Allgemeine Berichte | 17.09.2025

Ein außergewöhnlicher Humanist

Vortrag und Musik beschäftigten sich mit Albert Schweitzer

Prof. Dr. Rüdiger Jung bringt den Besuchern des Abends das Leben Albert Schweitzers und dessen Einstellungen zum Leben nahe. Quelle: Stadt Selters

Selters. In einer Veranstaltung des „Forum Selters“ wurde einer Persönlichkeit gedacht, deren Botschaft zeitlos ist: Albert Schweitzer, der in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert hätte. „Gerade heute in dieser verrückten Welt mit Autokraten als Denker und Mahner sollte Schweitzer weiterhin Gültigkeit haben und verbreitet werden“, sagte Volker Hummerich zur Eröffnung der Veranstaltung und traf damit den Gedanken des Abends.

Prof. Dr. Rüdiger Jung widmete seinen Vortrag dem „Mahatma Gandhi der westlichen Welt“. Musikalisch begleitet wurde er dabei von Volker Sievert am Flügel, der den gesamten Vortrag mit Werken Johann Sebastian Bachs, aber auch mit eigenen Kompositionen von Albert Schweitzer bereicherte und so eine Verbindung zwischen Worten und Musik schuf.

Albert Schweitzer wurde 1875 im elsässischen Kaysersberg geboren, als Sohn einer evangelischen Pfarrersfamilie. Schon früh fiel er durch musikalisches Talent auf und entwickelte eine tiefe Liebe zu alten Orgeln. Er studierte Theologie, Philosophie und schließlich auch Medizin – eine ungewöhnliche Verbindung, die ihn zu einer der vielseitigsten Gestalten des 20. Jahrhunderts machte. Doch Schweitzer wollte mehr, als nur in akademischen Zirkeln wirken. „Wer Glück im Leben hat, ist verpflichtet, davon etwas abzugeben an diejenigen, die weniger Glück haben“, lautete einer seiner Leitsätze.

Der Schritt nach Afrika

Getreu diesem Grundsatz reiste er 1913 mit seiner Frau Helene Bresslau nach Gabun. Helene stammte aus großbürgerlichem Hause, war examinierte Lehrerin, hatte in England gearbeitet und erwies sich als ebenso tatkräftig wie ihr Mann. Gemeinsam bauten sie in Lambaréné ein Urwaldhospital auf, das sie gegen alle Widerstände aufrechterhielten. In einfachsten Verhältnissen behandelten sie Kranke, linderten Schmerzen und schufen einen Ort der Hoffnung. Dabei war Schweitzer kein Missionar im klassischen Sinn. Er sah die afrikanischen Menschen nicht als „Objekte westlicher Zivilisation“, sondern begegnete ihnen mit Respekt. Sein Ziel war es, ihre Würde zu achten und medizinische Hilfe zu leisten, ohne ihre Kultur zu missachten.

Aus dieser Haltung heraus entwickelte Schweitzer seinen zentralen Gedanken: die „Ehrfurcht vor dem Leben“. Sie galt nicht nur für Menschen, sondern ebenso für Tiere und die gesamte Natur. Damit nahm er Ideen vorweg, die heute in ökologischen und ethischen Debatten selbstverständlich scheinen, damals aber revolutionär waren.

1952 erhielt er den Friedensnobelpreis. Die Auszeichnung nutzte er nicht für sich, sondern für sein Werk in Lambaréné. Gleichzeitig erhob er seine Stimme gegen Atomwaffen und Militarismus – und wurde so auch zu einem Mahner in den Wirren des Kalten Krieges.

Erinnerung mit Blick in die Zukunft

„Es gibt großen Bedarf, über das Lebenswerk von Schweitzer zu berichten und seine Taten in Erinnerung zu rufen, auch wenn er zurzeit nicht angesagt ist“, unterstrich Rüdiger Jung in seinem Vortrag. Schweitzer sei ein eigensinniger Denker gewesen, unbeirrbar, aber gerade deshalb ein Vorbild.

Der Abend im Stadthaus machte deutlich: Schweitzer ist nicht nur eine Gestalt der Vergangenheit, sondern ein Leitbild für Gegenwart und Zukunft. Sein 150. Geburtstag bietet einen willkommenen Anlass, das Vermächtnis dieses außergewöhnlichen Humanisten neu zu entdecken – im Wort, in der Tat und, wie an diesem Abend eindrucksvoll erlebbar, in der Musik. Pressemitteilung der Stadt Selters

Volker Siefert verbindet das Leben Schweitzers mit Musik aus dessen Leben.

Volker Siefert verbindet das Leben Schweitzers mit Musik aus dessen Leben.

Prof. Dr. Rüdiger Jung bringt den Besuchern des Abends das Leben Albert Schweitzers und dessen Einstellungen zum Leben nahe. Quelle: Stadt Selters

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, kann man in aktueller Sache in Neuwied sehen. Hier wurden im Rahmen einer Schulhofumgestaltung 3 nachweislich verkehrssichere gesunde 100 Jahre alte...
  • Koblenzer Bürger: Die Forderung der FDP, die Baumschutzsatzung abzuschaffen, ist ein längst überfälliger Schritt gegen staatliche Überregulierung. Es ist widersprüchlich, Hauseigentümer auf dem eigenen Grund und Boden...
  • Oliver Spielmann: Was passiert, wenn es keine Baumschutzsatzung gibt, haben wir in aktueller Sache in Neuwied gesehen. Hier wurden an einer Schule im Rahmen einer Umgestaltung 3 einhundert Jahre alte nachweislich gesunde...
  • Boomerang : Seit 2011 eine Frau durch einen herabstürzenden Ast in d Rheinanlagen ums Leben kam will keiner mehr für die Sicherheit verantwortlich sein. Mit alten Bäumen ist es wie mit alten Menschen, die können weg und machen nur Arbeit.
  • Bernd Hilger: Und wann wird sie für den Verkehr freigegeben ?
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Imageanzeige
MAYA  - Mayener Ausbildungsmesse am 13. März 2026
Anzeigenschaltung „zzgl. Onlineausgabe“
Innovatives rund um Andernach
Mitarbeiter im Verkauf
Image Anzeige für Arno Reif
BSW-Gesamt
Empfohlene Artikel

Herschbach. In der Ortsgemeinde Herschbach findet am Montag, 9. März 2026, eine gemeinsame Sitzung des Bau-, Wirtschafts- und Verkehrsausschusses sowie des Umwelt-, Naturschutz- und Landespflegeausschusses statt. Beginn ist um 18:15 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses Herschbach, Heinrich-te-Poel-Straße 1.

Weiterlesen

Selters. Das Forum Selters startet in sein 15. Veranstaltungsjahr und präsentiert für 2026 ein vielseitiges Kulturprogramm. Rund 80 Veranstaltungen hat das ehrenamtliche Team in den vergangenen Jahren bereits auf die Bühne gebracht: Kabarett, Jazz, Soul, Figurentheater, Vorträge, Spieleabende, Ausstellungen heimischer Künstler, Workshops und die beliebten „Länderabende“.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Mayen startet mit Traumwetter in den Frühling

Frühlingskirmes in Mayen: Ein Wochenende voller Genuss und Erlebnisse

Mayen. Ein traumhaftes Sonnenwetter läutete beim Frühjahrskirmeswochenende den ersehnten Frühling ein. So hatten sich das die vielen Hundert Besucher gewünscht und der Wettergott hatte nach dem nasskalten Winterwetter diesbezüglich tatsächlich ein Einsehen. Sehr zur Freude aller Anwesenden, die am verlängerten Wochenende einen Bummel entlang der Stände und Attraktionen sichtlich genossen.

Weiterlesen

Meckenheim. Zu einem folgenschweren Verkehrsunfall kam es am Samstagmorgen (07.03.2026) gegen 10:45 Uhr auf der Bonner Straße in Meckenheim. Zur Unfallzeit befuhr eine 68-jährige Autofahrerin die Meckenheimer Allee/Bonner Straße in Fahrtrichtung Rheinbach. Kurz vor der Kreuzung Gudenauer Allee/Bonner Straße beabsichtigte sie, nach links in eine Zufahrt abzubiegen und missachtete dabei die Vorfahrt eines entgegenkommenden Motorradfahrers, der die Bonner Straße in Fahrtrichtung Bonn befuhr.

Weiterlesen

Dauerauftrag 2026
Rund ums Haus
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Werbeplan 2026
Essen auf Rädern
Daueranzeige 2026
Dauerauftrag 2025
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Zukunft trifft Tradition KW 10
Zukunft trifft Tradition KW 10
Imageanzeige Dauerauftrag 03/2026
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Haus
Angebotsanzeige (März)
MAYA
Held*in Staubfeldwebel