf, während die Kinder Franzi und Ben bei ihren Großeltern unterschlüpfen.

Ganz zu Anfang des liebevoll gestalteten Bilderbuches schlängelt sich aus Vogelsicht das Band der Ahr idyllisch durchs Grün, bis es sich in der Ferne verliert. Vorne markiert das Ahrtor von Ahrweiler den Ort, wo Liemersdorf die Geschichte ansiedelt. In Worten kommen bald Regen, entwurzelte Bäume und kaputte Autos vor. Aber nur ein Bild von Maike Blum im verwüsteten, Schlamm verdreckten Raum schildert ansatzweise, wie verzweifelt und hilflos die Zerstörung macht. Andere Szenen sind entschärft. Den Schutt entlang der Wohnhäuser zeigt Autorin und Illustratorin Liemersdorf, ohne dass Gegenstände des persönlichen Gebrauchs erkennbar wären. Eben sowenig findet man erschütternde Anhäufungen von Holz oder PKW, Brücken- und Hausruinen. Ein Verzicht zugunsten des jungen Publikum.

Dessen Augenmerk lenkt das Buch in hellen Bildern mit den freundlichen Personen bald auf die großartige Hilfe. Menschen aus ganz Deutschland packen mit an, und die THW-Leute richten eine Fähre über den Fluss ein, bauen eine Pontonbrücke, erzeugen Trinkwasser, räumen Schutt und installieren eine große Autobrücke über die Ahr, was technisch eindrucksvoll ist. In klaren Worten werden die Vorgänge erläutert.

Charmant in die Erzählung eingeflochten ist das Erleben von Familienhund Wuschel und Rabe Carolus. Sie sind als starke Sympathieträger angelegt Wie die Menschen halten auch diese beiden Freunde zusammen. Natürlich können die Tiere miteinander sprechen. Sie verständigen sich auf die Suche nach „Bini“, Franzi Blums unendlich vermissten Teddybär, den sich die Flut vom Sofa schnappte. So wie es nach dem realen Desaster wahre kleine Wunder gab, darf auch Bini wieder zu seiner Bärenhalterin zurückkehren.

Den Kindern zuliebe hat Liemersdorf, die neben ihrer Arbeit als Künstlerin und Autorin seit 40 Jahren beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) arbeitet, in der anrührenden gleichwohl frisch erzählten Geschichte Härten bewusst vermieden, ohne aber die Wirklichkeit auszublenden. So wird gemeinsam der Menschen gedacht, die gestorben sind.

„Die Problematik Kindern Angst zu machen, das ist tatsächlich eine zentrale Frage und war bei diesem Buch im Vorfeld auch ein großes Thema für mich“, sagt Liemersdorf. Allgemein vertrete die Fachwelt / Kinderpädagogik aber die Ansicht, dass ein Nichtansprechen, Verdrängen schlimmer sei, als sich damit in einer Weise auseinanderzusetzen, die dabei hilft, es zu verarbeiten. „Wichtig ist immer bei Kinderbüchern, dass es gut ausgeht, dass das Kind beim Lesen das Gefühl hat, es entwickelt sich etwas positiv weiter. Es muss ein gutes Ende haben. Kurz: Es passieren auch schlimme Dinge, aber davon geht die Welt nicht auf Dauer unter, es gibt auch ein gutes Danach.“

Um sich nicht nur auf ihr eigenes Gespür zu verlassen, hat Liemersdorf die Unterstützung von Grundschulpädagogen, sowie von einer Psychologin und einer Psychotherapeutin gesucht. Dennoch rät sie, „an sollte kleinere Kinder allerdings nicht alleine lassen mit so einem Buch, vor allem nicht, wenn sie die Flut erlebt haben“. Das durchgängig bebilderte Buch (ISBN: 978-3-946766-25-4), 32 Seiten, WDV Medien Verlag, Hardcover, kostet 15,90 Euro. HG

Frontseite des neuen Buches. Foto: Petra Liemersdorf

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