Herbert Reichelt amüsierte mit komischer Lyrik
Trauerreden, Börsenkurse und Genderlyrik
Wachtberg-Berkum. „Kein Meister fällt aus Himmeln, Du musst erst viel Erfahrung simmeln.“ Mit dieser orthographisch zwar nicht korrekten, aber lyrisch durchaus sinnigen Erkenntnis begrüßte Herbert Reichelt im Rahmen der 12. Wachtberger Kulturwochen die Zuhörer zu einer erneuten Lesung komischer Lyrik im WeinCabinet Briem.
Bereits im letzten Jahr hatte Reichelt mit seiner dortigen Lesung für herzhafte Lacher gesorgt. Und so war es nicht verwunderlich, dass sich zur diesjährigen Fortsetzung eine noch größere Gästeschar in der gemütlichen Weinhandlung am Bernareggioplatz in Berkum einfand. Den Autor freute es, und es dauerte auch nicht lange, bis der Funke des „höheren Blödsinns“, wie Reichelt es in der Einladung genannt hatte, übersprang und sich ein immer breiteres Grinsen auf den Gesichtern der Zuhörer abzeichnete.
Die Tücken des Alltags
Auch wer sie schon kennt, Reichelts Top-Gedichte, wie „Die Trauerrede von Klawede“, „Anja Börsenqueen“ oder „Billy-Regal“, darüber kann man auch beim zweiten und dritten Mal noch herzlich lachen. Es sind die kleinen Tücken des Alltags, die Reichelt in seinen Versen unter die Lupe nimmt. Mal verschmitzt, mal ernst, dabei immer mit einem zwinkernden Auge. Selbst Banalitäten, wie der Busfahrer, der die jeweils nächste Haltestelle durchgibt, „Bin jetzt Johanniskirche“, entwickeln bei ihm eine Eigendynamik, deren Komik man sich nicht entziehen kann. Ganz korrekt wird er beim Thema Gender, das Gedicht dazu verlangte den Zuhörern einiges ab. Korrekt, ja, das war’s. Aber wollen wir das, so korrekt? Reichelt traf den Nerv der Zeit damit auf den Punkt. Sogar Lokal-Humoriges fand Eingang in sein Werk. In „So Grün und Weiß…“ nimmt er das Leid eines verkappten Karneval-Prinzenpaares aufs Korn. Und gar global kulturell Witziges um hohe Kunst und eine dann doch nur von Künstlerhand vergoldete Toilette hat er thematisiert… „Danke, Guggenheim!“. Im Fußball-Weltmeistersommer durften natürlich auch ein paar lyrische Seitenhiebe auf die derzeit überall im Fokus stehenden Ball-Profis nicht fehlen. „Was tun, Herr Löw?“ fragte Reichelt ganz ungehemmt.
Ein Limerick ihm zu Ehren
Bevor Reichelt selbst noch einige seiner Limericks zum Besten geben konnte, wurde er von Erwin Ruckes mit einem von diesem ihm zu Ehren selbst geschriebenen Limerick über einen Pianisten überrascht. Der Musiker, der wie schon im Vorjahr Reichelts Lesung mit spritzigen Jazz-Improvisationen am Klavier bereicherte, amüsierte das Publikum mit dem darin deutlich auszumachenden autobiografischen Bezug.
Es wurde viel gelacht, ganz viel gelacht. Ob es auch ein wenig dem guten Wein geschuldet war? Wie auch immer, Reichelts Gedichte und Ruckes Musik im WeinCabinet Briem haben einfach wieder Spaß gemacht.
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